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Interview Bofinger zum Brexit: „Gesundes Bein amputieren, weil man glaubt, mit Prothese schneller laufen zu können“

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger empfiehlt der EU, keine Zugeständnisse an die Briten zu machen – und den Briten, den Brexit abzusagen.
1 Kommentar
Der Wirtschaftsweise spricht sich für ein neues Brexit-Referendum aus. Quelle: SVR
Peter Bofinger

Der Wirtschaftsweise spricht sich für ein neues Brexit-Referendum aus.

(Foto: SVR)

BerlinDas britische Brexit-Chaos betrachtet auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger mit Sorge. Bei einem Besuch im Berliner Handelsblatt-Büro vergleicht er den Austritt mit der Entscheidung eines gesunden Menschen, sich ein Bein amputieren zu lassen, weil er glaubt, mit Prothese schneller laufen zu können.

Deshalb hält Bofinger ein neues Referendum für sinnvoll, bezweifelt aber, dass es dazu kommen wird: „Wenn man sich die Ereignisse in Großbritannien anschaut, hat man das Gefühl, die fahren auf einen Abgrund zu und lassen sich nicht aufhalten.“

Zudem hätten die Briten ihre Verhandlungsposition falsch eingeschätzt. Die Folgen eines harten Brexits wären für die britische Wirtschaft nach Ansicht des Wirtschaftsweisen gravierender als für die europäische.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Herr Bofinger, die Briten können sich beim Brexit offenbar auf nichts mehr einigen. Wie sollte die EU mit der Lage umgehen?
Die EU sollte an der Linie festhalten, die sie bisher verfolgt hat, und Großbritannien keine weiteren Zugeständnisse machen. Wenn die EU jetzt nachgibt, dann besteht die Gefahr eines Präzedenzfalls.

Dann liefe es also auf einen harten Brexit hinaus?
Der Brexit ist das Problem von Großbritannien. Die Briten wissen seit zweieinhalb Jahren, was kommt. Offensichtlich haben sie ihre Verhandlungsposition völlig falsch eingeschätzt, denn de facto haben sie gar keine. Der Brexit ist doch vergleichbar damit zu entscheiden, sich ein gesundes Bein zu amputieren, weil man glaubt, mit einer Prothese schneller laufen zu können. Und anstatt im Angesicht der Knochensäge zu sagen: Wir stoppen das jetzt, machen sie einfach weiter.

Sind die Sorgen der Europäer über einen harten Brexit berechtigt?
Es ist so, als würden zwei Autos mit Schwung ineinanderfahren. Der Vorteil Europas ist, dass sie das größere Gefährt haben und deshalb der Schaden für die Briten größer ist. Aber ein Schaden ist es für beide.

Könnte ein harter Brexit für Europa angesichts des ohnehin schwächeren Wachstums das Abrutschen in die Rezession bedeuten?
So groß ist das Gewicht des Handels mit Großbritannien nun auch wieder nicht. Man wird selbst im Worst Case wieder Möglichkeiten finden, die Wirtschaftsbeziehungen irgendwie am Leben zu halten. Dass es ein großer Schock wie die Lehman-Pleite wird, das glaube ich nicht.

Was wäre eine realistische Lösung?
Die beste Lösung wäre, dass man jetzt ein zweites Referendum macht, um dann die Amputation nicht vollziehen zu müssen.

Und was wäre realistisch?
Das weiß momentan niemand. Wenn man sich die Ereignisse in Großbritannien anschaut, hat man das Gefühl, die fahren auf einen Abgrund zu und lassen sich nicht aufhalten.

Ihre Ifo-Kollegen sagen, die Briten sollten wie Norwegen der Freihandelszone Efta beitreten. Wäre das eine mögliche Lösung?
Das beste für die Wirtschaft wäre, alles zu lassen, wie es ist. Die Briten hätten nur eben kein Mitspracherecht mehr. Das ist im Grunde auch der Brexit-Deal, genauso wie das Norwegen-Modell. Ich kann sogar verstehen, dass Brexiteers das nicht überzeugt. Dafür hat sich der ganze Aufwand natürlich nicht gelohnt.

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Wenn man doch merkt, dass die Brexit-Entscheidung so viele Nachteile hat, wäre es doch am besten, sie zu korrigieren. Demokratische Entscheidungen sind doch nicht für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt.

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1 Kommentar zu "Interview: Bofinger zum Brexit: „Gesundes Bein amputieren, weil man glaubt, mit Prothese schneller laufen zu können“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nachdem sich die Teresa den Mund fusselig geredet hat, glaube ich nicht dass der Weise
    Bofinger Gehoer findet.

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