Institut für Arbeitsmarktforschung Experten stellen Nahles' Rentenpläne infrage

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, kommt zu dem Ergebnis: Weit mehr Menschen als erwartet werden Anspruch auf die abschlagfreie Rente mit 63 haben.
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Stolz auf ihre Rentenpaket: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Quelle: dpa

Stolz auf ihre Rentenpaket: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles.

(Foto: dpa)

Die Kritik aus der Wirtschaft und vom Koalitionspartner CDU an den Rentenplänen von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erhält neue Nahrung. Nun durch eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, die dem Handelsblatt (Freitagausgabe) vorliegt. Das IAB hat bei einem Abgleich der Leistungsdaten der Arbeitsämter festgestellt, dass weit mehr Menschen Anspruch auf die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren haben werden als bisher erwartet.

Grund ist die Absicht von Nahles, bei den 45 Beitragsjahren, die Voraussetzung für die neue Rentenleistung sind, auch Bezugszeiten von Arbeitslosengeld und vergleichbaren Entgeltersatzleistungen in unbegrenzter Höhe anzuerkennen. Die SPD-Politikerin hat sich damit über eine Absprache bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union hinweggesetzt, maximal fünf Jahre Arbeitslosigkeit zu berücksichtigen. Nun ergibt die Untersuchung des IAB, dass allein in den alten Bundesländern mehr als 65.000 Versicherte, für die die neue Rentenleistung wahrscheinlich infrage kommt, zum Teil auf deutlich mehr als fünf Jahre Arbeitslosengeldbezug kommen. Die längste Bezugsdauer liege bei 4.433 Tagen, das sind gut zwölf Jahre, schreibt das IAB.

In der Union sorgt dies für Unmut. „Wenn zwölf Jahre Arbeitslosigkeit anerkannt werden, wird die ganze Idee der Rente mit 63 ad absurdum geführt. Wir wollten doch Menschen einen früheren Ausstieg ohne finanzielle Einbußen ermöglichen, die 45 Jahre geschuftet haben “, sagte Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung der CDU, dem Handelsblatt. Die Daten der IAB belegten klar, „wie richtig es war, uns bei den Koalitionsverhandlungen darauf zu verständigen, Zeiten der Arbeitslosigkeit maximal bis zu fünf Jahre anzuerkennen.“

Gleichwohl zeigt der Wirtschaftsflügel der Union Verständnis für das Ansinnen der SPD, durch die Anerkennung von Zeiten der Arbeitslosigkeit auch dafür zu sorgen, dass Opfer des Strukturwandels in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung früher abschlagsfrei in Rente gehen sollen. In Ostdeutschland ist der Anteil älterer Arbeitnehmer mit mehrfach unterbrochenen Erwerbsbiografien besonders hoch.

Altkanzler Schröder kritisiert Rentenpaket

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20 Kommentare zu "Institut für Arbeitsmarktforschung: Experten stellen Nahles' Rentenpläne infrage"

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  • Die Banken sind nur ein kleiner Teil der Arbeitgeber!!!

  • Die aktuellen Pressemeldungen sind an Verlogenheit nicht mehr zu überbieten: auf der einen Seite trennen sich die Arbeitgeber leichten Herzens von älteren (teuren) Mitarbeitern und man übergibt sie der Obhut der Allgemeinheit. Wenn es aber auf der anderen Seite um die Finanzierung geht, bricht großes Geschrei aus. Altkanzler und nun Großverdiener Schröder, der als konservatives Kuckucksei in der SPD einer Vielzahl von Menschen erhebliche persönliche Nachteile eingebrockt hat, sollte sich ganz aus der Diskussion heraus halten.

  • Selbst bei 63 Jahren, was nur wenige betrifft, liegt das deutsche Niveau höher als in den Südländern. Noch Fragen??? Muss die Welt am deutschen Wesen genesen? Oder sollten wir uns die Südländer zum Vorbild machen? Vergessen Sie nicht: Der Mensch lebt nur einmal, und es gibt in diesem Leben mehr als nur Arbeit. Andere Nationen lachen über die deutschen Malocher und Zahler! Das kann es nicht sein.

  • Die Medien sind staatsverlogen. Die Journalisten sind nicht mehr in der Lage, die Nachrichten so aufzubereiten, dass sie auch den Argumenten der Bürger folgen. Und anstatt dass die Politiker bürgernah arbeiten, labern viele von ihnen in den unnützen Talkshows. Da drückt man immer öfter den roten "Ausknopf"!

  • Gestern im ZDF beim heute-journal.

    Klaus Kleber startet lautstark mit: "160 Milliarden ist das Geschenk, das die Grosse Koalition", dann merklich leiser "bis zum Jahr 2030" an die ......

    Also 10 Mrd. pro Jahr und da sind die Kosten für die Mütterrente schon mit eingerechnet.

    Man merkt schon, wie Stimmung gemacht wird.

    Eine Aufklärung über unsere Bürgschaften und Verpflichtungen, die von Jahr zu Jahr grösser werden um den € zu retten und die in die Billionen gehen, die gibt es nicht.

    Diese Aufklärung kann von den ÖR nicht geleistet werden, da sie selbst keine Fachleute haben und kritische Experten nicht mehr eingeladen werden (dürfen).


  • @ DEUFRA2011,
    da die Arbeitgeber den Erhalt oder Wegfall der Arbeitsplätze ab ehesten bestimmen können, wäre es logisch eine "Versicherung gegen Arbeitslosígkeit" von den AG alleine bezahlen zahlen zu lassen.
    Nachgewiesene Faulheit & Co führt aber zum Verlust der Inanspruchnahme.

  • Was soll eigentlich immer das Geschrei, dass die nächste Generation nun belastet wird.
    Narürlich wird sie belastet, das ist beim Generationen-Vertrag nun einmal so. Die müssen später die Rente derjenigen zahlen, die heute die Rente der heutigen Rentner zahlt.

    Meine Nachbarin hat 15 Jahre eingezahlt. Wenn es viel war, dann waren es ca. 10.000 DM. Noch mal das Gleiche vom Arbeitgeber wären also ca. 10.000 Euro zusammen. Sie erhält heute eine kleine Rente von 500 Euro pro Monat. Also innerhalb von knapp 2 Jahren das was eingezahlt wurde wieder zurück. Sie erhält diese Rente inzwischen seit 23 Jahren.
    Warum zum Teufel soll es nun für die nächste Generation besser werden als es für die jetzige ist???

  • @Besorgter_Familienvater
    Wie können WIR ALLE diese Pläne noch stoppen?

    Haben Sie sich das bei der Bankenrettungsorgie und dem Euroirrsinn auch gefragt? Denn hier wird den nachfolgenden Generationen weitaus mehr zugemutet als die Belastungen der aktuell diskutierten Rentenreform. Sich über ein Schnapsglas Wasser aufregen während daneben der volle 10 l Eimer steht und ich befürchte dieses Gleichnis geht immer noch deutlich zu Gunsten der Bankenrettung aus.

  • Ich glaube, die Rentenpolitik hat der Großteil der Wähler NICHT gewählt. Und selbst viele Profiteure dieser unverantwortlichen Pläne schütteln mit dem Kopf angesichts der zukünftigen Belastungen...Die entscheidende Frage ist jetzt: Wie können WIR ALLE diese Pläne noch stoppen?

  • Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat so viel Pinke-pinke, wer hat so viel Geld?
    Die junge Generation zahlt die Zeche, bestellt hat´s die große Koalition unter Angela Merkel, Geld kommt von den Rentenversicherungsbeitragszahlern (Arbeitnehmer und Arbeitgeber) – in der Hoffnung, dass der Arbeitgeberanteil nicht gedeckelt wird – und wenn das nicht reicht müssen Schulden aufgenommen werden.
    Wie wollen wir das den südlichen Ländern vermitteln? Wo wir doch darauf gedrängt haben, dass die südlichen Länder die Rentenaltersgrenzen deutlich anheben müssen.

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