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Interview Chef der Wirtschaftsweisen Feld: „Das Lockdown-Konzept schützt die Wirtschaft in Deutschland“

Bund und Länder sollten am Konzept „Weiterarbeiten, aber in der Freizeit Kontakte begrenzen“ festhalten, sagt der Spitzenökonom. Mit zusätzlichen Steuern sollten sie vorsichtig sein.
23.11.2020 - 12:36 Uhr Kommentieren
„Mit zusätzlichen Steuern und Abgaben wäre ich jetzt sehr vorsichtig.“ Quelle: dpa
Lars Feld

„Mit zusätzlichen Steuern und Abgaben wäre ich jetzt sehr vorsichtig.“

(Foto: dpa)

Berlin Ein Teil-Lockdown bis kurz vor Weihnachten anstatt bis Ende November wird wahrscheinlicher. Darauf hat sich die Wirtschaft bereits eingestellt, und auch die Wirtschaftsweisen haben in ihrem Jahresgutachten von Anfang November schon fest damit gerechnet.  

„Der Sachverständigenrat hat in seiner Prognose bereits den Lockdown light vom November berücksichtigt und zudem angenommen, dass sich Einschränkungen über den Winter hinziehen werden“, sagte der Chef der Wirtschaftsweisen Lars Feld dem Handelsblatt. Deshalb sei der Rat mit der Erwartung, dass die Wirtschaft 2021 nur um 3,7 Prozent wächst, pessimistischer als die meisten anderen Prognosen, die mit einem Wachstum deutlich über vier Prozent rechnen.

Natürlich bleibt eine hohe Unsicherheit: Wenn die Länder jetzt tatsächlich längere Betriebsferien anordneten, dann käme es wieder zu einem stärkeren Rückgang des Wachstums.

„Mein Eindruck ist aber, dass Bund und Länder an ihrem Grundansatz festhalten: weiterarbeiten, aber in der Freizeit die Kontakte einschränken. Das ist ein starker Schutz für die deutsche Wirtschaft, wie sich jetzt im November zeigt, etwa bei Unternehmensumfragen wie dem Einkaufsmanagerindex.“

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    Diese Unternehmensumfrage des IHS-Markit-Instituts zeigt, dass in Deutschland die Industrie Konjunkturmotor bleibt und die Auswirkungen des November-Lockdowns in Deutschland auf die Wirtschaft sehr viel geringer sind als im Frühjahr. Sie sind auch erheblich geringer als in den europäischen Nachbarländern: Für die Euro-Zone verzeichnet der Einkaufsmanagerindex einen starken Rückgang des Bruttoinlandsprodukts.

    In Deutschland sank dieser Index zwar auf ein Fünf-Monats-Tief, lag aber noch deutlich höher als im Frühjahr. Dabei zeigt sich die Konjunktur gespalten: Während die Dienstleister weniger Auftragseingänge erhielten, wies die Industrie ein Plus auf.

    Und: Die Aussicht auf einen Impfstoff ließ die Hoffnung, dass sich die Geschäfte in den nächsten zwölf Monaten verbessern, auf den höchsten Stand seit März 2018 steigen.

    Lesen Sie hier das ganze Interview mit Lars Feld:

    Was bedeutet die absehbare Verlängerung des Lockdowns über den Winter für die Wirtschaft?

    Der Sachverständigenrat hat in seiner Prognose bereits den Lockdown light vom November berücksichtigt und zudem angenommen, dass sich Einschränkungen über den Winter hinziehen werden. Deshalb sind wir ja mit unserer Erwartung, dass die Wirtschaft 2021 nur um 3,7 Prozent wächst, pessimistischer als die meisten anderen Prognosen.

    Es ist aber noch unklar, ob die Kontaktbeschränkungen verschärft werden. Wäre dann der Einbruch nicht stärker?
    Natürlich bleibt eine hohe Unsicherheit: Wenn die Länder jetzt tatsächlich längere Betriebsferien anordnen würden, dann käme es wieder zu einem stärkeren Rückgang des Wachstums. Mein Eindruck ist aber, dass Bund und Länder an ihrem Grundansatz festhalten: weiterarbeiten, aber in der Freizeit die Kontakte einschränken. Das ist ein starker Schutz für die deutsche Wirtschaft, wie sich jetzt im November zeigt, etwa bei Unternehmensumfragen wie dem Einkaufsmanagerindex.

    Worauf sollten die Regierenden unbedingt verzichten?
    Wichtig sind vor allem die Schulen: Sobald die geschlossen wären, gäbe es einen stärkeren Rückgang, weil viele Eltern dann ihre Arbeitszeit einschränken müssten.

    Ist es richtig, Unternehmen, die schließen müssen, zu entschädigen?
    Die Kompensation für Umsatzausfälle ist aus rechtlichen Gründen wohl notwendig, solange einzelne Branchen geschlossen werden. Bei einem flächendeckenden Lockdown wäre das wohl nicht nötig. Aus wirtschaftlichen Gründen ist es jedenfalls besser, selektiv Branchen zu schließen und sie zu entschädigen, als einen umfassenden Lockdown zu beschließen.

    Aus rein wirtschaftlichen Gründen halte ich es für sinnvoller, weniger zu entschädigen. Gerade im Gastro-Bereich funktioniert die kreative Zerstörung am ehesten: Eine Kneipe ist doch schnell neu eröffnet, wenn es wieder geht.

    Die SPD fordert jetzt einen Soli zur Finanzierung des Gesundheitswesens. Was halten Sie davon?

    Mit zusätzlichen Steuern und Abgaben wäre ich jetzt sehr vorsichtig: Es würde der Wirtschaft schaden, wenn der Staat jetzt beginnen würde, der Krise hinterherzusparen. Irgendwann muss natürlich die Schuldenbremse wieder in den Regelbetrieb zurück, sicher aber nicht vor 2022. Das sollte erst nach der Bundestagswahl entschieden werden. Dann wissen wir eher, wie wir insgesamt durch die Pandemie gekommen sein werden.

    Mehr: Diese Corona-Maßnahmen sind für den Dezember, Weihnachten und Silvester angedacht

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