Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Interview „Eine Batteriefabrik im Niemandsland macht keinen Sinn“

Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut warnt: Wenn Deutschland nicht bald in die Batterie-Fertigung einsteigt, wird der Rückstand auf Asien zu groß.
1 Kommentar
Bei E-Autos steckt ein Großteil der Wertschöpfung in den Batterien. Quelle: dpa
Elektroautos

Bei E-Autos steckt ein Großteil der Wertschöpfung in den Batterien.

(Foto: dpa)

Die Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, Nicole Hoffmeister-Kraut, hat großes Interesse daran, dass die deutsch Batteriefabrik in ihr Bundesland kommt. Im Gespräch zählt sie die Vorteile des Standorts auf.

Frau Ministerin Hoffmeister-Kraut, warum soll die neue vom Bund geförderte Batteriezellenfabrik ausgerechnet nach Baden-Württemberg. Ihr Bundesland hat doch bei der Batterie genauso geschlafen wie alle anderen?
Da muss ich entschieden widersprechen. Wir haben die Batterieforschung- und förderung in all den Jahren weiter betrieben und das Thema nie abgeschrieben wie viele andere Bundesländer.

Wie meinen Sie das konkret?
Anders als die meisten Universitäten hat Ulm seinen Lehrstuhl für Elektrochemie nicht geschlossen. ZSW, KIT und Fraunhofer IPA sind neben anderen Instituten intensiv an dem Thema dran. Wir haben die Batterietechnologie in den vergangenen zehn Jahren mit 100 Millionen Euro aus öffentlichen Töpfen gefördert. Und weitere 100 Millionen stellen wir aktuell bereit, um bei Bedarf Batterieprojekte kozufinanzieren. Nirgendwo arbeiten Universitäten, Institute und Unternehmen seit Jahren so erfolgreich zusammen.

Und das reicht aus Ihrer Sicht?
Mit Varta haben wir außerdem den einzigen Massenhersteller für Lithium-Ionen-Batterien in ganz Deutschland, wenn auch nicht für Autobatterien. Viele schwäbische Maschinenbauer sind mit ihrem Fertigungs-Know-how führend und beliefern sogar die asiatischen Batteriehersteller. Und mit ACI ist es einem Mittelständler aus Baden-Württemberg gelungen, die Förderung von Lithium aus dem größten Lithiumvorkommen der Welt in Bolivien für 70 Jahre zu sichern. Ein strategisch wichtiger Erfolg! Andernfalls wäre jetzt der globale Abbau von Lithium zu 80 Prozent in chinesischer Hand.

Das ist doch noch lange kein Grund, nach Baden-Württemberg zu gehen.
Doch. Das Thema ist für die Zukunft nicht nur der baden-württembergischen, sondern der gesamten deutschen Autoindustrie zu wichtig, um damit Struktur- oder Beschäftigungspolitik zu betreiben. Es macht doch keinen industriellen Sinn, eine Batteriefabrik ins Niemandsland zu stellen. Sie gehört dorthin, wo auf engstem Raum alle notwendigen Kompetenzen, Partner und große potentielle Kunden wie Daimler, Porsche und Audi sitzen.

Wir haben eine ganze Menge gegenüber der asiatischen Konkurrenz aufzuholen, da müssen wir schon die Kräfte bündeln und Tempo machen. Es geht ja nicht nur darum, eine Fabrik zu bauen. Die Prozesse müssen doch permanent im schnellen Austausch mit Forschungseinrichtungen, Dienstleistern und Unternehmen verbessert werden, wenn wir auf Dauer in der Weltliga mitspielen wollen.

Aber selbst dem finanzstarken Bosch-Konzern ist das finanzielle und unternehmerische Risiko zu groß für eine Batteriezellenfertigung. Haben sie nicht Angst, das Geld der Steuerzahler zu verpulvern?
Betriebswirtschaftlich kann ich die Entscheidung von Bosch schon nachvollziehen. Aber jetzt ist die historisch letzte Chance die Lücke doch noch zu schließen. Die Batterie hat beim Elektroauto den bei weitem größten Wertschöpfungsanteil. Wir dürfen das Geschäft den Asiaten nicht kampflos überlassen. Wir müssen den Unternehmen helfen, den Sprung in die Massenfertigung zu schaffen. Dazu soll auch unser neuestes Batterieprojekt dienen, in das wir und der Bund 38 Millionen Euro stecken.

Das ist vielleicht viel für Baden-Württemberg, aber bei einer Batteriefertigung geht es um Milliarden.
Klar. Aber es geht um vorbereitende Hilfen, um den Sprung zu schaffen. Und wir können es schaffen.

Viele große Konzerne halten aber einen Einstieg in die Batteriezellenproduktion erst bei der nächsten Batteriegeneration für sinnvoll, weil der Eintritt in einen besetzten Markt nur mit überlegener Technologie gelingen kann.
Ich denke, es ist gefährlich, auf einen Durchbruch in zehn Jahren zu warten. Was, wenn der Durchbruch etwa bei Feststoffzellenbatterien nicht kommt? Aber sicher ist, dass dann die Lücke zu den Asiaten so groß sein wird, dass wir sie bestimmt nicht mehr schließen können. Auf dem Markt wird in zehn Jahren viel passieren. Wenn allein Volkswagen seine Elektroauto-Pläne umsetzt, braucht VW bis 2025 vier große Batteriefabriken. Und auch die bestehende Batterietechnik können wir mit digitalen Produktionsmethoden und innovativer Lasertechnologie deutlich effizienter machen.

Was haben Sie denn nun wirklich im Ländle zu bieten?
Wir bereiten derzeit mit Einsatz von Industrie 4.0 eine Pilotproduktion für eine konkurrenzfähige Batteriezelle vor, die später auf Großserie skaliert werden kann. Sagen Sie mir, welches Bundesland da weiter ist. Zudem entwickelt ein Konsortium aus Industrie und Wissenschaft aktuell in unserem Projekt „FastStorageBW“ einen Hybrid-Speicher, der die Vorteile von Batterien und Superkondensatoren in sich vereint.

Nicole Hoffmeister-Kraut ist Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in Baden-Württemberg Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württem
Nicole Hoffmeister-Kraut

Nicole Hoffmeister-Kraut ist Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in Baden-Württemberg

(Foto: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württem)

Klingt etwas sehr nach Zukunftsmusik?
Hoffentlich. Die ersten Ergebnisse sind sehr vielversprechend. Diese neue Hybrid-Speichertechnologie schließt die Lücke zwischen Superkondensatoren und Batterien. Sie eröffnet den Unternehmen in Baden-Württemberg die Chance auf eine weltweite Marktführerschaft in diesem Segment. Selbst in Asien sind bis jetzt noch keine vergleichbaren Produkte auf dem Markt.

Außerdem wurde bereits eine großformatige Hochleistungszelle auf Lithium-Ionen-Technologie entwickelt, welche eine dem Wettbewerb überlegene Performance bietet. Dies wurde unter anderem durch eine innovative Kontaktierung der Elektroden innerhalb der Zelle erreicht, welche durch modernste Laserbearbeitung mit Technik von Trumpf ermöglicht wird.

Haben Sie überhaupt einen Platz für so eine große Fabrik im dicht besiedelten mittleren Neckarraum?
Den Platz werden wir dann schon schaffen.

Startseite

Mehr zu: Interview - „Eine Batteriefabrik im Niemandsland macht keinen Sinn“

1 Kommentar zu "Interview: „Eine Batteriefabrik im Niemandsland macht keinen Sinn“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich habe gelesen, die Fertigung der Batterien sei sehr energie-intensiv. Damit waere
    Norddeutschland, wo mehr Strom produziert als verbraucht wird, der richtige Standpunkt.
    Ausserdem fehlen dort Arbeitsplaetze waehrend in BW Fachkraefte fehlen. Die Anbindung
    in die Autohersteller ist kein Problem, das laeuft uebers Internet.

Serviceangebote