Optimistisch

Die Beraterbranche rechnet mit guten Geschäften.

(Foto: Imago)

Ifo-Studie Beraterbranche könnte von Unsicherheit auf Weltmärkten profitieren

Viele Anwälten, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater wollen ihre Preise erhöhen, weil die Nachfrage steigt – dank des rauen Klimas auf den Weltmärkten.
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Berlin, DüsseldorfVon Rezessionsangst keine Spur, im Gegenteil: Das Geschäftsklima für die Rechts- und Steuerberater sowie für Wirtschaftsprüfer ist im Juni sogar noch gestiegen.

Während die Stimmung in der deutschen Gesamtwirtschaft seit Dezember auf Talfahrt ist, notiert das vom Münchner Ifo-Institut berechnete Beraterklima auf demselben hohen Niveau wie im Dezember.

Die Beraterbranche sei „weiterhin sehr gut aufgestellt“, sagt Ifo-Experte Klaus Wohlrabe, der den Index exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Die Umsatzentwicklung sei in den letzten Monaten „auf hohem Niveau durchschnittlich“ gewesen.

Lediglich etwa zehn Prozent der Berater hätten einen Umsatzrückgang in den letzten Monaten im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen müssen. „Viele Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft. Knapp ein Viertel der Unternehmen geht von Umsatzsteigerungen in den nächsten Monaten aus. So gut wie kein Unternehmen erwartet sinkende Umsätze.“

Womöglich sind die Berater sogar Nutznießer der steigenden Unsicherheit auf den Weltmärkten. So droht eine weitere Eskalation im Handelsstreit der USA mit Europa und China. Ungewiss ist zudem die Zukunft des Iran-Geschäfts, nachdem die USA den Atomvertrag mit dem Staat gekündigt haben und allen Unternehmen mit Strafen drohen, die US-Sanktionen unterlaufen.

Ferner ist der künftige Handelsstatus Großbritanniens völlig unklar, wenn das Land kommendes Jahr die EU verlässt. Gleichzeitig versuchen nicht zuletzt die USA, mit niedrigen Steuersätzen Investoren auch aus Deutschland anzulocken.

Die aktuellen Entwicklungen verunsicherten viele Unternehmen, bestätigt Melanie Sack, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW). Im Zuge dieser Entwicklungen hinterfragten sie ihre Organisationen und Standortentscheidungen sowie ihre wirtschaftlichen Verflechtungen und die dahinterstehenden Prozesse.

Risikomanagement der Unternehmen ist jetzt gefragt

„Insbesondere das Risikomanagementsystem eines Unternehmens ist gefordert“, sagt Sack. Wesentliche Risiken und Chancen müssten identifiziert und robuste Strategien entwickelt werden. „Damit steigt natürlich auch die Nachfrage nach Beratungs- oder Assurance-Dienstleistungen.“

Angesichts der globalen Turbulenzen hatten in den vergangenen Tagen zahlreiche Institutionen ihre Konjunkturerwartungen für die sehr stark vom Außenhandel abhängige deutsche Wirtschaft zurückgenommen. Für 2019 erwartet das Handelsblatt Research Institute jetzt sogar nur noch 1,4 Prozent Wirtschaftswachstum – das wäre der geringste Zuwachs seit 2013.

Bei den Beratern selbst ist das rauere Klima auf den Weltmärkten hingegen noch nicht angekommen. „Wir leben generell in einer Zeit einer positiven wirtschaftlichen Situation. Dies ist für die Anwaltschaft gut“, sagt Philipp Wendt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Aufgrund der Unsicherheiten für international tätige Unternehmen sei allseits der Beratungsbedarf sogar noch gestiegen, so Wendt.

Nur fünf Prozent der Berater erwarten daher, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden Monaten verschlechtert, zeigen die Ifo-Daten. Jedes fünfte Unternehmen der Branche bezeichnet den derzeitigen Auftragsbestand dagegen als „verhältnismäßig groß“. Jedes vierte Unternehmen will in den nächsten Monaten Personal einstellen; mit Beschäftigungsabbau rechnet nahezu niemand in der Branche.

Als großes Zukunftsthema gilt die Digitalisierung – und zwar nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei den Beratern selbst. „Digitale Prozesse vermitteln Sicherheit und verbessern die Verifizierbarkeit der Arbeitsergebnisse für alle Beteiligten“, erläutert Steuerberaterverbandspräsident Harald Elster.

Durch die Automatisierung einzelner Prozesse würden in den Kanzleien neue Ressourcen frei, um Innovationen zum Nutzen der Mandanten zu entwickeln. Die Digitalisierung schaffe außerdem zusätzliche Freiräume, da Routinearbeiten automatisiert erledigt würden und die frei werdende Zeit für die individuelle Beratung des Mandanten genutzt werden könne.

„Die Digitalisierung bietet damit die Chance für eine Beratung in Echtzeit, indem Kennzahlen tagesaktuell ermittelt und gezielt bewertet werden können“, so der Verbandspräsident.

Legal-Tech-Produkte als Chance für Anwaltschaft

Auch die Rechtsberatung werde zunehmend digitaler, meint DAV-Chef Wendt. Legal-Tech-Produkte könnten es ermöglichen, die anwaltliche Organisation zu straffen, sodass sich die Anwaltschaft auf das konzentrieren könne, was sie am besten kann: kreative Lösungsansätze für die Probleme und Herausforderungen ihrer Mandantschaft zu finden.

„Wir sehen hier Legal Tech nicht unbedingt als Konkurrenz, sondern als Möglichkeit der Unterstützung von Arbeitsabläufen in Kanzleien“, sagt Wendt.

Hochwertige Beratung hat freilich ihren Preis: Jeder fünfte Berater plant, in den kommenden Monaten seine Honorare zu erhöhen. Die übrigen rechnen mit konstanten Preisen – Preissenkungen erwartet niemand. Ifo-Experte Wohlrabe fasst zusammen: „Grund zu Pessimismus hat die Branche also wahrlich nicht.“

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