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ILO-Gehaltsreport G20-Staaten: Nur Südkorea hat höhere Lohnzuwächse als Deutschland

Die Bundesrepublik ist laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation bei der Lohnentwicklung vorne dabei. Die Pandemie werde jedoch für einen Dämpfer sorgen.
02.12.2020 - 10:07 Uhr Kommentieren
Die Lohnentwicklung in Deutschland ist dem Report zufolge vergleichsweise gut. Quelle: dpa
Kellnerin

Die Lohnentwicklung in Deutschland ist dem Report zufolge vergleichsweise gut.

(Foto: dpa)

Berlin Die Löhne in Deutschland sind in den vergangenen Jahren so stark gestiegen wie in kaum einem anderen Industrieland. Von 2008 bis 2019 legten sie real – also nach Abzug der Preissteigerung – um 15 Prozent zu. Von den entwickelten Staaten in der Gruppe der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) verzeichnet nur Südkorea mit 22 Prozent ein noch höheres Reallohnwachstum.

Das geht aus dem neuen „Global Wage Report“ der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hervor. Der Bericht wird an diesem Mittwoch offiziell vorgestellt, eine Zusammenfassung lag dem Handelsblatt vorab vor.

In Italien, Japan und Großbritannien gingen die Reallöhne im genannten Zeitraum sogar zurück. Im Schwellenland China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, haben sich die Löhne zwischen 2008 und 2019 verdoppelt.

In den vier Jahren vor der Corona-Pandemie schwankte das jährliche Lohnwachstum in den G20-Schwellenländern zwischen 3,5 und 4,5 Prozent. Die Löhne wuchsen damit deutlich stärker als in den Industriestaaten, wo sie um 0,4 bis 0,9 Prozent pro Jahr zulegten.

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    Die Pandemie wird nach Einschätzung der ILO aber für einen Dämpfer sorgen. So beobachtet die Arbeitsorganisation für das erste Halbjahr beispielsweise in Japan, Südkorea und Großbritannien einen Abwärtsdruck auf die Durchschnittslöhne.

    In Brasilien, Kanada, Frankreich, Italien und den USA sind die Durchschnittslöhne in der ersten Jahreshälfte dagegen – auf den ersten Blick überraschend – kräftig gestiegen. Dies ist aber laut ILO darauf zurückzuführen, dass viele einfache Jobs am unteren Ende der Lohnskala in der Krise weggefallen sind, was die Durchschnittsentgelte hebt.

    Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor leiden besonders unter den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise. Quelle: imago images/Hanno Bode
    Protestaktion von Gastronomie-Beschäftigten in Hamburg

    Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor leiden besonders unter den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise.

    (Foto: imago images/Hanno Bode)

    Dagegen hätten Länder wie Deutschland durch den Einsatz von arbeitsmarktpolitischen Instrumenten wie der Kurzarbeit den Anstieg der Arbeitslosigkeit abgemildert. Auswirkungen der Krise würden so „möglicherweise eher durch einen Abwärtsdruck auf die Löhne als durch massive Arbeitsplatzverluste sichtbar“, schreiben die ILO-Experten.

    Lohnfindung am besten in Tarifverhandlungen

    Nach ihrer Untersuchung trifft die Krise schlechter bezahlte Arbeitnehmer sowie Frauen unverhältnismäßig stark und vergrößert damit bestehende Lohnunterschiede, weil Geringqualifizierte stärker von Arbeitszeitverkürzungen betroffen waren als Arbeitnehmer in Management- oder Fachberufen.

    Für ausgewählte europäische Länder zeigt der Report, dass die am schlechtesten bezahlten 50 Prozent der Arbeitnehmer ohne staatliche Hilfe 17,3 Prozent ihrer Löhne verloren hätten, im Durchschnitt aller Arbeitnehmer sind es 6,5 Prozent.

    Allerdings sei es in vielen Ländern durch Kurzarbeitergeld oder andere Instrumente gelungen, Einkommensverluste zumindest teilweise zu kompensieren. Für eine Auswahl von zehn europäischen Staaten schätzt die ILO, dass es dank Lohnsubventionen gelungen ist, 40 Prozent der gesamten krisenbedingten Lohnsummenverluste auszugleichen.

    Um die Folgen der Coronakrise zu mildern und die wirtschaftliche Erholung zu stützen, sei eine angemessene und ausgewogene Lohnpolitik erforderlich, folgern die ILO-Experten. „Tarifverhandlungen, welche die besonderen Umstände bestimmter Unternehmen oder Sektoren berücksichtigen, sind am besten geeignet, das richtige Gleichgewicht zu finden“, heißt es im Global Wage Report.

    Sie könnten auch helfen, „die Angemessenheit der Löhne in einigen zumeist von Frauen dominierten Niedriglohnsektoren, die sich in der gegenwärtigen Krise als wesentlich und von hohem sozialem Wert erwiesen haben, neu zu bewerten“. In Deutschland beispielsweise wird seit der Krise noch stärker als vorher über die Entlohnung von Pflegekräften debattiert.

    Eine Erhöhung von Mindestlöhnen über den Inflationsausgleich hinaus könne dagegen angesichts der wirtschaftlichen Umstände in einigen Ländern schwierig oder riskant sein, schreiben die Experten.

    Mehr: Trotz des Teil-Lockdowns: Der Arbeitsmarkt läuft nicht aus dem Ruder

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