Ifo-Chef zur Euro-Rettungspolitik „Ein Glück, dass es Silvio Berlusconi gibt“

Das Italien-Chaos mit dem wiedererstarkten Berlusconi hat nach Ansicht von Ifo-Chef Sinn auch etwas Gutes. Es zeigt der Politik anhand der Achterbahnfahrt des Euro die Grenzen ihrer „stümperhaften“ Rettungspolitik auf.
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Silvio Berlusconi hat bei der Wahl in Italien stark abgeschnitten. Quelle: Reuters

Silvio Berlusconi hat bei der Wahl in Italien stark abgeschnitten.

(Foto: Reuters)

BerlinDer Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn,  hat den Euro-Rettern ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Die Sorgenkinder des Währungsraumes drohten sogar noch tiefer in die Krise zu stürzen. Es sei mittlerweile klar, "dass die Rettungspolitik die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer verringert hat", schreibt Sinn in seinem am Dienstag veröffentlichten "Ifo Standpunkt" zum Wahlausgang in Italien.

Indirekt dankte Sinn für diese Erkenntnis Silvio Berlusconi. Der italienische Ex-Premier habe mit seinem erfolgreichen Abschneiden bei der Wahl letztlich den Umstand ermöglicht, dass Italien über den Euro-Kurs entscheide. Erst treibe der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, den Kurs mit seiner Ankündigung nach oben, dass die EZB die Rückzahlung der Staatsschulden der Länder Südeuropas zulasten der Steuerzahler der noch gesunden Länder garantiere. „Und nun treibt ihn Silvio Berlusconi wieder nach unten“, konstatiert Sinn. Das offenbare ein „fundamentales Dilemma“ der Euro-Rettungspolitik.

Maßnahmen, die die Finanzmärkte stabilisierten, trieben nicht nur, wie geplant, die Kurse der Staatspapiere hoch, sondern auch den Euro. „Das ist gut für die Bilanzen der Gläubiger der südlichen Länder, doch schlecht für die Wettbewerbsfähigkeit der dortigen Wirtschaft“, erklärt Sinn. Da sich Inländer und Ausländer gleichermaßen von den Waren des Krisenlandes abwendeten und verstärkt im Ausland kauften, litten die Exporteure und die Hersteller der mit den Importen konkurrierenden Güter gleichermaßen. Sinn schlussfolgert daraus, dass die „angebliche Rettungspolitik“ die Rezession also verschlimmere und damit noch mehr Arbeitslosigkeit erzeuge, als ohnehin schon vorhanden ist. Umgekehrt führten Ereignisse, die die Finanzmärkte destabilisierten, zur Stabilisierung der Realwirtschaft. „Ein Glück, dass es Silvio Berlusconi gibt“, merkt der Ifo-Chef ironisch an.

Tatsächlich hatte das Wahlergebnis in Italien mit seinen unklaren Mehrheitsverhältnissen zuletzt die Zinsen für die Staatsanleihen des schuldengeplagten Landes wieder nach oben getrieben und zugleich den Euro-Kurs gedrückt.

Trotz des Patts im italienischen Parlament wird in Rom derweil verstärkt nach Wegen für eine rasche Regierungsbildung gesucht. Die Konstituierung des neuen Parlaments könnte nach Medienberichten vom 15. auf den 12. März vorgezogenen werden. Das solle vor allem auch den nervösen Finanzmärkten zeigen, dass das hoch verschuldete Land nach den Parlamentswahlen im Februar eine größere Krise vermeiden wolle.

Staatspräsident Giorgio Napolitano wolle Pier Luigi Bersani von der Mitte-Links-Koalition zunächst ausloten lassen, ob er eine Regierung bilden könne, so der Mailänder „Corriere della Sera“ am Dienstag. Gelingt Bersani dies nicht, könnte es zu einer Art Expertenregierung kommen, die einige wichtige Reformen erlassen soll.

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33 Kommentare zu "Ifo-Chef zur Euro-Rettungspolitik: „Ein Glück, dass es Silvio Berlusconi gibt“"

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  • Im Parlamentarismus - also ohne demokratische Bürgerbeteiligung - müssen Politiker Stimmen quasi "kaufen".
    Die Parteien fokussieren sich darauf, eine "Klientel" zu entwickeln und zu "fördern" - ob es gesamtgesellschaftlich Sinn macht, ist weniger wichtig.
    Man schaue sich die Piraten an: Schneller als die Gruenen zu einer Partei der "Karrieristen" mutiert.

  • Löhne runter in den EuroLändern die nicht genügend wettbewerbsfähig sind und Löhne hoch in den Ländern die einen zu hohen Exportanteil besitzen und schon ist das Europroblem gelöst. Super einfach ! Unterschiedliche Währungen braucht es deshalb nicht.

  • Meiner Ansicht nach hat Herr Brüderle überhaupt nicht spekuliert: Natürlich kann Italien den EURO verlassen, tut es aber nicht, solange geschenktes Fremdkapital zur Verfügung gestellt wird.
    Bezüglich des EU-Vertrages (No-Bail-Out) hat es unrecht. Kein Wunder, denn wie etwa 70% der BdT.MItglieder gehört er selbst zu den Rechtsbrechern.
    Es gilt: Wer nicht hören kann, muss fühlen, d.h. wenn meine politischen Vertreter nicht hören wollen, muss ich mitleider. Herzlichen Dank. Ich freue mich auf die Quittung bei der BT-Wahl.

  • Die Komplexität der heutigen Probleme im Zusammenhang mit dem Euro hat einzig und allein die Politik zu verantworten! Die Wirtschaft selbst funktioniert relativ einfach, oft genügt, dass man die Grundrechenarten beherrscht, aber das scheint unsere Politiker bereits zu überfordern...

  • die pauschalen Argumente von Herrn Brüderle, mit denen er die EURO-Rettungspolitik bei Frau Illner verteidigte, bestätigen die Ansichten Sinns. Wann bgreifen unsere Politiker, dass man Währungspolitik nicht an der Volkshochschule lernen kann? Unsere Hoffnung: die Alternative f. Deutschland.

  • Das Gleichnis mit der Autobahn gefällt mir.
    Wenn Sie eine Ausfahrt verpasst haben, sollten Sie nicht wenden. Soweit richtig. Aber an der nächsten Ausfahrt können Sie raus, über die Brücke und zurück zur verpassten Ausfahrt.
    Unsere Regierung, die die Ausfahrt verpasst hat, gibt allerdings erst richtig Gas und verlässt die Autobahn nicht, unter keinen Umständen. Das nennt sie dann "alternativlos"

  • Es wird geredet und geredet. Hoffentlich macht die
    'Alternative für Deutschland'' diesem Kasperlethea-
    ter der Eurosion endlich ein Ende!

  • Berlusconi macht dasselbe wie die griechischen Linken, und die schlauen italienischen Wähler begreifen sofort, um was es geht: Es kann sich niemand leisten in der Eurozone, am wenigsten Deutschland, die Italiener im Regen stehen zu lassen, egal, ob sie reformieren oder nicht, weil sonst das ganze Euro-Rettungs-blabla-Kartenhaus in sich zusammenfällt. Die Keysianer aller Länder wollen den Euro, weil dann die Verantwortlichkeiten der Schuldenmacherei vollständig verschleiert werden können. Euro-Soli für alle starken Schultern, dh jeder, der nicht Harz IV kriegt. Und der Wähler? Merkel sorgt dafür, dass ihm das Thema so zum Hals raushängt, dass er sich damit überhaupt nicht mehr beschäftigen mag. Und so fährt Euroland komplett gegen die Wand, und - keiner ist schuld!

  • @champus ("um Himmels willen – und solche Politiker wollen kleine hochkomplexe Einheiten, wie Länder es nun einmal in Europa sind, zu großen superkomplexen Konglomeraten „zusammenkleistern“."):

    Damit sind wir bei des Pudels Kern. Was macht man in solchen Fällen (best practice): Aufteilen in handelbare Untereinheiten mit definierten Schnittstellen untereinander (hies früher mal „small is beautifull“) à la Schweiz, Schweden, Dänemark etc. Damit wird man der menschlichen Leistungsfähigkeit gerecht.

    Aber damit kann man keine Großmachtsphantasien befriedigen. Und keine damit verknüpften Pöstchen vergeben.

    Und der 2. Knackpunkt:

    „sie haben keinen richtigen Durchblick von der Komplexität des Systems das sie steuern“: Genau deshalb sind sie manipulierbar. Womit wir bei Lobbyismus und abgehobenen Parallelwelten, speziell in Brüssel, wären. S. z.B. „The Brussel Business - Die Macht der Lobbyisten (arte)“ (http://www.youtube.com/watch?v=WO1JfAJvGbM).

    Wenn ich mir da so die führenden Nullen anschaue – so tun als ob sie die Weisheit mit Löffeln gegessen hätten, in Wirklichkeit aber eher in der Kategorie „des Kaisers neue Kleider“ einzuordnen – Gott sei Dank gibt es Berlusconi. Vielleicht hilft er dem deutschen Michel beim Aufwachen.

  • Die Komplexität einer fundierten „Input-Output-Analysis“ übersteigt bei weitem die mentale Kapazität aller europäischen Finanzminster und ihrer Mitarbeiterstäbe.

    Selbst Simulationsstudien mit Supercomputern, wie sie von einigen Hedgfonds genutzt werden, sind mit der Vielzahl der von Ihnen genannten Einflussfaktoren ueberfordert.

    Die Ergebnisse dieser Modellrechnungen zur EU-Schuldenkrise in Berlin und Brüssel haben wegen einer Vielzahl von Imponderabilien bzw. Unwägbarkeiten keine prognostische Treffsicherheit.

    Deshalb musste Schäuble auch zugeben, daß er bei der Bewältigung der Eurokrise auf „Sicht“ fliegt, äh fährt. Hat der Mann eigentlich einen „PILOTENSCHEIN“ für das riesen Verkehrsflugzeug Bundesrepublik Deutschland mit seinen 82 000 000 Passagieren? Sind unsere Politiker und ihre Berater zumindest Spezialisten, die sich mit der hochkomplizierten Materie auskennen?

    „Politik hat sich nach Junckers (Eurogruppenleiter a.d.V-) Worten in den vergangenen 30 Jahren „fundamental verändert“. Früher habe man als Politiker Dinge noch erklären können. ... Politiker seien heute viel mehr zu Oberflächlichkeit gezwungen als früher, sagt er. „Ich verzweifele eigentlich daran, dass man sich nicht mehr erklären kann.“

    Dies ist ein ehrliches Eingeständnis. „Politiker seien heute viel mehr zu Oberflächlichkeit gezwungen“, d.h. m.E. sie haben keinen richtigen Durchblick von der Komplexität des Systems das sie steuern. Um Himmels willen – und solche Politiker wollen kleine hochkomplexe Einheiten, wie Länder es nun einmal in Europa sind, zu großen superkomplexen Konglomeraten „zusammenkleistern“.

    Bei diesen Wahnsinnsfantasien kann ich unseren Eurofanatikern nur sagen

    „Bleibe im Lande und nähre dich redlich“.

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