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IG-Metall-Bezirkschef Knut Giesler „Thyssen-Krupp-Vorstandschefin Merz muss beweisen, dass sie auch Krise kann“

Der IG-Metall-Gewerkschafter Giesler hat klare Forderungen an den Vorstand des Krisenkonzerns und erteilt einer Firmenzerstückelung zu Lasten der Beschäftigten eine Absage.
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Der Vorstand von Thyssen-Krupp müsse nachhaltige Konzepte auf den Tisch legen, sagt Gewerkschaftler Knut Giesler. Quelle: dpa
IG-Metall-Bezirksleiter Knut Giesler

Der Vorstand von Thyssen-Krupp müsse nachhaltige Konzepte auf den Tisch legen, sagt Gewerkschaftler Knut Giesler.

(Foto: dpa)

Der Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler, verlangt vom neuen Thyssen-Krupp-Management ein tragfähiges Zukunftskonzept, bevor über einen Stellenabbau beim kriselnden Stahlkonzern geredet wird. „Thyssen-Krupp hat die letzten anderthalb, zwei Jahre auch deshalb überstanden, weil es eine starke Mitbestimmung gab. Jetzt muss auch etwas an die Mitarbeiter zurückgegeben werden“, sagte Giesler im Handelsblatt-Interview.

Ein im Zweifel nicht vermeidbarer Personalabbau müsse sozialverträglich erfolgen. „Und wir werden uns genau anschauen, ob auch vernünftige Zukunftskonzepte dahinterstehen. Legt der Vorstand nachhaltige Konzepte auf den Tisch, kann man mit uns darüber reden, wie man das gestaltet“, sagte Giesler.

Die Interimsvorstandschefin Martina Merz komme aus der Industrie, sei Ingenieurin und habe Führungserfahrung. „Das sind gute Voraussetzungen. Jetzt muss sie beweisen, dass sie auch Krise kann“, sagte Giesler.

Einen Komplettverkauf von Thyssen-Krupp Elevator, wo er im Aufsichtsrat sitzt, lehnt der Gewerkschafter ab. „Wenn man sich die Eigenkapitalquote und die Verschuldung anschaut, dann ergibt ein Teilverkauf Sinn, nicht aber ein Komplettverkauf. Wer das propagiert, der versteht nichts von Bilanztechnik, Industriepolitik und Betriebswirtschaft.“

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Herr Giesler, ist es richtig, Thyssen-Krupp zu filetieren?
Eine Filetierung zu Lasten der Beschäftigten darf es nicht geben. Aber klar ist, dass es ein Weiter so auch nicht geben kann. Aus Liquiditätsgründen müssen Teile von Thyssen-Krupp Elevator verkauft werden. Die Frage ist, was mit den anderen Bereichen abseits der Stahlsparte passiert. Ob man es schafft, sie nach einer Restrukturierung unter dem Dach von Thyssen-Krupp weiterzuführen, wird sich in den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten entscheiden.

Aber ist es sinnvoll, den Gewinnbringer Aufzüge abzustoßen?
Wenn man sich die Eigenkapitalquote und die Verschuldung anschaut, dann macht ein Teilverkauf Sinn, nicht aber ein Komplettverkauf. Wer das propagiert, der versteht nichts von Bilanztechnik, Industriepolitik und Betriebswirtschaft. Thyssen-Krupp Elevator ist deutlich mehr wert als in den Büchern steht. Deshalb ist es betriebswirtschaftlich sinnvoll, einen Teil zu verkaufen, den Rest aber weiter im Konzern zu konsolidieren und damit von einem nicht unerheblichen Ergebnis- und Liquiditätszufluss zu profitieren.

Der geplante Umbau setzt weitere Jobs aufs Spiel. Ist das mit der IG Metall zu machen?

Thyssen-Krupp hat die letzten anderthalb, zwei Jahre auch deshalb überstanden, weil es eine starke Mitbestimmung gab. Jetzt muss auch etwas an die Mitarbeiter zurückgegeben werden. Ein im Zweifel nicht vermeidbarer Personalabbau muss sozialverträglich erfolgen. Und wir werden uns genau anschauen, ob auch vernünftige Zukunftskonzepte dahinterstehen. Legt der Vorstand nachhaltige Konzepte auf den Tisch, kann man mit uns darüber reden, wie man das gestaltet.

Dem Investor Cevian geht es sicher nicht in erster Linie um den Erhalt von Arbeitsplätzen …
Der Cevian-Vertreter im Aufsichtsrat hat die Aufgabe, den Vorstand zu kontrollieren. Aus dem operativen Geschäft soll er sich bitte raushalten.

Was erwarten Sie von der Interimsvorstandschefin Martina Merz?
Frau Merz kommt aus der Industrie, ist Ingenieurin, hat Führungserfahrung – das sind gute Voraussetzungen. Jetzt muss sie beweisen, dass sie auch Krise kann. Sie steht für den vom Aufsichtsrat eingeschlagenen Weg. Wenn man jetzt einen anderen Hochkaräter von außen geholt hätte, dann hätte der sicherlich ganz eigene Ideen eingebracht, deren Umsetzung Zeit erfordert. Diese Zeit haben wir nicht.

Was soll mit dem Geld passieren, das beim Verkauf von Unternehmensteilen eingenommen wird?
Auf jeden Fall darf es keine Sonderdividende geben, und das ist dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden gegenüber ja auch in einem Brief versichert worden. Da hat es auch ein gutes Zusammenspiel mit der Politik gegeben. Das Geld wird gebraucht, um Verbindlichkeiten zu tilgen und den Konzern nach vorne zu bringen. Wir brauchen Investitionen im Stahlbereich, bei Elevator, auch in den anderen Bereichen muss restrukturiert und nach vorne geschaut werden. Deshalb muss das Geld im Konzern bleiben.

Also sind auch Aktienrückkäufe kein Thema?
Wir brauchen Geld, um die Geschäfte vernünftig aufzustellen, nicht um den Finanzmarkt zu befrieden oder Aktienkurse zu stärken.

Sie haben vom guten Zusammenspiel mit der Politik gesprochen. Welche Rolle hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet gespielt?
Es gab die ganze Zeit eine enge Abstimmung zwischen Herrn Laschet und der Arbeitnehmervertretung. Er hat verstanden, dass Thyssen-Krupp für Nordrhein-Westfalen schon allein wegen der 40.000 Arbeitsplätze wichtig ist. Und er hat mit dafür gesorgt, dass Cevian schriftlich erklärt hat, keine Sonderdividende anzustreben.

Hat denn die Stahlproduktion in Deutschland überhaupt eine Zukunft?
Stellen wir uns eine Welt ohne Stahl vor – das geht kaum. Es ist ein deutlicher Unterschied, ob ich über Stahl oder über Kohle reden. Wenn wir CO2-freie Autos haben wollen, dann brauchen wir leichteren, stabileren Stahl. Das kriegen wir mit den Stahlherstellern in Deutschland hin. Oder nehmen Sie die CO2-freie Stahlproduktion. Wir sind die einzigen, die so etwas mit Wasserstofftechnik nach vorne bringen können. Stahl hat eine Zukunft, man muss nur die politischen Rahmenbedingungen richtig setzen und für die notwendigen Investitionen sorgen.

Es gibt andere, billigere Anbieter wie China…
Wir produzieren in Deutschland immer noch 43 bis 44 Millionen Tonnen Stahl im Jahr, mehr als jedes andere Land in Europa. Ob es ökologisch besser wäre, das alles durch dreckigen Stahl aus China zu ersetzen, würde ich in Frage stellen.

Hat Thyssen-Krupp Steel denn nach der geplatzten Fusion mit Tata alleine eine Überlebenschance?
Man muss überlegen, wie man die nötigen gewaltigen Investitionen stemmen kann – unter Umständen geht das nur im Verbund. Das wird man in den nächsten zwei bis drei Jahren sehen.

Mehr: Bei dem Essener Stahlkonzern läuft der Großumbau, der Ausgang ist ungewiss. Nun spekulieren Investmentfonds auf fallende Aktienkurse.

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