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Konjunktur

Die schwächelnde Weltkonjunktur, Brexit und Handelskonflikte belasten die Geschäfte.

(Foto: dpa)

Ifo-Geschäftsklimaindex Die Stimmung in der Wirtschaft wird noch düsterer

Der Ifo-Geschäftsklimaindex fällt im April. Der Pessimismus in der Industrie hat deutlich zugenommen – auch andere Branchen korrigieren ihre Aussichten nach unten.
2 Kommentare

BerlinDie Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im April überraschend erneut eingetrübt. Das Ifo-Barometer für das Geschäftsklima fiel – wenn auch nur leicht – von 99,7 auf 99,2 Punkte. Das teilte das Münchener Institut am Mittwoch mit. Ökonomen haben mit einem Anstieg auf 99,9 Punkte gerechnet, nachdem es im März das erste Plus nach zuvor sechs Rückgängen in Folge gegeben hatte.

„Die deutsche Wirtschaft verliert weiter an Kraft“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die befragten 9.000 Führungskräfte beurteilten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate.

Das Ifo-Geschäftsklima gilt als der zuverlässigste Frühindikator für die Konjunkturentwicklung. Der Index basiert auf monatlichen Meldungen von 9.000 Managern und Firmenchefs des verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes sowie des Groß- und Einzelhandels.

Im März war das Ifo-Barometer von 98,7 Punkten auf 99,6 Punkte gestiegen, später wurde die Zahl saisonbereinigt auf 99,7 korrigiert. Es war der erste Lichtblick inmitten zahlreicher düsterer Vorhersagen und hatte an den Börsen Hoffnung auf ein Ende der Flaute genährt. Getragen war der Märzanstieg allerdings allein von Optimisten im Dienstleistungssektor und der Baubranche. Dank guter Binnenkonjunktur mit steigenden Löhnen und einer weiteren Zunahme von Arbeitsplätzen blickten sie zuversichtlich in die Zukunft.

Wie im März blieben die Dienstleister und die Baubranche optimistisch. Allerdings verdüsterte sich die Stimmung in der Industrie erneut, und zwar ziemlich deutlich. Die Firmen schätzten ihre aktuelle Lage nochmals schlechter ein, die Kapazitätsauslastung ging leicht zurück. Und für die kommenden sechs Monate hat der Pessimismus vor allem der Exporteure weiter zugenommen.

Das färbt inzwischen auch auf den Handel ab, der die aktuelle Lage zwar immer noch als sehr gut beurteilt, inzwischen jedoch Angst vor der Zukunft hat. Die Aussichten für die nächsten Monate korrigierten die Manager nach unten.

Leichte Zweifel schleichen sich offenbar auch in der Baubranche ein: Angesichts grassierender schlechter Konjunkturumfragen zeigen sich die ersten Firmen unsicher, ob in ihrer Branche die Hochkonjunktur wirklich noch länger anhalten kann. 2019, das steht damit wohl fest, wird ein Jahr des schwachen Wachstums.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) berichtete an diesem Mittwoch ebenfalls von einer weiter gedämpften Stimmung in den Unternehmen. In einer Umfrage erwartet ein gutes Drittel (35 Prozent) der 2.400 Firmen für das eigene Geschäft steigende Umsätze. Vor einem Jahr allerdings, als die Konjunktur noch boomte, zählten in der gleichen Umfrage 52 Prozent der Firmen zu den Optimisten. Mit weniger Umsatz rechnen allerdings weiterhin nur 18 Prozent der Befragten – vor einem Jahr waren es lediglich acht Prozent.

Wirtschaftsforscher gegen Konjunkturprogramme

IW-Chef Michael Hüther rechnet in diesem Jahr insgesamt mit einer gedämpften Konjunkturentwicklung. Die Bundesregierung hatte zuletzt ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 0,5 Prozent gesenkt. Die Wirtschaftsforschungsinstitute waren in der Woche davor noch von 0,8 Prozent Wachstum ausgegangen.

„Da die Unternehmen unverändert robust zu ihren Beschäftigungsabsichten stehen, spricht wenig für einen kumulativ sich verstärkenden Abschwung in die Rezession“, sagte Hüther dem Handelsblatt. Konjunkturprogramme seien deshalb fehl am Platz. „Wir brauchen aber nachhaltige und stetige öffentliche Investitionen sowie Forschungs- und Bildungsausgaben als Wachstumsvorsorge“, betonte er und forderte zudem steuerliche Entlastungen. „Das betrifft die Unternehmensbesteuerung und die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags“, sagte Hüther.

Auch die Chefs der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute waren sich vor Ostern in einer Handelsblatt-Befragung einig, dass die Konjunktur sich zwar stark abkühlt, nicht aber in die Rezession kippen wird. Christoph Schmidt, Chef der Wirtschaftsweisen und des RWI, sagte dem Handelsblatt: „Es handelt sich auch aus meiner Sicht trotz aller Risiken lediglich um eine konjunkturelle Verlangsamung, die keineswegs nach einem Strohfeuer durch kurzfristige konjunkturelle Stimuli ruft.“

Gleichzeitig sei die verringerte Dynamik aber ein Weckruf an die Politik: „Es ist höchste Zeit dafür, die langfristigen Wachstumskräfte der deutschen Volkswirtschaft zu stärken“, mahnte Schmidt. Neben mehr Investitionen in Bildung, Straßen und Digitales verlangte er ebenfalls eine Unternehmensteuerreform.

Sie sollte vor allem auch dafür sorgen, dass Eigenkapital und Fremdkapital steuerlich gleichbehandelt werden. Heute ist es günstiger, Investitionen mit Krediten zu finanzieren, weil Zinskosten steuerlich absetzbar sind.

Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), teilt den Konsens der Wirtschaftsforscher, dass vor allem die Unsicherheit über Handelskriege und den Brexit auf die Stimmung der Unternehmen drückt – vor allem in der exportorientierten Industrie.

Steuerentlastungen sollten seiner Meinung nach aber eher den Beziehern niedriger Einkommen zugutekommen „und nicht eine Abschaffung des Solis für die Reichen“ beinhalten, sagte Fratzscher dem Handelsblatt. In umfangreichen Steuersenkungen für Unternehmen sieht er die Gefahr, dass dem Staat dann Einnahmen fehlen, um stärker in Infrastruktur und Bildung zu investieren.

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2 Kommentare zu "Ifo-Geschäftsklimaindex: Die Stimmung in der Wirtschaft wird noch düsterer"

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  • „Da die Unternehmen unverändert robust zu ihren Beschäftigungsabsichten stehen, spricht wenig für einen kumulativ sich verstärkenden Abschwung in die Rezession“, sagte Hüther dem Handelsblatt. Konjunkturprogramme seien deshalb fehl am Platz.
    >>> „Wir brauchen aber nachhaltige und stetige öffentliche Investitionen sowie Forschungs- und Bildungsausgaben als Wachstumsvorsorge“ (…)“.

    Auch die Chefs der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute waren sich vor Ostern in einer Handelsblatt-Befragung einig, dass die Konjunktur sich zwar stark abkühlt, nicht aber in die Rezession kippen wird. Christoph Schmidt, Chef der Wirtschaftsweisen und des RWI, sagte dem Handelsblatt: „Es handelt sich auch aus meiner Sicht trotz aller Risiken lediglich um eine konjunkturelle Verlangsamung, die keineswegs nach einem Strohfeuer durch kurzfristige konjunkturelle Stimuli ruft.“

    Gleichzeitig sei die verringerte Dynamik aber ein Weckruf an die Politik:

    >>> „Es ist höchste Zeit dafür, die langfristigen Wachstumskräfte der deutschen Volkswirtschaft zu stärken“, mahnte Schmidt. Neben mehr Investitionen in Bildung, Straßen und Digitales verlangte er ebenfalls eine Unternehmensteuerreform.“

    Im Prinzip sagen also alle das Gleiche. Und alle haben Recht.

    Fragt sich nur, ob deren „message“ bei der Politik auch mal „ankommt“.

    Falls nicht, hält die sich am besten ganz raus und lässt alle rechtschaffenen Unternehmer - das sind die, deren Produkte wirklich benötigt werden und nicht in Wirklichkeit eher eine unnötige Belastung für Verbraucher, Umwelt und Klima darstellen (kurz: unabhängig von ihrer Größe alle Unternehmer, die dem Gemeinwohl dienen wollen - also die meisten) einfach in Ruhe ihre Arbeit machen.

  • Prima, je schlechter die Stimmung in der Wirtschaft desto besser laufen die Aktien. Wer am Jahresanfang in Aktien investierte hat schon klotzig Geld verdient! Die schlechte Stimmung deutet darauf hin, das die Rally wohl noch etwas anhält.

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