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Ifo-Beraterklima Die Beraterbranche boomt trotz Abschwung weiter

Die Auftragslage von Rechts- und Steuerberatern sowie Wirtschaftsprüfern ist laut Ifo-Beraterklima weiter gut. Die unruhigen Zeiten helfen offenbar dem Beratungsgeschäft.
07.01.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Knapp zwei Drittel der von Ifo befragten Rechts- und Steuerberater und Wirtschaftsprüfer berichteten zum Jahreswechsel von einer guten Geschäftslage. Quelle: DigitalVision/Getty Images
Beratung

Knapp zwei Drittel der von Ifo befragten Rechts- und Steuerberater und Wirtschaftsprüfer berichteten zum Jahreswechsel von einer guten Geschäftslage.

(Foto: DigitalVision/Getty Images)

Düsseldorf Die Beraterbranche geht mit Zuversicht in das neue Jahr. Das signalisiert das Ifo-Beraterklima, das das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut exklusiv für das Handelsblatt berechnet hat. Die Industrierezession „hat keine bleibenden Spuren“ in der Branche hinterlassen, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe, der den Index erstellt.

Der Indexwert ergibt sich aus der Differenz von optimistischen und pessimistischen Einschätzungen der befragten Unternehmen. Mit saisonbereinigten 32,7 Zählern notiert das Ifo-Beraterklima zum Jahreswechsel einen Punkt über dem langjährigen Mittelwert. Für die Gesamtwirtschaft beträgt dieser Wert derzeit 10,5 Punkte. Auch die schwere Rezession 2009 hatten die Berater ohne Blessuren überstanden.

Knapp zwei Drittel der von Ifo befragten Rechts- und Steuerberater und Wirtschaftsprüfer berichteten zum Jahreswechsel von einer guten Geschäftslage. Lediglich drei Prozent sind unzufrieden. Die Umsatzentwicklung zeigte bei vielen Unternehmen weiter nach oben. So konnten rund 45 Prozent der Beraterfirmen zum Jahresende ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Allerdings berichten immerhin auch zehn Prozent von Umsatzrückgängen.

Die gesamtwirtschaftlich unruhigen Zeiten sind offenbar gute Zeiten fürs Beratungsgeschäft. Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit fast zwei Jahren im Abschwung und entging nur knapp einer Rezession, also zwei Quartalen in Folge mit sinkender Wirtschaftsleistung.

Vor allem die Industrieproduktion ist außerordentlich schwach, sodass in vielen Unternehmen mittlerweile Sparprogramme geplant oder bereits realisiert sind – offenbar nicht selten mithilfe von Beratern. Die meisten Wirtschaftsforscher erwarten für 2020 lediglich ein Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent.

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Ganz anders bei den Beratern: Für die nahe Zukunft rechnet ein Drittel von ihnen mit steigenden Umsätzen. Ein Teil davon geht auf Preiserhöhungen zurück, die die Berater bei ihren Kunden in nächster Zeit durchsetzen wollen. Fast jeder dritte Berater plant, seine Honorare anzuheben.

Ebenfalls ein gutes Drittel bezeichnet den eigenen Auftragsbestand als „verhältnismäßig groß“. Lediglich drei Prozent nannten ihren Puffer am Jahresende „zu klein“. Die kontinuierlich gute Geschäftslage der Branche führt dazu, dass in Summe die Anzahl der Mitarbeiter steigt.

Nach dem guten Jahr 2019 steht einem weiteren Rekordjahr der Branche also nichts im Wege: Ein Viertel der Unternehmen erwartet, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden Monaten weiter verbessern wird. „Die große Herausforderung ist weiter der Kampf um die besten Köpfe“, sagte Philipp Wendt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Anwaltvereins (DAV), dem Handelsblatt.

Dies gelte nicht allein für die Anwälte selbst. Es bestehe ein großer Mangel an qualifiziertem Fachpersonal. „Die Anwaltschaft muss mehr ausbilden“, forderte Wendt. Gleichzeitig sei die Politik gefragt: „Sie muss die Ausbildungsordnungen an das Zeitalter der Digitalisierung anpassen.“

Zudem sei das gesamte anwaltliche Berufsrecht unstimmig und bedürfe einer Anpassung an die Bedürfnisse des Marktes. Dies gelte etwa für die Öffnung der Gesellschaftsformen, aber auch für die interprofessionelle Zusammenarbeit. „Es wäre misslich, wenn die angestoßenen Reformen nicht vorankämen“, sagte DAV-Hauptgeschäftsführer Wendt.

Melanie Sack, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), sieht ein wachsendes Interesse der Investoren und der Öffentlichkeit an „nichtfinanziellen“ Informationen der Unternehmen, etwa zum CO2-Ausstoß. „Die Nachfrage nach Prüfungsleistungen wird in diesen Bereichen zunehmen“, bekräftigte Sack. Der in Deutschland beobachtbare wirtschaftliche Abschwung sei für die Abschlussprüfung mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden: Die Prüfer wirkten wie ein Frühwarnsystem.

Berufsstand verunglimpft

Der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) sieht die Unternehmensnachfolge als Top-Geschäftsfeld. „Allein bis Ende 2021 planen über 150 000 Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen, ihre Firma an einen Nachfolger zu übergeben“, rechnet Steuerberaterpräsident Harald Elster vor.

Dabei plane jeder zweite Mittelständler, sein Unternehmen an einen externen Käufer zu übertragen, was neu sei. Bisher habe eher der Wunsch überwogen, dass ein Familienmitglied den Betrieb fortführe. Mehr denn je seien es qualifizierte Steuerberater, „die dabei helfen, die Weichen in den KMU rechtzeitig zu stellen“, meint Elster.

Zugleich mahnte er eine große Unternehmensteuerreform an: „Deutschland kann es sich nicht erlauben, das Thema auf die lange Bank zu schieben – zumindest nicht, wenn wir ein attraktiver und wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort bleiben sollen.“

Als Herausforderung für den Berufsstand sieht Elster, das Vertrauensverhältnis zu den Mandanten aufrechtzuerhalten. „Themen wie die Anzeigepflicht grenzüberschreitender Steuergestaltungen haben uns keinen Gefallen getan“, kritisiert Elster. „Zu sehr wurde der Berufsstand verunglimpft.“

Laut Ifo-Beraterklima ist die Anzahl der skeptischen Stimmen zuletzt gestiegen. Etwa elf Prozent der befragten Firmen befürchten, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden Monaten verschlechtern wird. „Einen höheren Wert gab es zuletzt im Juni 2013“, betont Ifo-Experte Wohlrabe. Zum Vergleich: Vor einem Jahr rechneten weniger als zwei Prozent mit einer Eintrübung der Geschäftslage. Womöglich hat mancher Berater die Grenzen des Wachstums erreicht – manchmal geht „mehr“ eben nicht mehr.

Mehr: Eine Handelsblatt-Umfrage bei den Dax-Konzernen zeigt: An vielen Stellen profitieren Beschäftigte ausgerechnet von der unsicheren Konjunkturlage.

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