Ifo-Institut „Kontraproduktiv wären durchgängig hohe Löhne“

Von der guten Konjunkturentwicklung sollen auch die Arbeitnehmer profitieren, sagen die Gewerkschaften, und fordern spürbare Lohnerhöhungen. Wirtschaftsminister Brüderle mahnt eine „intelligente“ Tarifpolitik an. Das Ifo-Institut rät zu höheren Löhnen vor allem für anspruchsvolle Jobs.
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Laut einer Umfrage meinen 86 Prozent der befragten Arbeiter und Angestellten, sie hätten eine Lohn- bzw. Gehaltserhöhung verdient. Quelle: dpa

Laut einer Umfrage meinen 86 Prozent der befragten Arbeiter und Angestellten, sie hätten eine Lohn- bzw. Gehaltserhöhung verdient.

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dne/HB DÜSSELDORF. Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) hält angesichts der starken konjunkturellen Entwicklung in Deutschland höhere Löhne für gerechtfertigt. In der Krise hätten viele Arbeitnehmer sehr niedrige Tariferhöhungen oder sogar sinkende Löhne hinnehmen müssen, was richtig gewesen sei, um Arbeitsplätze zu sichern. „Mittlerweile hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften deutlich erholt und vielerorts fahren die Unternehmen wieder Gewinne ein. Daran sollten auch die Arbeitnehmer partizipieren“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen Handelsblatt Online.

Allerdings, schränkte Carstensen ein, dürften die Knappheiten auf dem Arbeitsmarkt nicht ausgeblendet werden: „Für qualifizierte Tätigkeiten gibt es offensichtlich häufig genug nicht genügend Bewerber, hier sind steigende Löhne eine ganz natürliche Konsequenz“, erklärte der Ökonom. Bei weniger anspruchsvollen Jobs sei die Situation eine andere, zumal es noch viele Arbeitslose gebe, die in den Arbeitsmarkt integriert werden wollen. „Hier sind sehr maßvolle Tarifabschlüsse wünschenswert“, sagte Carstensen und fügte hinzu: „Kontraproduktiv wären durchgängig hohe Lohnsteigerungen, die das Problem der Arbeitslosigkeit wieder verschärfen.“

IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte mit Blick auf den wirtschaftlichen Aufschwung harte Tarifverhandlungen angekündigt. „Höhere Löhne sind gerecht und vernünftig. Sie sind gut für die Menschen und für die Konjunktur“, sagte Huber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Damit trifft der Gewerkschafter natürlich den Nerv der Beschäftigten. In einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des Senders RTL meinen 86 Prozent der befragten Arbeiter und Angestellten, sie hätten eine Lohn- bzw. Gehaltserhöhung verdient. Dabei könnte sich die Mehrheit ein Plus von drei bis fünf Prozent vorstellen. Und: Drei Viertel der Befragten halten Demonstrationen und Streiks für gerechtfertigt, wenn Firmen, die nach der Krise wieder hohe Gewinne machen, keine höheren Löhne zahlen wollen.

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7 Kommentare zu "Ifo-Institut: „Kontraproduktiv wären durchgängig hohe Löhne“"

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  • Wie dem auch sei.

    Als durchweg "produktiv" jedenfalls erachten die politisch und administrativ Verantwortlichen indes abermalige Anhebung aller denkbaren Abgabenpflichten auf buerger, die noch Geld haben koennten.
    Und als "produktiv" wird erachtet, sodann zu sagen, dass es f.d. Volkswirtschaft "sehr hilfreich" sei, wenn das Volk doch bitte mehr und kraeftig konsumieren moechte.

  • Diesen und letzten Monat habe ich versucht in einen Minijob auf Lohnsteuerkarte zu kommen, damit beiträge in die Sozialversicherungskassen fliessen.
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    Pauschal ist überall zu beobachten: Die Unternehmen möchte zwar die Lohnsteuerkarte undsoweiterhaben, aber Abgaben wollen Sie nicht bezahlen.

    Fallbeispiel:
    ich habe darauf bestanden, dass für mich die 30 % Pauschbetrag Sozialbeiträge in die Sozialversicherung gezahlt werden. Das machen wir nicht, sagte die buchhaltung. Sie müssen erst knapp ein Jahre Probezeit machen und danach ist es möglich.
    Doch die Erfahrung zeigte, nach einem Jahr suchen sie schon wieder jemand anders. Die Abgaben für mich hätten insgesamt 12 Euro gekostet. Doch das Unternehmen sagte : NEiN, es geht nicht.
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    Diese Jobs alle in Deutschland, seien es Tankstellen, discounter werden mit Jugendlichen, Rentnern oder sonstigen Personen besetzt. Die Post wird mittlerweile von Studentinnen, jungen Frauen oder anderen ausgetragen.

    in allen diesen Fällen fliesst kein Geld in die gesetzliche Sozialversicherungen.

    Und die arbeitsfähigen Hochqualifizierten werden seit Jahren aus einer Tätigkeit ausgegrenzt und heruntergewirtschaftet.
    Warum? Weil einige wenige verdammt viel zu viel verdienen und die Arbeit weggespart wurde.
    Es gibt unter diesen gutverdienenden einige wenige Menschen mit Sozialkompetenz die das Geld weiterreichen aus eigener Tasche an Familie, Freunde und bekannte. Diese werden mitfinanziert und können nur dadurch überleben. Doch das löst das Grundsatzproblem nicht.

  • „Kontraproduktiv wären durchgängig hohe Löhne“

    Das finde ich auch. Es reicht doch, wenn Dagobert Duck, die banker, Politiker und Wirtschaftsbosse im Geld schwimmen. Wenn die Menschen irgendwann nicht mehr ihre Stromrechnung bezahlen können oder die Konjunktur wieder zusammenbricht, weil sich keiner mehr etwas leisten kann, dann werden halt einfach die Steuern erhöht. Das Geld wird dann an die banken und Konzerne überwiesen, damit diese nicht zusammenbrechen. Dann läuft der Laden wieder. Also einfach immer schön die Steuereinnahmen erhöhen. Vielleicht kaufen ja irgendwann Autos auch Autos. Obwohl Henry Ford schon so schlau war, dies auszuschließen und es für richtig hielt, dass wohl doch besser die Menschen Geld verdienen sollten, um die Autos zu kaufen. Dann brauchen wir nur noch Roboter, die alles produzieren und Ware, die sich selbst kauft. Wozu Löhnen, wozu Menschen? Das Volk hat mit Allem ein Einsehen. Die Situation lässt nichts anderes zu. Die Deutschen halten doch schon immer schön still. Verblöde die bevölkerung durch die Medien und sie glauben alles. Politik ist doch so einfach.

  • kontraproduktiv so habens wir endlich rausgefunden,also diätenerhöhung sozialkassen plündern sind kontaproduktiv,das ist richtig dem ist nichts hinzuzufügen mindestlohn was soll das ? FDP=Arbeitsplätze,sozial ausgewogen,kompetent,familien freundlich,mindestlohn sowieso,kopfpauschale.afganistan aus der Portokasse.cdu,wenn die mich abwählen dann nehme ich den posten in der atomindustrie an gruss annnngiiii,warum eurorettung die meisten haben zu wenig davon die wenigen aber das meiste,gruss aus der anstalt,illgner will nicht mehr eine stromlinien frau wirft hin trauer trauer trauer,deas war die stasi.

  • Sie haben das technische Problem der Volkswirtschaft nicht erkannt, an dem die USA bereits scheitern. Sie erkennen den Zusammenhang zwischen Staatsaufkommen, Erfolg des Staates für die Volkswirtschaft und den Preisen bzw. den damit verbundenen Steueranteilen nicht.
    Sie enthalten sich aus einer wissenschaftlich begründeteten, gesellschaftlich real existierenden Verbindung von Privatwirtschaft und Staatswirtschaft.

    Würden sie auch morgen noch behaupten, was sie hier heute zum Ausdruck gebracht haben, sie hätten einen weiteren Tag strategischen Vorteil verspielt, den ich ihnen vor der Krise verschafft haben. Deutlicher kann ich nicht werden.

    Selbst die einberaumten 3% sind viel zu niedrig, um einen mathematisch bedingten Ausgleich zu schaffen, der noch nicht mal die Ankurbelung des binnenmarktes beinhaltete. ich weiß im Gegensatz zu ihnen, dass sie die Volkswirtschaft mathematisch noch immer nicht beherrschen.

    Dann müssen wir eben alle dadurch, und zwar wirklich alle. Denn in ein anderes Land zu "flüchten", ergibt eher als Chance denn als Gelegenheit.

  • Es ist doch einfach nur noch erbärmlich, wie hier mit stumpfsten Argumenten von der Realität abgelenkt wird. Das vergangene Jahrzehnt ist doch für fast jeden Arbeitnehmer verloren. 2007 hätten die löhne endlich steigen müssen, die Wettbewerbsfähigkeit (durch Lohndumping) war hergestellt. Da war auf einmal die Finanzkrise da. Jetzt soll wieder Lohnzurückhaltung geübt werden, damit der Aufschwung nicht gefährdet wird. Jetzt mal ganz ehrlich-wenn es nach Arbeitgeber-/Aktionären geht ist doch nie die Zeit für Lohnerhöhungen.

    Eine bekannte arbeitet bei der Sparkasse, sicherlich nicht der schlechteste Arbeitgeber. Die Lohnsteigerung belief sich innerhalb der letzten 10 Jahre auf den Ausgleich der inflation. Gemessen an den gestiegenen Ausgaben für Sozial-/Krankenversicherung hat sie bereits jetzt real weniger in der Tasche.

    Und ich kenne genug andere beschäftigte, die für den inflationsausgleich keine 10% Lohnsteigerung innerhalb von 3 Jahren hatten.

    Ausbeutung und benachteiligung nennen wir sowas in anderen Ländern, hierzulande lässt man sich als Manager für noch radikalere Lohneinschnitte von den Aktionären feiern. Es gibt doch eigentlich gar keine Diskussion ob höhere Löhne gerechtfertigt sind. Sie sind es, weil die Arbeitnehmer den momentanen Aufschwung wieder mal ALLEiN finanzieren.

    Wie gesagt es ist einfach nur noch erbärmlich.

  • Wir benötigen eine Differenzierung der Lohnpolitik:

    - die Vorstandsmitglieder und Führungskräfte, die in den letzten Jahren - trotz Wirtschaftskrise ihre Einkommen kräftig erhöht hatten, sollten jetzt auf einen Teil ihrer Lohnerhöhungen freiwillig verzichten,

    - die mittlere Einkommensebene zwischen 4 und 6 €/monatlich sollten eine durchschnittliche Lohnsteigerung zwischen 3 und 5 % verhandeln und

    - die unteren Einkommensstufen sollten eine kräftige Lohnsteigerung zwischen 5 und 8 % verhandeln.

    Zudem ist dringend die Einführung eines Mindestlohns für untere Einkommensschichten notwendig. Nur so kann die binnennachfrage nachhaltig gestärkt und die Konjunktur in Deutschland auch über 2010 hinaus in Fahrt gehalten wird. Nur wenn die Deutschen wieder mehr konsumieren und dadurch den Dienstleistungsbereich stärken kann die Arbeitslosigkeit mittelfristig verringert und das Wirtschaftswachstum gestärkt werden.

    Ein Veto gegen Mindestlöhne (wie z.b. Westerwelle) ist nur dumme Klientelpolitik und stärkt nicht die deutsche Wirtschaft!

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