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Ifo-Beraterklima Berater sind die Gewinner der Krise

Die deutsche Industrie steckt in einer Rezession. Davon profitieren Wirtschaftsprüfer, Anwälte und Berater. Wenn auch in unterschiedlichem Maße.
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Bestimmte Branchen profitieren von der Rezession der Industrie. Quelle: DigitalVision Vectors/Getty Images
Wirtschaftsprüfer, Anwälte und Berater

Bestimmte Branchen profitieren von der Rezession der Industrie.

(Foto: DigitalVision Vectors/Getty Images)

Berlin, DüsseldorfDie deutsche Industrie steckt seit Monaten in einer Rezession, und viele Unternehmen feilen derzeit an Spar- und Restrukturierungsprogrammen – und greifen dabei offenbar gerne auch auf externen Rat zurück. Das vom Münchener Ifo-Institut berechnete Beraterklima signalisiert jedenfalls Hochstimmung in der Beraterzunft.

„Nach einem trotz sehr guter Lageeinschätzungen skeptischen Jahresbeginn ist die Zuversicht zurückgekehrt“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe, der das Beraterklima für das Handelsblatt berechnet hat. Die Abwärtsbewegungen in einigen Teilen der deutschen Wirtschaft und insbesondere der Industrie könnten Wirtschaftsprüfern sowie Rechts- und Steuerberatern offenbar nichts anhaben. „Der Ausblick auf das kommende halbe Jahr ist positiv; negative Stimmen gibt es kaum, die Unternehmen gehen von stabilen guten Geschäften aus.“

Der Deutsche Anwaltverein (DAV) sieht die eigene Zunft für „alle Wirtschaftslagen“ gut aufgestellt. „Die Anwaltschaft ist innovativ und auf eine schwächelnde wie auf eine florierende Wirtschaft vorbereitet“, erklärte DAV-Hauptgeschäftsführer Philipp Wendt.

Auch Melanie Sack, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), bestätigt: „Der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer sieht weiterhin zuversichtlich in die Zukunft.“ Besonderes Wachstum erwartet sie im Bereich Compliance und Governance – hier vor allem bei Risikomanagementsystemen. „Auch im Bereich Nachhaltigkeit ergeben sich Potenziale, da die Unternehmen sich hier deutlich fortentwickeln werden“, ist Sack überzeugt.

Das Ifo-Beraterklima basiert auf einer repräsentativen Unternehmensbefragung. Es ist eine Sonderauswertung des Ifo-Geschäftsklimas, des wichtigsten Frühindikators für die Konjunktur in Deutschland. Während die Stimmung in der Gesamtwirtschaft seit Sommer 2018 auf Talfahrt ist, notiert das saisonbereinigte Beraterklima sogar etwas höher als zur Jahreswende und nahe den Rekordwerten vom vergangenen Jahr. Rund die Hälfte der Unternehmen meldete zur Jahresmitte höhere Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, rund 40 Prozent rechnen mit weiteren Umsatzsteigerungen in den kommenden Monaten. Ein Drittel der Berater plant Preiserhöhungen.

Steuerberater gehen von einer „vorübergehenden Wachstumsdelle“ aus

Angesichts der günstigen Geschäftsaussichten plant rund ein Viertel der Unternehmen, in den kommenden Monaten das Personal aufzustocken. Personalabbau ist allenfalls vereinzelt in Planung. „Dies ist eine kontinuierliche Entwicklung“, sagte Ifo-Experte Wohlrabe. „Die Beschäftigung in diesem Bereich wird permanent erhöht.“ Gestützt wird die Ifo-Prognose durch eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Lünendonk unter den führenden Beratern. Die zehn größten Managementberater mit Hauptsitz in Deutschland erwarten dieses Jahr gut zehn Prozent Umsatzplus.

Lediglich an den Steuerberatern scheint die schwächelnde Konjunktur nicht vollständig abzuperlen. Eingeleitete oder anstehende Sparmaßnahmen seitens der Mandanten bremsten das Beratungsgeschäft etwas, bestätigte der Deutsche Steuerberaterverband (DStV). „Aber ein Grund zur Panik ist das nicht“, sagte Steuerberaterpräsident Harald Elster dem Handelsblatt.

„Wir gehen bislang nur von einer vorübergehenden Wachstumsdelle aus.“ Zugleich warnt Elster jedoch, die Attraktivität des Standorts Deutschland leide im internationalen Vergleich zusehends: „Seit Jahren verpasst der Gesetzgeber die Chance, eine Modernisierung des Unternehmensteuerrechts voranzutreiben.“ Gerade die Diskussion um eine niedrigere Steuerlast werde immer wieder zum Zankapfel. „Das verdeutlichte zuletzt der Streit um die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags“, sagte Elster.

Er fordert zudem einen konsequenten Bürokratieabbau: „Statt Unternehmen mit immer neuen Pflichten zu belasten, muss hier endlich spürbare Entlastung her.“ Die Beraterschaft würde es sehr begrüßen, wenn etwa die Eckpunkte des Bundeswirtschaftsministeriums für ein Bürokratieentlastungsgesetz III zügig umgesetzt werden würden.

Mehr: 2019 ist für die Wirtschaft kein Glanzjahr. Das Wachstum fällt mickrig aus. Nach der Exportwirtschaft droht auch die Inlandsnachfrage zu schwächeln.

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