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Immobilienverkauf Makler kritisieren Barleys Bestellerprinzip – Ministerin kontert mit Steuerfreibetrag

Barley will die Maklerkosten auch beim Immobilienverkauf den Auftraggebern zuordnen. Die Branche warnt vor höheren Preisen – doch die Ministerin hat eine Antwort parat.
Update: 25.02.2019 - 16:54 Uhr 4 Kommentare
Bislang haben entweder die Käufer alle Maklerkosten übernommen oder die Courtage wurde geteilt – ein neues Gesetz aus dem Verbraucherschutzministerium soll das nun ändern. Quelle: dpa
Begehrte Wohnungen

Bislang haben entweder die Käufer alle Maklerkosten übernommen oder die Courtage wurde geteilt – ein neues Gesetz aus dem Verbraucherschutzministerium soll das nun ändern.

(Foto: dpa)

FrankfurtKatarina Barley (SPD) macht ernst. Nach ihrer Ankündigung, das Bestellerprinzip für Immobilienkäufe zu prüfen, legt die Verbraucherschutzministerin in einen Referentenentwurf vor, wie das konkret aussehen soll.

Das Konzept sieht vor, dass künftig nur noch derjenige den Immobilienmakler bezahlt, der ihn auch beauftragt. In den überwiegenden Fällen sind das die Verkäufer. Käufer würden durch diese Maßnahme bis zu drei Milliarden Euro sparen, rechnet das Ministerium vor.

Die Maklercourtage beträgt bislang zwischen 4,76 und 7,14 Prozent. In vielen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Sachsen oder Thüringen teilen sich Käufer und Verkäufer die Provision. Eine feste Regelung gibt es dafür aber nicht: Die Maklercourtage ist Verhandlungssache. „Auch in Bundesländern, in welchen grundsätzlich eine Teilung der Provision zwischen Makler und Verkäufer praktiziert wird, wird aufgrund des knappen Angebots an Immobilien häufig einseitig dem Verkäufer entgegengekommen“, heißt es in dem Entwurf.

Gerade in Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt müssten daher immer wieder Käufer allein die Courtage bezahlen. Da deren Höhe aber meist schon zwischen Verkäufer und Makler festgelegt werde und damit zu einem Zeitpunkt, an dem der potenzielle Käufer keinen Einfluss habe, soll der Entwurf nun nachbessern.

Beauftragen Käufer Makler mit der Suche einer Immobilie, zahlt auch der Käufer, der in diesem Falle schließlich auch Besteller ist. Allerdings sollen Makler bei diesen Aufträgen keine Objekte anbieten dürfen, die sie bereits in ihrem Portfolio haben.

Dies lehnt sich an einer Regelung zum Bestellerprinzip bei Vermietungen an, die bereits seit 2015 gilt. Damit soll verhindert werden, dass Verkäufer Maklern eine Wohnung „an die Hand geben“, wie es im Entwurf heißt, und die Kosten letztlich der Käufer tragen muss, obwohl der ursprüngliche Vermittlungsauftrag insgeheim doch vom Verkäufer stammt.

Die Neuregelung könnte Makler bis zu zehn Prozent ihrer Aufträge kosten und für Umsatzeinbußen zwischen 660 und 752 Millionen Euro sorgen, vermutet das Bundesjustizministerium. Die Summe resultiert aus der Annahme, dass einerseits weniger Makler in den Verkaufsprozess eingeschaltet werden und andererseits Verkäufer eine niedrigere Courtage als bislang üblich aushandeln werden.

Claus Michelsen, Immobilienökonom und Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, hält diese Hypothese für plausibel: „Wenn Verkäufer die Provision verhandeln, dürfte das doch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, als wenn der Makler den Käufer aussucht, der 7,14 Prozent Provision zahlen möchte. Die Provision sollte sinken“, schreibt er auf Twitter.

„Entwurf löst kein Problem“

Immobilienverbände kritisieren Barleys Konzept. „Der vorgelegte Entwurf von Frau Barley löst kein Problem und wird langfristig die Kosten des Eigenheimerwerbs nicht senken. Wenn es der Bundesregierung ernst ist, muss sie die Grunderwerbsteuer senken“, kommentiert der Eigentümerverband Haus und Grund.

Der Immobilien- und Maklerverband IVD lehnt das Bestellerprinzip ebenfalls ab. „Der Käufer wird nicht entlastet, sondern belastet und er erhält keine Beratungsleistung mehr. Das kann nicht im Sinne des Verbraucherschutzes sein“, kommentiert IVD-Chef Jürgen-Michael Schick.

Die Dienstleistung des Maklers sei seit jeher geprägt von seinem Selbstverständnis, unabhängiger Mittler zwischen Käufer und Verkäufer zu sein. In nahezu allen Fällen erreiche der Makler für den Käufer auch einen Preisnachnachlass, sagt Schick. Mit dem Bestellerprinzip könnten Makler künftig aber nicht mehr für beide Seiten tätig sein.

Die Schätzungen, denen zufolge den Maklern zehn Prozent ihrer Aufträge wegbrechen könnten, kann Schick nicht nachvollziehen. Ihnen lägen keine ihm bekannte belastbare Untersuchung zugrunde. Schick rechnet bei einer Einführung des Bestellerprinzips nicht mit einbrechenden Aufträgen.

Auch Kai Enders, Vorstandsmitglied des Maklerhauses Engel & Völkers, kann dem Bestellerprinzip nichts abgewinnen. Wenn schon etwas an der gängigen Praxis geändert werden müsse, dann schlägt er vor, die Kosten zu teilen. „Die aktuelle Debatte bietet die Chance, zu einer breit akzeptierten und bundesweit einheitlichen Regelung der Kostenteilung zu kommen“, sagt Enders.

Geht es nach Justizministerin Barley, soll das Bestellerprinzip Wohnraum erschwinglicher machen. Da Erwerbsnebenkosten wie die Maklercourtage nicht in die Finanzierung der Immobilie eingebracht werden können, müssen sie aus dem Eigenkapital gezahlt werden.

Selbst wenn sich Käufer und Verkäufer die Courtage bei einer 500.000 Euro teuren Immobilie zu jeweils 3,57 Prozent teilen, zahlen Käufer noch 18.750 Euro. Weil der Betrag beim Eigenkapital fehlt, das in die Finanzierung der Bank eingebracht wird, fordern Banken in der Regel höhere Zinsen. Die Finanzierungskosten steigen.

Auch der Koalitionspartner kritisiert den Entwurf von Barley. „Dass die Justizministerin den Referentenwurf der Presse zuspielt, bevor sie mit dem Koalitionspartner spricht, ist unkollegial und erschwert die gemeinsame Arbeitsgrundlage“, sagte der Mietrechtsexperte und stellvertretende rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jan-Marco Luczak, dem Handelsblatt.

„Ich bezweifele, dass wir mit diesem Gesetzentwurf unserem gemeinsamen Ziel näherkommen, die Kaufnebenkosten zu senken. Bei der Grunderwerbssteuer anzusetzen ist der Königsweg, um mehr Familien in die eigenen vier Wände zu bringen. Hier kommt leider nichts vom Finanzminister.“ Vor allem in Ballungsgebieten bestehe die Gefahr, dass der Verkäufer die Provisionskosten auf den Kaufpreis aufschlage. „Damit werden die gesamten Nebenkosten, die von der Höhe des Kaufpreises abhängen, höher.“ Schließlich steige mit dem Kaufpreis auch die fällige Grunderwerbsteuer, die ebenfalls nicht von Banken finanziert wird.

Barleys Entwurf hält für dieses Argument eine Antwort parat: Die Bundesregierung prüfe entsprechend dem Koalitionsvertrag einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer beim erstmaligen Erwerb von Wohngrundstücken für Familien.

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4 Kommentare zu "Immobilienverkauf: Makler kritisieren Barleys Bestellerprinzip – Ministerin kontert mit Steuerfreibetrag"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein Makler hat in den meisten Gebieten, in denen eine hohe Nachfrage besteht für den Käufer absolut keinen Mehrwert. Er agiert lediglich als Hilfe für den Verkäufer, da er ihm den administrativen Aufwand abnimmt. Das wäre ein Argument für das Bestellerprinzip. Allerdings würde diese Gebühr ohnehin auf den Kaufpreis aufgeschlagen.

    Was ich mich vielmehr frage - warum reformiert nicht die Nebenkosten im Allgemeinen? Warum arbeitet man nicht mit absoluten Obergrenzen? Wie kann es sein, dass Notare, Makler und nicht zuletzt der Staat von der Wohnungsnot profitieren, indem sie durch prozentuale Zuschläge auf den Kaufpreis jährlich mehr und mehr abkassieren können? Warum ist eine Besichtigung/Unterschrift für eine Immobilie mit einem Kaufpreis von 500 k EUR teurer oder aufwendiger als für eine mit einem Kaufpreis von 300 k EUR? Persönlich muss ich zugeben, was mich in einer Stadt wie Hamburg vom Kaufen abhält sind die immensen Nebenkosten, die bei den aktuellen Kaufpreisen sämtliches Eigenkapital auffressen würden. Das wäre doch mal ein Ansatzpunkt für die Politik, die ja so gerne über Obergrenzen diskutiert. Obergrenzen für Kaufnebenkosten. Für was sollte ein Makler bitte 40 k EUR bekommen? Mit welcher Begründung? Ein Notar ebenso. Das ist doch absurd. Derart viele Parteien profitieren von den horrenden Preisen und es wird nichts getan.

  • In einigen Gebieten in denen sich die Verkäufer/ Makler heute innerhalb kurzer Zeit einen Käufer aussuchen können, kann man den Preis für den Makler leider nicht mehr einfach so abziehen, ohne dass man außen vor bleibt. Ich frage mich nach dem Mehrwert durch einen Makler, außer der Sammlung von Daten und Bildern sowie deren Einstellen und das Management der Besichtigungen.
    Wären Makler aktive Berater von Käufern und Verkäufern würden diese auch ggf. nicht genehmigte Aus- und Anbauten offen darlegen, was heute selten der Fall ist, wenn man bspw. Objekte in Köln besichtigt. Und wenn der Verkäufer eine Maklerleistung in Anspruch nehmen möchte, finde ich das Bestellerprinzip auch gerechtfertigt.

  • Ich bin zwar inzwischen 84 Jahre alt geworden, aber ich habe das hier angesprochene Problem (wenn es denn tatsächlich eines sein sollte) noch nie begriffen. Wenn ich eine Immobilie kaufte, habe ich entweder keine Makler-Courtage bezahlt oder sie vom Preis abgezogen. Und wenn ich sie dann wieder verkaufte, tat ich das in der Regel über einen Makler oder ein Immobilien-Büro, das ich dafür auch honorierte - schließlich hatte ich weder die nötige Zeit noch das Fachwissen.
    Vielleicht können Sie bei Gelegenheit in einem Artikel die inzwischen ja über Jahre laufende Erregung auch naiveren Menschen wie mir begreiflich machen? Im Voraus vielen Dank ...

  • Ich bin zwar inzwischen 84 Jahre alt geworden, aber ich habe das hier angesprochene Problem (wenn es denn tatsächlich eines sein sollte) noch nie begriffen. Wenn ich eine Immobilie kaufte, habe ich entweder keine Makler-Courtage bezahlt oder sie vom Preis abgezogen. Und wenn ich sie dann wieder verkaufte, tat ich das in der Regel über einen Makler oder ein Immobilien-Büro, das ich dafür auch honorierte - schließlich hatte ich weder die nötige Zeit noch das Fachwissen.
    Vielleicht können Sie bei Gelegenheit in einem Artikel die inzwischen ja über Jahre laufende Erregung auch naiveren Menschen wie mir begreiflich machen? Im Voraus vielen Dank ...