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Hubert Aiwanger Königsmacher ja, Prinzesschen nein

Die CSU will mit den Freien Wählern lieber koalieren als mit den Grünen: FW-Chef Aiwanger hat als designierter stellvertretender Ministerpräsident eine neue Rolle gefunden.
2 Kommentare
Der Spitzenkandidat der Freien Wähler in Bayern kann der CSU helfen, weiterhin zu regieren. Quelle: Reuters
Hubert Aiwanger

Der Spitzenkandidat der Freien Wähler in Bayern kann der CSU helfen, weiterhin zu regieren.

(Foto: Reuters)

MünchenEr kultiviert das Image des Underdogs. Einer, der zu Werten und zur Provinz steht, zu seiner Heimat Niederbayern also, wo er einen kleinen Bauernhof betreibt. So einer wird in einer Welt voller polyglotter, hüftschlanker Aufsteiger gerne belächelt, und Hubert Aiwanger hat dementsprechend ein feines Gespür für Geringschätzung ihm gegenüber und seiner Partei, den Freien Wählern, entwickelt.

Als sich am Sonntagabend bei der bayerischen Landtagswahl der phänomenale Erfolg seiner Gruppierung mit am Schluss 11,6 Prozent der Stimmen abzeichnete, da twitterte Aiwanger, es gebe doch tatsächlich noch Journalisten, die seine Freien Wähler bei ihren Berichten mit keiner Silbe erwähnten.

Nun aber schaut die Welt auf den 47-Jährigen aus Rahstorf in Inkofen, das wiederum zu Rottenburg an der Laaber gehört, einer Stadt zwischen Landshut im Süden und Regensburg im Norden.

Hobbyjäger Aiwanger, geboren in Ergoldsbach, ein gestandener Konservativer vom Gardemaß früherer CSU-Honoratioren, hat seine Rolle als Königsmacher einer neuen bayerischen Landesregierung gefunden, als designierter stellvertretender Ministerpräsident und Sozius von Markus Söder, dessen Christsoziale einen historisch einmaligen Einbruch erlebten, zurück auf das (Miss-)Erfolgsniveau von 1950.

Zum Weiterregieren aber wird es dank Aiwanger reichen. Der Multifunktionär – Bundesvorsitzender, bayerischer Landeschef und Fraktionschef der Freien Wähler – bringt neben seinem naturgesunden Konservativismus auch die nötige Flexibilität für den Umgang mit den machtverliebten CSU-Politikern mit.

Er will – nur mal so schnell herausgegriffen – einfache Steuern, keine Freihandelsdeals, keine dritte Startbahn am Flughafen München, gesunde Lebensmittel ohne Gentechnik, keine großen Stromtrassen von Nord nach Süd, kleine Schulklassen, ein Ende der Merkel’schen Flüchtlingspolitik, einen starken Mittelstand und einen prosperierenden ländlichen Raum mit Topkrankenhäusern. Hier funktioniert Politik noch nach dem Motto: „Wünsch“ dir was.“

Konkret meldet Aiwanger, der Mann der Stunde, nun Bedarf an drei Ministerien für seine Partei an, die AfD, SPD und FDP hinter sich gelassen hat. Er wolle „möglichst schnell eine stabile Regierung hinbekommen“, sagt er, doch die Freien Wähler wollten auch nicht „die Latte hochlegen“ und sich „wie eine Prinzessin gerieren“. Schließlich kommen etliche Parteimitglieder aus der CSU; mit Florian Streibl sitzt etwa der Sohn des früheren CSU-Ministerpräsidenten Max Streibl im Parlament.

Auch Aiwanger, der gelernte Landwirt, hat sein Studium zum Diplom-Ingenieur der Landwirtschaft mit einem Stipendium der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung finanziert, doch einen Parteieintritt lehnte er dann ab, die CSU erschien ihm zu arrogant. Da schloss er sich 2002 lieber den Freien Wählern an und machte hier mit der Beharrlichkeit eines Pflugs Karriere.

Auch ganz Deutschland empfahl er sein Politikmodell, musste aber erleben, wie 2013 bei der Bundestagswahl der designierte Topkandidat Stephan Werhahn „diktatorische Führungsverhältnisse wie in Kuba“ öffentlich anprangerte. Aiwanger lächelt viel, gilt intern aber als knallhart. 2008 war er erstmals in den Landtag eingezogen.

Privat entspricht der Politiker nicht ganz der konservativen Schablone. Mit Lebensgefährtin Tanja Schweiger hat er zwei Söhne, die beiden sind aber nicht verheiratet und haben auch keine gemeinsame Wohnung, leben 50 Kilometer voneinander entfernt. Bei ihren gemeinsamen Treffen herrsche Politikverbot, gab die Frau an seiner Seite zu Protokoll. Schließlich war sie selbst lange Zeit Landtagsabgeordnete der Freien Wähler und wirkt heute als Landrätin des Landkreises Regensburg.

Aiwanger sieht sich als Anführer der „letzten vernünftigen Konservativen“ und verkündete vor der Wahl, „nur mit uns wird es eine bürgerliche, wertkonservative Regierung geben“. Eine gewisse Portion Frechheit gehört dazu. So merkt der niederbayerische Aufsteiger nun an, Söders Raumfahrtprogramm „ Bavaria One“ werden „wir uns in dieser Form nicht leisten können“. Und twitterte plakativ, so wie es das Medium liebt: „Hebammen statt Weltraum!“

Soll bloß keiner denken, er sei die Unschuld vom Lande.

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2 Kommentare zu "Hubert Aiwanger: Königsmacher ja, Prinzesschen nein"

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  • Apropos "Königsmacher":

    "Koalitionen mit SPD und Grünen werden keine realistischen Chancen zugesprochen" steht heute auf tagesschau.de.

    Noch ist das so - nicht zuletzt wegen des für die heutige "Politik" leider absolut charakteristischen Denkens in "Machtsphären".

    Aber nicht mehr lange (hoffentlich!). Ganz besonders, was die "Grünen" angeht.

    Die sind nun mal beim zentralen politischen Thema der Gegenwart – Ökologie und Nachhaltigkeit – per definitionem am glaubwürdigsten (sie haben da sozusagen das "Copyright").

    Vorausgesetzt, sie lassen von ihrem (für die heutige "Politik" allgemein typischen) Hang zur beamtenmäßigen „Vorschreiberitis“ ab, für den sie berüchtigt sind - also davon, den Bürgern jede Kleinigkeit bis ins kleinste Detail per Gesetz vorzuschreiben zu wollen - und konzentrieren sich stattdessen auf die Gestaltung vernünftiger, menschenrechtskompatibler, stabiler und damit zuverlässiger Rahmenbedingungen, die dem einzelnen Bürger ein Höchstmaß an persönlicher Freiheit und Selbstbestimmung lassen, führt in der politischen Landschaft der Zukunft wohl kein Weg mehr an ihnen vorbei.

    Die Zeiten ändern sich heute schneller als je zuvor - und die Menschen lernen immer schneller dazu.
    Der "Politik" - jedenfalls, solange die immer noch von einzelnen "Vertretern" gestaltet wird, statt auf Basis eines dank der technologischen Weiterentwicklung in den letzten Jahrzehnten heute (wenn gewollt) wohl ohne weiteres mögliches breiteres "Quorum" gestaltet zu werden - wird also auch nichts anderes übrig bleiben, als das Gleiche zu tun.

  • Ich glaube da kommt zusammen, was zusammen gehoert. Viel Erfolg!

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