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IG Metall Metall-Tarifrunde: Ringen um einen Tarifvertrag für die digitale Transformation

Die zweite Verhandlungsrunde für die fast vier Millionen Metaller ist beendet. Während man in NRW den Einigungswillen betont, sind die Fronten im Südwesten verhärtet.
19.01.2021 - 07:21 Uhr Kommentieren
Transformation als „Kernherausforderung“ für die Metall- und Elektroindustrie. Quelle: Kirchhoff Automotive
NRW-Metallarbeitgeberchef Arndt G. Kirchhoff

Transformation als „Kernherausforderung“ für die Metall- und Elektroindustrie.

(Foto: Kirchhoff Automotive)

Berlin Beim Mittelständler EJOT hat man schon früh gehandelt. Seit 2017 gibt es bei dem nordrhein-westfälischen Unternehmen, das Verbindungstechnik für die Auto- oder Bauindustrie herstellt und 3400 Mitarbeiter beschäftigt, eine Betriebsvereinbarung zur Gestaltung der digitalen Transformation.

Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall haben unter anderem vereinbart, dass die Arbeitnehmervertreter über Digitalisierungsprojekte rechtzeitig informiert werden und es eine verbindliche Regelung über zukunftssichernde Maßnahmen gibt. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe soll ausloten, welchen Qualifizierungsbedarf es bei den Mitarbeitern gibt, damit niemand im Umbruch auf der Strecke bleibt.

„In unserem Lenkungsausschuss für digitale Projekte sitzt auch der Betriebsrat mit dabei – auch um Ängste zu nehmen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der EJOT-Gruppe, Christian Kocherscheidt.

Vereinbarungen wie diese, die auf das Projekt „Arbeit 2020“ des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums zurückgehen, sollen nach dem Willen der IG Metall Schule machen – und zwar bundesweit. In den Tarifverhandlungen für die knapp vier Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie will die Gewerkschaft deshalb einen tariflichen Rahmen dafür setzen.

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    Obwohl die Corona-Pandemie derzeit alles überlagere, seien die Themen der Transformation ja nicht vorbei, sagte Nordrhein-Westfalens IG-Metall-Chef Knut Giesler am Montag zum Auftakt der zweiten Verhandlungsrunde.

    Schon in der letzten Tarifrunde sollte ursprünglich die Gestaltung der Digitalisierung und des Strukturwandels vor allem in der Auto- und Zuliefererindustrie im Mittelpunkt stehen. Angesichts der Pandemie wurde daraus nichts, im März 2020 hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften stattdessen auf einen Corona-Tarifvertrag ohne Lohnerhöhung geeinigt.

    Entscheidungen müssen auf betrieblicher Ebene fallen

    Die Transformation sei „die Kernherausforderung für unsere Industrie“, sagte auch der Präsident der nordrhein-westfälischen Metallarbeitgeber (Metall NRW), Arndt G. Kirchhoff. Sie treffe aber jedes Unternehmen unterschiedlich. Deshalb müsse die letztendliche Entscheidung über Maßnahmen auch auf der betrieblichen Ebene fallen. „Die unternehmerische Entscheidungsfreiheit, die ist für uns sehr wichtig“, betonte Kirchhoff.

    Laut Giesler soll ein Tarifvertrag „Leitplanken“ einziehen. Wie kann es gelingen, Unternehmer und Betriebsräte zu Zukunftsgesprächen überhaupt an einen Tisch zu bringen? Welche Vereinbarungen können dann getroffen werden? Und was passiert, wenn Arbeitgeber nicht reden wollen?

    „Es ist immer die Frage, ob man ein Unternehmen mit einem Tarifvertrag zu seinem Glück zwingen kann“, sagt dazu EJOT-Chef Kocherscheidt. Wichtig sei, dass über Themen wie die Digitalisierung am Ende auf betrieblicher Ebene entschieden werde.

    In Nordrhein-Westfalen waren die Tarifparteien also erkennbar um Einigung bemüht. „Auf beiden Seiten ist der Wille erkennbar, gemeinsam die Herausforderungen der Transformation in den Betrieben anzugehen und Lösungen zu finden“, sagte Giesler nach dem Ende der Gespräche.

    Allerdings hatten sich die Tarifparteien in NRW auch einen der am wenigsten strittigen Aspekte für ihre Verhandlungen ausgesucht. Hauptknackpunkt der Verhandlungen ist, dass die IG Metall auch vier Prozent mehr Geld will, das dann entweder für Beschäftigungssicherung oder Lohnerhöhungen eingesetzt werden kann. Die Arbeitgeber sehen angesichts der Corona-Pandemie und der seit Sommer 2018 andauernden Industrierezession aber nur wenig oder gar keinen Verteilungsspielraum.

    Keine Lohnerhöhung vor Erreichen des Vorkrisenniveaus

    Entsprechend verhärtet zeigten sich die Fronten in Baden-Württemberg, wo am Montag ebenfalls in zweiter Runde verhandelt wurde. Eine Möglichkeit für Lohnerhöhungen gebe es erst, wenn die Metall- und Elektroindustrie das Niveau vor der Krise wieder erreicht habe, also frühestens im Jahresverlauf 2022, sagte der neue Vorsitzende von Südwestmetall, Daimler-Arbeitsdirektor Wilfried Porth.

    Viele Unternehmen stünden zudem vor kostenträchtigen gravierenden Umwälzungen: „Sie müssen jetzt in die wirtschaftliche Erholung und gleichzeitig in neue Geschäftsmodelle, in die Zukunft investieren.“ Die Transformation könne nur mit einer anderen Kostensituation gelingen.

    „Deshalb brauchen wir jetzt Entlastung statt weiterer Belastungen, wenn wir unsere Unternehmen wettbewerbsfähig halten und die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichern wollen.“

    Baden-Württembergs IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger warf den Arbeitgebern vor, nicht nur auf eine Nullrunde zu drängen, sondern tarifliche Errungenschaften wie Pausenregelungen streichen und pauschale Regeln einführen zu wollen, um vom Tarifvertrag abweichen und Kosten senken zu können. So fordern die Arbeitgeber einen Automatismus, der Unternehmen eine Abweichung vom Flächentarif erlaubt, wenn bestimmte betriebswirtschaftliche Kennziffern unterschritten werden.

    „Streichkonzepte der Gegenseite begegnen uns regelmäßig“, sagte Zitzelsberger. Der aktuelle Forderungskatalog lässt aber vermuten, dass die Arbeitgeber versuchen, die Verunsicherung der Beschäftigten in der Corona-Pandemie auszunutzen, um in großem Stil tarifliche Standards zu verschlechtern.“

    Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind neben Bayern die Regionen, in denen traditionell Pilotabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie vereinbart werden. Am 1. März läuft die Friedenspflicht aus, dann wären auch Warnstreiks möglich.

    Mehr: Designierter Gesamtmetall-Präsident Wolf fordert erneute Nullrunde

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