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Im Alter von 80 Jahren Ex-Wirtschaftsminister und NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement ist tot

Der 80-Jährige starb am frühen Sonntagmorgen im Kreis seiner Familie. Clement war Verfechter der Agenda 2010 und zuletzt Unterstützer der FDP.
27.09.2020 Update: 27.09.2020 - 13:15 Uhr 3 Kommentare
Wichtiger Architekt der Agenda 2010. Quelle: dpa
Wolfgang Clement ist tot

Wichtiger Architekt der Agenda 2010.

(Foto: dpa)

Berlin Fast genau zwölf Jahre ist es her, dass Wolfgang Clement „kurz entschlossen und tief gekränkt“ nach 38 Jahren aus der SPD austrat. Der „Superminister“ für Wirtschaft und Arbeit hatte unter Kanzler Gerhard Schröder die Agenda 2010 umgesetzt.

Dem Land verhalf er mit den Hartz-Reformen zum wirtschaftlichen Aufschwung und zu mehr Arbeitsplätzen. Doch als sich seine SPD mit dem angeblichen „Sündenfall“ nie richtig versöhnen konnte, wandelte sich der gebürtige Bochumer zum Kritiker seiner Partei. Nun ist Wolfgang Clement am frühen Sonntagmorgen nach schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren zu Hause in Bonn im Kreis der Familie gestorben.

Clement, Sohn eines Baumeisters, war als Jurist und Journalist tätig, bevor es ihn in die Politik Nordrhein-Westfalens zog. Unter Ministerpräsident Johannes Rau war Clement ab 1989 Chef der Staatskanzlei und ab 1995 Minister für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr. Von 1998 bis 2002 war Clement siebter Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens.

Dann folgte der Wechsel nach Berlin: Schröder berief Clement zum Bundesminister. Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung 2005 und dann auch aus der SPD-Führung startete Clement in seinen „dritten beruflichen Lebensabschnitt“. Er ging in die Wirtschaft, wurde Aufsichtsrat der RWE Power und übernahm einen Posten beim Leih- und Zeitarbeitskonzern Adecco.

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    Zum Bruch mit der Sozialdemokratie kam es schließlich 2008, als Clement vor der Landtagswahl in Hessen indirekt von der Wahl der SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti abriet. Zuletzt unterstützte Clement die FDP.

    Früherer Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement ist tot

    „Das Verhältnis Wolfgang Clements zu seiner Partei war kein einfaches“, schrieb denn auch die NRW-SPD am Sonntag in einer Erklärung. Sein Bruch mit der SPD habe dies deutlich vor Augen geführt. „Sein langjähriges Engagement für die Sozialdemokratie und das Land Nordrhein-Westfalen werden wir trotz aller Widersprüche in ehrenvollem Gedenken halten.“

    Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans twitterte: „Mit Wolfgang Clement hat das politische Deutschland einen markanten und streitbaren Kopf verloren. Er war ein Macher, mit dem es nicht immer leicht war.“

    Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ am Sonntag mitteilen: „Wolfgang Clement hat viel dazu beigetragen, notwendigen wirtschaftlichen Strukturwandel und die Belange der arbeitenden Menschen miteinander in Einklang zu bringen.“ Clement habe Deutschland „große und bleibende Dienste erwiesen“.

    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) würdigte seinen Amtsvorgänger auf Twitter als „großen Patrioten“. Clement sei es nicht um Ideologie, sondern um Arbeitsplätze und Menschen gegangen, erklärte Altmaier. Als Wirtschafts- und Arbeitsminister habe er zum Gelingen notwendiger Reformen beigetragen.

    Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erklärte: „Persönlich verliere ich einen liebenswerten Menschen, der immer für Rat zur Verfügung stand.“ Clement sei eine „prägende Figur Nordrhein-Westfalens und Deutschlands“ gewesen und während seiner Zeit als Politiker ebenso ein streitbarer Charakter wie ein moderner Macher der Hartz-Reformen.

    „Wolfgang Clement war ein echter Nordrhein-Westfale, der durch harte Arbeit und Disziplin in der Politik und anschließend auch in der Wirtschaft erfolgreich war“, sagte Laschet, der mit Clement noch im Juli dessen 80. Geburtstag gefeiert hatte. Da hatte Clement schon sehr schmal und wacklig gewirkt.


    FDP-Chef Christian Lindner schrieb auf Twitter, Clement habe sich als Sozialliberaler Zeit seines Lebens für „sozialen Aufstieg, Arbeit und Wachstum“ eingesetzt. „Ich habe ihn auch ganz persönlich als Ehrenmann und Ratgeber schätzen gelernt“, schrieb Lindner.


    Auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) äußerte sich zu Clements Tod. Der ehemalige SPD-Politiker war Kuratoriumsvorsitzender des Netzwerks. „Wenn er auf Hindernisse stieß, versuchte er nicht, sie zu umgehen, sondern räumte sie aus dem Weg. Statt Dinge schön zu reden, hat er lieber Klartext gesprochen - auch und gerade, wenn die Konsequenzen mit Härten und Unbequemlichkeiten verbunden waren“, erklärte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Debatten habe Clement mit scharfem Verstand und geschliffenen Formulierungen geführt.

    Als Clement am 7. Juli 80 Jahre alt wurde, sagte der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) der Deutschen Presse-Agentur: „Wolfgang Clement hat politisch viel bewegt, in Nordrhein-Westfalen ebenso wie auf Bundesebene.“ Schröder sagte weiter: „Ich habe es ihm hoch angerechnet, dass er im Jahr 2002 das Amt des Ministerpräsidenten aufgegeben und in meinem Kabinett den Posten des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit angenommen hat.“ Zusammen mit dem damaligen Chef des Bundeskanzleramts, dem heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, habe er zu den wichtigen Akteuren gehört, die die Reformagenda 2010 konzipiert hätten, sagte Schröder.

    Clements Weggefährte, der Wirtschaftsberater und ehemalige CDU-Politiker Friedhelm Ost, würdigte am Sonntag den „Superpolitiker“ Clement: „Er fühlte sich der katholischen Soziallehre und der protestantischen Ethik verpflichtet, war ein großer Nachfolger von Ludwig Erhard und Karl Schiller, entwickelte die Soziale Marktwirtschaft weiter in unsere veränderte Welt hinein.“

    „Bis zuletzt war Ihr Mann ein Kämpfer für die soziale Marktwirtschaft“, heißt es im Kondolenzschreiben von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an Clements Witwe. Clement war seit 1966 mit seiner Frau Karin verheiratet. Sie bekamen fünf Töchter und später 13 Enkelkinder.

    Mehr: Lesen sie hier die Gastbeiträge von Wolfgang Clement im Handelsblatt.

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    3 Kommentare zu "Im Alter von 80 Jahren: Ex-Wirtschaftsminister und NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement ist tot"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Frau Heidel, ich gestehe, dass ich von John Stuart Mill heute zum ersten mal gehört habe und habe schnell bei Wikipedia nachgesehen. Dort erfuhr ich, dass Herr Mill ein Kind des 19. Jahrhunderts ist, aber über 100 % Erbschaftssteuer habe ich (auf die Schnelle) nichts gefunden, wie sollte es auch. Aber viel über Glück und glücklich sein. Mein Vater hätte es als Glücksfall angesehen, wenn er seinem Sohn etwas hätte vererben können. Aber wir sind inzwischen über hundert Jahre von Herrn Mill entfernt (historisch meine ich) und an Lebenserfahrung viele Kriege reicher und auch sozialen Revolutionen. Meine Eltern sind durch die Kriege des letzten Jahrhunderts völlig aus ihren Bahnen gerissen worden. Sie haben nur mit "Ach und Krach" ihre Zeit überstanden, aber haben beiden ihren Kindern (trotz Kinderarmut) es ermöglicht (hauptsächlich durch moralische Unterstützung) eine ordentliche (Universiitäts-)Ausbildung zu erhalten. Beide haben natürlich auch selbst dazu beitragen müssen.
      Mein Sohn wird im heutigen System der sozialen Sicherung kaum ein ausreichendes Alterseinkommen haben - trotz arbeitsreichem Leben - so erfahre ich ein Millsches Glückgefühl, wenn ich ihm sein Alterseinkommen durch ein gewisses Erbe erleichtern kann, damit auch er Millsches Glück erfahre!

    • @Herrn Kobelt: Wenn "Prosperität für alle ist nur durch eigene Leistung erreichbar" ist, dann stimmen Sie sicher mit John Stuart Mill für eine Erbschaftsteuer von 100%. Da kommt es nämlich dann zum Schwur.

    • Ich bin nun auch schon "über 8o" und habe während meines Lebens nur wenige Sozialdemokraten erlebt, die mich beeindruckt haben. Wolfgang Clement war einer dieser beeindruckenden Sozialdemokraten: Er hatte verstanden, dass die "Soziale Marktwirtschaft" die vernünftigste Politik ist, dass die SPD immer dann zur echten Volkspartei wird, wenn sie vernünftig agiert und nicht nur ideologisch. Kinder, die das Ende des Zweiten Weltkrieges bewusst erlebt haben, mussten auf die harte Tour lernen, dass sie selbst für ihre Zukunft verantwortlich sind und sich nicht darauf verlassen können, den "Reichen" etwas zu nehmen, um den "Armen" zu geben. "Nachhaltig" langfristiger Fortschritt und damit Prosperität für alle ist nur durch eigene Leistung erreichbar und nicht durch Revolution. Wolfgang Clement wird in der Zukunft fehlen !

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