Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Interview Achim Steiner: „Der Green Deal ist das, was die Menschen in Europa erwarten“

Der Leiter des UN-Entwicklungsprogramms warnt im Interview vor den Folgen des Klimawandels. Der Green Deal der EU könne hier eine große Signalwirkung erzeugen.
13.12.2019 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Der Leiter des UN-Entwicklungsprogramms begrüßt die Klimapläne der Europäischen Kommission. Quelle: Photothek/Getty Images
Achim Steiner

Der Leiter des UN-Entwicklungsprogramms begrüßt die Klimapläne der Europäischen Kommission.

(Foto: Photothek/Getty Images)

Madrid Der Leiter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, Achim Steiner, hat die Weltgemeinschaft zu mehr Engagement im Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. „Wir investieren in die nächste Generation unserer Volkswirtschaft und das erfordert Weitsicht, mitunter Mut und auch Schnelligkeit“, sagte Steiner auf der Weltklimakonferenz in Madrid dem Handelsblatt. „Das Nichthandeln ist inzwischen zum größten Risiko für unsere Volkswirtschaften geworden.“

Die Welt stehe vor einer epochalen Aufgabe: „nämlich die Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert neu zu erfinden“. Dafür gebe es keine Vorbilder. „Trotzdem müssen wir es in den nächsten 30 Jahren schaffen, von den fossilen Brennstoffen wegzukommen.“

Steiner äußerte sich besorgt, dass die Anstrengungen nicht reichen könnten: „Das Zeitfenster schließt sich“, sagte er. Das werde dramatische Konsequenzen haben, auch für die Industrieländer.

Die Wirtschaft forderte er auf, den Klimawandel stärker als Wachstumsgeschichte zu begreifen. „Die Schaffung nachhaltiger Volkswirtschaften ist eine große Triebfeder für Wirtschaftswachstum, neue Arbeitsplätze, größere Effizienz - und auch Wohlstand“, so Steiner. Deutschland habe enorme Chancen, seine Vorreiterrolle wieder unter Beweis zu stellen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Derzeit ringen in Madrid mehr als 190 Staaten um mehr Klimaschutz. Die in diesem Jahr sehr technischen Verhandlungen um letzte Regeln des Pariser Klimaabkommens verlaufen schleppend.

    Das komplette Interview lesen Sie hier:

    Herr Steiner, es geht schleppend voran auf der Klimakonferenz in Madrid. Woran liegt das?
    Diese Klimakonferenzen sind immer ein Versuch, mit mehr als 190 Ländern und teils sehr unterschiedlichen Interessen einen Berg zu erklimmen. Das macht es mitunter sehr schwerfällig. Doch wir haben eine enorme, eine epochale Aufgabe vor uns, nämlich die Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert neu zu erfinden. Dafür gibt es keine Vorbilder. Trotzdem müssen wir es in den nächsten 30 Jahren schaffen, von den fossilen Brennstoffen wegzukommen.

    Sie sagen, ein schwieriger Verhandlungsprozess ist kein gescheiterter. Aber wurde die Aufgabe wenigstens in ihrer Dimension begriffen?
    Zunehmend ja, doch das Zeitfenster schließt sich. Und das wird dramatische Konsequenzen haben, übrigens nicht nur für Menschen in Afrika oder in heute schon extrem vom Klimawandel bedrohten Inselstaaten, sondern auch für Industrieländer.

    Also auch für Deutschland.
    Natürlich. Trockenheiten, Dürren, Überschwemmungen – all das wird intensiver werden, weltweit, mit direkten und indirekten Auswirkungen auch für uns in Deutschland. Der Klimawandel hat zudem nicht nur ökologische Konsequenzen. Ganze Volkswirtschaften sind bedroht, wenn nicht effektiver gegengesteuert wird.

    Sie plädieren also nicht für mehr Gelassenheit? Die Technologie wird es schon richten?
    Auf keinen Fall. Es ist nicht leicht umzusteuern, aber es führt kein Weg daran vorbei, schnell zu handeln. Die Bilder der letzten Jahre aus Thailand oder Pakistan, wo bereits riesige Landesteile überschwemmt wurden und ganze Lieferketten für die Automobilindustrie weltweit unterbrochen waren, sind ja keine Science-Fiction. Es sind Warnzeichen, die wir nicht übersehen sollten. Auch sicherheitspolitisch wirkt sich der Klimawandel übrigens aus: etwa in Form größerer Flüchtlingsströme.

    Gestern hat Brüssel den Green Deal vorgestellt. Wie sehen Sie den?
    Ich begrüße es, dass eine Europäische Kommission im Jahr 2019 ihr Amt antritt und sich mit einem Green Deal vorstellt. Das allein hat Signalwirkung, auch hier auf der Klimakonferenz in Madrid. Vor allem ist es ein Ausdruck, dass die Demokratie in Europa denn doch funktioniert. Der Green Deal ist Ausdruck dessen, was die Menschen in Europa erwarten. Das wäre vor vier oder acht Jahren noch schwer vorstellbar gewesen.

    Die Unternehmen haben nicht gerade positiv auf das Paket reagiert.
    Nun ja, es sind vor allem einige Wirtschaftsverbände, die sich skeptisch geäußert haben. Meine Hoffnung ist, dass die Unternehmen es anders sehen und sich nicht hinter dieser Skepsis und Zurückhaltung verstecken.

    Fehlt die Positivgeschichte, die ja auch mit dem Klimawandel verbunden ist?
    Unbedingt. Lord Nicholas Stern, einer der führenden Ökonomen weltweit, hat erst kürzlich einen sehr einprägsamen Satz gesagt: Die Wachstumsgeschichte des 21. Jahrhunderts wird der Klimawandel sein. Die Schaffung nachhaltiger Volkswirtschaften ist eine große Triebfeder für Wirtschaftswachstum, neue Arbeitsplätze, größere Effizienz – und auch Wohlstand. Deutschland hat enorme Chancen, seine Vorreiterrolle wieder unter Beweis zu stellen.

    Und stellt doch nur ein mutloses Klimapaket vor?
    Lassen Sie es mich so sagen: Wir leben in einer Zeit, in der mehr Mut letztlich vielversprechender ist. Nun ist es leicht, das aus der Ferne zu kommentieren. Aber ich finde, man hat ein politisch machbares Paket entwickelt, was ein großer Fortschritt ist. Doch die öffentliche Diskussion zeigt auch, dass die Bereitschaft zu konsequenterem Handeln wächst.

    Es werden offenbar so gut wie immer nur die Risiken gesehen...
    Ja, aber das ist verfehlt. Deutschland hat mit seiner Energiewende doch alle Thesen widerlegt, die seit 25 Jahren immer wieder auf den Tisch kommen. Erst hieß es, wir haben nicht die Technologie, dann, dass sie teuer ist, gefolgt von Thesen, dass uns die Lichter aus- und die Arbeitsplätze verloren gehen. Alles nicht eingetreten. Wenn Unternehmen diese Trends nicht erkennen, dann werden sie sich sehr schnell in einer Defensivsituation befinden. Die deutsche Automobilindustrie ist mitunter auch ein Beispiel dafür, dass sich Unternehmen zu sehr mit dem Status quo zufriedengeben, weil es ihnen sehr gut geht, weil sie dort dominante Player sind. Dann geht vielleicht der Blick für das verloren, was morgen kommt. Wie kann es sein, dass Deutschland, wo über Jahrzehnte der Fortschritt der Mobilität geprägt wurde, bei Elektromobilität nicht mehr führend ist? Dabei gibt es doch gute Beispiele, die Windenergie zum Beispiel.

    Die aber abgewürgt wird...
    Das sind Reflexe, die man vielleicht politisch erklären kann, die aber nicht vernünftig sind und vor allem nicht zukunftsorientiert sind. Man kann sich immer darüber streiten, ob man schneller vorangehen kann. Klar ist aber, wir investieren in die nächste Generation unserer Volkswirtschaft, und das erfordert Weitsicht, mitunter Mut und auch Schnelligkeit. Das Nichthandeln ist inzwischen zum größten Risiko für unsere Volkswirtschaften geworden.

    Herr Steiner, vielen Dank für das Interview.

    EU will 2050 klimaneutral sein – Polen hinkt hinterher

    Mehr: Von der Leyens Pläne zum Green Deal sind da: Insbesondere die Bereiche Energie und Verkehr sollen umgebaut werden. Doch die Finanzierung ist nicht geklärt.

    Startseite
    Mehr zu: Interview - Achim Steiner: „Der Green Deal ist das, was die Menschen in Europa erwarten“
    1 Kommentar zu "Interview: Achim Steiner: „Der Green Deal ist das, was die Menschen in Europa erwarten“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Und die Klimahysterie geht weiter - Fortsetzung 245.
      Immer noch kein Hinweis, wie den die sog. wissenschaftlichen Erkenntnisse zustande kommen - ob tatsächlich gemessen wird oder wieder nur Modellrechnungen "ausreichen", die das komplexe und chaotische System des Weltklimas in keinster Weise abzubilden vermögen.
      Mit den "angedrohten" Flüchen Trockenheit, Überschwemmungen und Dürren werden wir in Deutschland oder Europa sicher und ohne größere Probleme fertig.
      Das Problem der paar tausend Insulaner, die leider Gottes unter dem ständigen Klimawandel ihre Heimat verlieren, finden wir sicher eine gute Lösung.
      Nun noch etwas zum Besten gegeben: "Deutschland hat beste Chancen seine Vorreiterrolle wieder unter Beweis zu stellen" - bisher war die Vorreiterrolle bei den Themen Atomausstieg und Energiewende einfach nur teuer.

      Natürlich wird die deutsche Wirtschaft und auch die Verbraucher erfolgreich auf den Klimawandel reagieren, aber nicht mit planwirtschaftlicher Steuer von Politikern, deren fachliche Kompetenz sehr häufig in Frage gestellt werden muss.

      Wir machen das schon, aber die Politik sollte uns nicht die Technologien vorschreiben.

      Schönes Wochenende

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%