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Innovation und Wirtschaftlichkeit Börsennotierte Unternehmen profitieren deutlich von Mitbestimmung

Eine Studie zeigt: Unternehmen mit starker Arbeitnehmerpräsenz im Aufsichtsrat stehen wirtschaftlich oft besser da als die Konkurrenten ohne.
07.04.2020 - 17:47 Uhr Kommentieren
Die Einbeziehung von Mitarbeitern in Unternehmensentscheidung wirkt sich positiv auf den wirtschaftlichen Ertrag aus. Quelle: E+/Getty Images
Mitarbeit und Mitbestimmung

Die Einbeziehung von Mitarbeitern in Unternehmensentscheidung wirkt sich positiv auf den wirtschaftlichen Ertrag aus.

(Foto: E+/Getty Images)

Berlin Die Mitbestimmung ist „ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, sagte einst Kanzlerin Angela Merkel. Besonders in Krisenzeiten, sei sie „das wesentliche Fundament der sozialen Marktwirtschaft“, ergänzt Birgit Steinborn, Gesamtbetriebsratschefin und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens. „Gerade jetzt, wo wir vor massiven und so noch nicht dagewesenen Herausforderungen stehen, werden wir uns mit allen Mitteln der Mitbestimmung für die Gesundheit und die Arbeitsplätze für die Mitarbeiter einsetzen“, sagte Steinborn dem Handelsblatt.

Arbeitgeber und Betriebsräte, Management und Aufseher versuchen derzeit alles, um dauerhafte wirtschaftliche Schäden durch die Corona-Pandemie abzuwenden. Bei Siemens etwa mit Kurzarbeit, Solidarzuschüssen und einem Beschäftigungsabkommen, das betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

Der Wert der Mitbestimmung zeigt sich aber auch außerhalb von Krisenzeiten. So schneiden börsennotierte Unternehmen mit starker Arbeitnehmerpräsenz im Aufsichtsrat wirtschaftlich oft besser ab als Firmen ohne ausgeprägte Mitbestimmung. Und sie verfolgen häufiger eine Firmenstrategie, bei der nicht zuvorderst niedrige Preise den Wettbewerbsvorteil bringen, sondern innovative und forschungsgetriebene Produkte und Dienstleistungen.

Fokus liegt auf den Kosten

Dies zeigt eine Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (IMU) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und der Universität Duisburg-Essen. In die Untersuchung, die dem Handelsblatt vorliegt, haben die Forscher 172 Unternehmen einbezogen, die zwischen 2006 und 2017 im Börsenindex Composite Dax (CDax) gelistet waren.

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Standort erkennen

    Dabei wurden die Firmen nach dem Grad der Mitbestimmung unterschieden, der sich an sechs Kriterien wie beispielsweise der Zusammensetzung und internen Struktur des Aufsichtsrats bemisst. Außerdem haben die Forscher analysiert, welcher Strategie ein Unternehmen folgt.

    Setzt es als „Kostenführer“ auf möglichst geringe Verkaufspreise? Oder versucht es, sich mit speziellen Produktmerkmalen oder Dienstleistungen von den Wettbewerbern abzusetzen – etwa mit hoher Qualität, einem besonderen Design oder außergewöhnlich gutem Service? Diese „Differenzierungsstrategie“ geht meist mit höheren Investitionen in Forschung und Entwicklung und einer tendenziell höheren Qualifikation der Mitarbeiter einher.

    Wenig überraschend für das Hochlohnland Deutschland zeigt sich, dass der Anteil der Unternehmen, die vor allem auf möglichst niedrige Kosten setzen, im Untersuchungszeitraum von 24 auf 15 Prozent zurückgegangen ist. Im Gegenzug hat sich der Anteil von Firmen mit Differenzierungsstrategie von 16 auf 26 Prozent erhöht. Die übrigen Unternehmen folgen einer Misch- oder keiner dominanten Strategie.

    Operativer Gewinn liegt höher

    Dabei sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Firma allein auf Kostenführerschaft setzt, mit dem Grad der Mitbestimmung. Die Autoren führen das auch darauf zurück, dass starke Arbeitnehmervertretungen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für Geschäftsmodelle einsetzen, bei denen hohe Technologieintensität und Innovationen im Vordergrund stehen. Denn beides lasse sich nur mit „gut ausgebildeten und damit in der Regel höher entlohnten Beschäftigten“ erreichen, heißt es in der Studie.

    Das oft von Kritikern vorgebrachte Argument, dass eine starke Mitbestimmung die Unternehmensentwicklung einschränke, damit die Anteilseigner schädige und folglich einen Standortnachteil darstelle, wollen die Autoren für die untersuchten Unternehmen nicht gelten lassen. So fällt die Gesamtkapitalrentabilität – also der Gewinn als Prozentsatz der Bilanzsumme – bei Firmen mit überdurchschnittlicher Mitbestimmung im Schnitt um rund 65 Prozent höher aus als bei Unternehmen mit schwacher oder ganz ohne Mitbestimmung.

    Der operative Gewinn (Ebit-Marge) liegt bei stärker mitbestimmten Unternehmen im Mittel um knapp elf Prozent höher. Der besonders für Anteilseigner relevante Gewinn nach Steuern plus Abschreibungen pro Aktie ist sogar mehr als dreimal so hoch wie in Firmen mit wenig Mitbestimmung. Mitbestimmung sei nicht nur ein Garant für Standort- und Beschäftigungssicherheit, sondern darüber hinaus auch „ein Faktor für wirtschaftliche Stabilität und Prosperität – nicht nur in Krisenzeiten“, schreiben die Autoren.

    Mehr: Mitbestimmung sorgt laut Studie für mehr Investitionen.

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