IG Metall

Metallarbeitgeber gehen gerichtlich gegen die 24-Stunden-Streiks vor.

(Foto: Reuters)

IG Metall-Warnstreik Arbeitgeber reichen erste Klagen gegen Streiks ein

Nach dem Start der 24-Stunden-Streiks der IG Metall reichen erste Arbeitgeber nun offiziell Klage ein. Die Forderung nach einem Teillohnausgleich sei rechtswidrig. Die Gewerkschaft beklagt ein Versteckspiel der Metaller.
Update: 31.01.2018 - 11:50 Uhr 3 Kommentare

HamburgDer Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie spitzt sich zu. Die Arbeitgeber in Bayern reichten beim Arbeitsgericht München eine erste Klage gegen die seit Mittwoch laufenden 24-Stunden-Streiks der IG Metall ein und drohten wegen der erwarteten Produktionsausfälle mit Schadenersatzforderungen. „Wir sind im Interesse unserer Mitglieder dazu verpflichtet, Klage gegen die rechtswidrige Forderung nach einem Teillohnausgleich einzureichen“, erklärte Bertram Brossardt, Geschäftsführer der bayerischen Metallarbeitgeber. Auch die Arbeitgeber in Berlin und Brandenburg klagen. Dem wollen sich im Laufe des Tages weitere Landesvereinigungen anschließen.

Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler warf den Arbeitgebern vor, Öl ins Feuer zu gießen. „Statt mit der IG Metall am Verhandlungstisch ernsthaft eine Lösung zu suchen, verstecken sich die Arbeitgeber schon seit Verhandlungsbeginn hinter fragwürdigen juristischen Konstrukten.“

Die IG Metall hatte nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen im Pilotbezirk am Wochenende in Baden-Württemberg ganztägige Warnstreiks angekündigt. Gleichzeitig bereitet sie Urabstimmungen für eine unbefristeten Flächenstreik vor, um den Druck für ihre Forderungen zu erhöhen. Bereits seit dem späten Dienstagabend legten nach Angaben der Gewerkschaft Beschäftigte von Firmen in mehreren Bundesländern die Arbeit für 24 Stunden nieder.

Dazu gehörten etwa in Baden-Württemberg Heidelberg Manufacturing und Huber Packaging. In Bayern sollte am Mittwoch unter anderem beim Lkw-Bauer MAN und bei einer Kion-Tochter gestreikt werden. Im Südwesten sollten die Autozulieferer ZF Friedrichshafen und Bosch sowie der Maschinenbauer Heidelberger Druck bestreikt werden. Die Ausstände sollen in den nächsten Tagen ausgeweitet werden. Insgesamt sollen bis Freitag mehr als 250 Firmen in die Warnstreiks einbezogen werden.

Ökonomen schätzen den Schaden auf mindestens 62 Millionen Euro pro Tag. Wie hoch die Summe am Ende sein wird, hängt auch davon ab, wie stark die eng verflochtenen Lieferbeziehungen zwischen Herstellern und Lieferanten durch die Arbeitsniederlegungen betroffen sind. Die Arbeitgeber warfen der IG Metall ihrerseits vor, den Konflikt unnötig zu eskalieren. „Das lehnen wir ab und warnen die IG Metall unsererseits vor entstehenden Schadensersatzansprüchen“, erklärte der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm).

„Wir rechnen mit einem Umsatzausfall von 62 Millionen Euro“

Die Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen kündigten eine Klage am Arbeitsgericht in Frankfurt an. Auch sie argumentieren damit, dass der von der Gewerkschaft geforderte Teillohnausgleich für eine befristete Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden andere Beschäftigte benachteilige. Dies sei eine rechtswidrige Forderung, für die nicht gestreikt werden dürfe.

Der verlangten Zuschüsse für Beschäftigte, die zur Pflege von Angehörigen oder zur Kinderbetreuung die Arbeitszeit verkürzen, ist Hauptstreitpunkt in der Tarifrunde. Er war auch der Grund, warum die Gespräche im Südwesten am Samstag ohne Ergebnis abgebrochen wurden.

Hier streiken die Metaller
MAN
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Im Tarifstreit der Metallindustrie hat die IG Metall mehrere zehntausend Beschäftigte zu 24-Stunden-Warnstreiks aufgerufen. Damit weitet die Gewerkschaft ihre Aktionen vor der vierten Verhandlungsrunde wieder aus. Seit dem frühen Morgen werden auch die Lkw-Werke von MAN in München bestreikt. Ganztägige Streiks sind rechtlich umstritten. Der Arbeiterverband Nordmetall will vor dem Arbeitsgericht Klage einreichen.

Still
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Gewerkschafter stehen vor dem Werk des Hamburger Gabelstaplerherstellers Still: Dort legten mehr als 2000 Mitarbeiter die Arbeit nieder und harrten in den frühen Morgenstunden vor den Werkstoren aus.

Still
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Vor dem Werkstor sprach am Mittwochmorgen während einer Kundgebung Meinhard Geiken, der Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Geberit
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Streikposten stehen vor dem Werkstor von Geberit in Langenfeld bei Köln. Allein in NRW will die IG Metall will in dieser Woche mehr als 65.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie zu Warnstreiks aufrufen. Der Sanitärprodukte-Hersteller Geberit beschäftigt in Deutschland rund 3.200 Mitarbeiter.

Mahle
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Auch in Wustermark, in Brandenburg streiken IG-Metall-Mitglieder. Hier zu sehen Mitarbeiter des Autozulieferers Mahle. Der Konzern hat rund 77.000 Mitarbeiter und generiert 12 Milliarden Euro Umsatz. Nach eigenen Angaben sind in jedem zweiten Fahrzeug auf der Welt Teile von Mahle verbaut. Der Hauptsitz des Unternehmens liegt in Stuttgart.

Pfeiffer Vacuum
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Mitarbeiter des hessischen Maschinenbauers Pfeiffer Vacuums haben heute hier in Hanau ebenfalls die Arbeit niedergelegt. Das Unternehmen stellt unter anderem Vakuumpumpen, Mess- und Analysegeräte her und konnte 2016 einen Umsatz von 474 Millionen Euro verzeichnen. Die IG Metall fordert für bundesweit 3,9 Millionen Branchenbeschäftigte sechs Prozent mehr Lohn, die auf der brennenden Tonne eingeschweißt zu sehen sind.

  • rtr
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3 Kommentare zu "IG Metall-Warnstreik: Arbeitgeber reichen erste Klagen gegen Streiks ein"

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  • Die IGM muß global denken und nicht nur auf Deutschland bezogen. Was nützen hier im internationalen Vergleich (!) utopische Arbeitsbedingungen (Urlaub, bezahlte Krankheitstage, Arbeitszeiten, Löhne,...), wenn immer mehr Unternehmen in das Ausland verlagern? Gerade zeigt die USA mit Ihrer Steuerpolitik wohin die Reise geht. Deutschland als Hochsteuerland muß sich der internaionalen Herausforderung stellen und den Arbeitgebern konkurrenzfähige Rahmenbedingungen bieten. Was Deutschland blüht wenn die Industrie langsam aber beständig abwandert, kann sich jder selbst vorstellen. ... Fast jeder, Gewerkschafter vermutlich nicht.

    In der Schweiz sind die Löhne 100% höher, dafür sind auch die Lebenshaltungskosten um deutlich mehr als 100% höher! Die Schweiz hat auch geringere Steuern, da die Schweiz keine Billion (ja!) für Asylanten aufwenden muß, von Europa ganz zu schweigen...

  • Jetzt ist es Zeit, dass das Lohndumping endet. Arbeitgeber suchen händeringend Mitarbeiter, stimmt. Ihre Hände ringen, deswegen finden sie keine. Die eine Hand will nicht geben und die andere Hand will nicht nehmen. Hände ringen halt miteinander. Am liebsten sie noch die welche wenig können und Brav den Bückling machen. Halt alles wie gehabt. Arbeitgeberbewegung, der Mund in der Tarifverhandlung. Ansonsten Null Fitness, Null Kreativität, Null Lohnzahlungswille bei voller Absetzbarkeit nach Profit. Wohl gemerkt bei voller Absetzbarkeit, das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Für welche die es nicht verstehen. Kant lesen und mal denken oder einfach weiter machen. Die Lobbyisten in der Politik werden es schon richten. Übrigens ein Blick in die Schweiz hilft. Dort sind die Löhne allerdings mindestens 100% höher, auch der Mindestlohn. Der Autor ist übrigens Facharbeiter und hat Zusatzqualifikationen, hofft auf das Ausland. Kurz, will weg und viele in seinem Bekanntenkreis wollen dies ebenfalls. Das sind auch Facharbeiter. Es haben immer mehr Null-Bock auf den ****, in diesem Land. Noch was zum Denken. 70% die Dienst nach Vorschrift machen, sind NICHT 70% für das Unternehmen, auch wenn Manager und Unternehmer gerne so Rechnen. Es sind also nicht 84% für das Unternehmen, sondern 86% welche die Nase voll haben. Aber die muss man ja nicht finden, hat man sie doch schon. Ehrlich sieht nicht gut aus für die Unternehmen. Das geringe Geld das bei einem Arbeitsstreik verloren geht, reicht kaum um das Fett abzusaugen, das die fetten Jahren der Abzocke angelegt haben. Es bleibt zu hoffen, dass es diesmal richtig zur Sache geht. Oh, das Handelsblatt ist ja ne Zeitung für Arbeitgeber. So ein Pech aber auch, jetzt schreibt da mal jemand der die Dinge ganz anders sieht. Ich bin übrigens für 200% mehr Lohn und 60 Tage Urlaub, damit ich Alter nicht auch noch Sozialhilfeempfänger werde, trotz Arbeit.

  • Offensichtlich wissen die Arbeitgeber- und deren Verbände nicht mehr,
    was als Streikrecht manifestiert ist.

    Wären unsere Gewerkschaftler und Gewerkschaftsmitglieder nicht so ungemein bequem,
    könnten wir bald wie in Frankreich oder in Italien streiken.
    Dann dürfte der Eine oder Andere jammern. Möglicherweise zu Recht.

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