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IAB-Studie Jeder zweite Geflüchtete hat fünf Jahre nach der Ankunft einen Job

Die Arbeitsmarktintegration verläuft damit besser als bei früheren Flüchtlingsbewegungen. Das hat auch mit verstärkten Fördermaßnahmen zu tun.
04.02.2020 - 12:00 Uhr Kommentieren
Das Gros der Geflüchteten bringt auch praktische Berufserfahrung mit. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Geflüchtete im Oberstufenzentrum KFZ-Technik Berlin

Das Gros der Geflüchteten bringt auch praktische Berufserfahrung mit.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Berlin Geflüchtete aus den Kriegsgebieten in Syrien, Afghanistan oder dem Irak finden hierzulande schneller Arbeit als jene, die infolge der Balkankriege nach Deutschland gekommen sind – obwohl sie schlechtere Startvoraussetzungen haben.

Das ist ein Ergebnis einer neuen Analyse, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag vorgelegt hat. Ein Grund sei, dass seit 2015 deutlich mehr in Sprach- und andere Integrationsprogramme für Asylbewerber und anerkannte Geflüchtete investiert werde als in früheren Jahren, schreiben die Autoren Herbert Brücker, Yuliya Kosyakova und Eric Schuß.

Das IAB hat zusammen mit dem Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und dem Sozio-oekonomischen Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bereits 2015 eine Längsschnittbefragung von Flüchtlingen gestartet. Mittlerweile liegen Ergebnisse der dritten Befragungswelle aus dem zweiten Halbjahr 2018 vor.

Demnach haben 49 Prozent der Geflüchteten, die seit 2013 nach Deutschland kamen, fünf Jahre nach ihrer Ankunft eine Arbeit gefunden. Bei den seit den frühen 1990er-Jahren bis 2013 zugezogenen Geflüchteten, die unter anderem in der Folge der Kriege in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens nach Deutschland gekommen sind, waren nach fünf Jahren 44 Prozent erwerbstätig.

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    Dabei brachten die vor 2013 angekommenen Flüchtlinge tendenziell bessere Startvoraussetzungen mit, etwa was ihre Sprachkenntnisse und Bildungsabschlüsse angeht. Auch bestanden in höherem Maße bereits persönliche Netzwerke.

    Heute gibt es bessere Integrationsmaßnahmen

    Dass die seit 2013 zugezogenen Syrer, Iraker oder Afghanen auf dem Arbeitsmarkt nach fünf Jahren trotzdem besser abschneiden als Geflüchtete aus früheren Jahren, führen die IAB-Forscher auf bessere Integrationsmaßnahmen zurück. So hatten im zweiten Halbjahr 2018 rund 85 Prozent der von 2013 bis Ende 2016 eingereisten Flüchtlinge an Sprachprogrammen teilgenommen. Zwei Drittel hatten diese Kurse auch abgeschlossen.

    Noch immer ist bei der Sprachkursteilnahme ein deutliches Gefälle zwischen Männern und Frauen erkennbar, das sich aber im Zeitverlauf schon etwas abgeflacht hat. Insgesamt haben 88 Prozent der geflüchteten Männer und 77 Prozent der geflüchteten Frauen im zweiten Halbjahr an einem Sprachprogramm teilgenommen. Vor allem Mütter mit kleinen Kindern sind weiter nur unterdurchschnittlich vertreten.

    Mit der verstärkten Teilnahme an Integrationsmaßnahmen erklären die IAB-Forscher auch, dass die seit 2013 eingereisten Geflüchteten in den ersten drei Jahren etwas seltener erwerbstätig waren als frühere Flüchtlingskohorten. Danach holen sie aber rasch auf. Dauerte es bei den vor 2013 eingereisten Geflüchteten noch rund 50 Monate, bis die Hälfte von ihnen in Arbeit war, so sind es bei den später zugezogenen Flüchtlingen nur noch 46 Monate.

    Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Flüchtlinge arbeitet als Fachkraft oder in Tätigkeiten mit noch höherem Anforderungsniveau, 44 Prozent sind als Helfer tätig. Dabei weisen die Geflüchteten bei ihrer Ankunft ein deutlich niedrigeres Bildungsniveau auf als die einheimische Bevölkerung. So hatte etwa jeder vierte Geflüchtete keine oder maximal eine Primarschule besucht.

    Der Anteil der Geflüchteten mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss liegt mit elf Prozent etwa halb so hoch wie bei den Einheimischen. Besonders groß ist das Gefälle bei beruflichen Abschlüssen, weil es die klassische duale Ausbildung in vielen Asylherkunftsländern so nicht gibt.

    In der Heimat praktische Berufserfahrung gesammelt

    Dass trotzdem viele Geflüchtete Arbeit auch auf hohem Qualifikationsniveau gefunden haben, erklärt die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA) damit, dass ein großer Teil von ihnen in ihrer Heimat bereits praktische Berufserfahrung gesammelt hatten. So waren 75 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen bereits erwerbstätig, bevor sie nach Deutschland kamen.

    Davon stuften 65 Prozent ihre bisherige Tätigkeit als Fachkraftjob ein, 20 Prozent arbeiteten als Spezialist oder Experte, der Rest in Helfer- oder Anlernjobs. In Deutschland hatten nach der IAB-Stichprobe im zweiten Halbjahr 2018 rund 40 Prozent der erwerbstätigen Geflüchteten eine Arbeit gefunden, die ihrem Qualifikationsniveau entsprach. 28 Prozent waren für ihre Arbeit überqualifiziert.

    32 Prozent arbeiteten in Jobs, für die ihre formale Qualifikation eigentlich nicht ausreicht. Offenbar wird das aber durch die zuvor erworbene praktische Berufserfahrung aufgewogen. Verglichen mit der in ihren Heimatländern ausgeübten Tätigkeit arbeiten knapp die Hälfte der Geflüchteten heute in Jobs mit einem niedrigeren Anforderungsniveau.

    Geflüchtete mit Vollzeitjob verdienten laut IAB-Stichprobe 2018 im Schnitt 1863 Euro brutto im Monat – 185 Euro mehr als noch zwei Jahre zuvor. Werden auch Teilzeitbeschäftigte, Auszubildende, Praktikanten und Minijobber einbezogen, sind die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste im selben Zeitraum von 810 auf 1282 Euro gestiegen. Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten ist dabei im Zeitverlauf gestiegen.

    „Künftig wird es darum gehen, verbleibende Lücken in den Sprachkenntnissen unter anderem durch berufsbegleitende Sprachprogramme zu schließen“, schreiben die Autoren in ihrem Fazit. Vor allem gelte es aber, „das erst in Ansätzen ausgeschöpfte Potenzial zur Allgemein- und Berufsbildung“ weiter zu nutzen.

    So haben erst etwa 23 Prozent der erwachsenen Geflüchteten seit ihrem Zuzug eine allgemeinbildende Schule, eine berufliche Bildungseinrichtung oder eine Hochschule besucht. Dabei würden von dieser Bildungspartizipation „vermutlich die Aufstiegschancen der Geflüchteten im deutschen Arbeitsmarkt wesentlich abhängen“, heißt es in der Studie.

    Mehr: Arbeitsagentur-Chef Scheele warnt vor Fachkräftemangel als Wachstumsbremse.

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