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Interview Hendrik Schulz Steuer-Leitfaden für Influencer: „Das wirkt schon etwas albern“

Das Finanzministerium will Influencer über das Steuerrecht aufklären. Social-Media-Akteur Hendrik Schulz erklärt, warum er das nicht braucht.
28.08.2020 - 12:45 Uhr Kommentieren
Influencer Hendrik Schulz: „Das Vorurteil, dass man mal eben schnell ein Foto macht, das postet und dann reich wird, das ist an den Haaren herbeigezogen.“ Quelle: Hendrik Schulz; Instagram/@hendrik_jtr
Influencer Hendrik Schulz

Influencer Hendrik Schulz: „Das Vorurteil, dass man mal eben schnell ein Foto macht, das postet und dann reich wird, das ist an den Haaren herbeigezogen.“

(Foto: Hendrik Schulz; Instagram/@hendrik_jtr )

Die Finanzämter wollen Influencern stärker auf die Finger schauen und sie besser über das Thema Steuern aufklären. Dazu hat das Finanzministerium einen Leitfaden veröffentlicht, der die Grundlagen des Steuerrechts für die Social-Media-Akteure erklärt. Hendrik Schulz, 29 Jahre alt, ist seit rund drei Jahren hauptberuflich als Influencer für Lifestyle, Mode und Investments tätig.

Er verdient sein Geld mit Werbeverträgen sowie eBook-Verkäufen und hat sich über den Inhalt des Leitfadens gewundert: „Der setzt ja wirklich bei Null an“, sagt er im Handelsblatt-Interview. „Da steht dann die Frage 'Muss ich Steuern zahlen? Ja oder Nein?' Für jemanden, der das jetzt lange macht und da drin ist, wirkt das schon etwas albern.“

Schließlich arbeite er selbst wie auch andere Selbstständige bis zu 12 Stunden am Tag, auch am Wochenende. Sein Steuersatz sei „hoch“ und er habe schon zwei Betriebsprüfungen durch das Finanzamt hinter sich: „Das Vorurteil, dass man mal eben schnell ein Foto macht, das postet und dann reich wird, ist extrem an den Haaren herbeigezogen“.

Er könne sich zwar vorstellen, dass gerade unter den sehr jungen Influencern das Wissen um das Steuerrecht noch nicht so verbreitet ist, doch die Branche sei bei dem Thema Steuern professionell aufgestellt. Für ihn ist die Steuererklärung mittlerweile eine „Routine-Tätigkeit“.

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    Das vollständige Interview lesen Sie hier:

    Hi Hendrik, wie viel Steuern zahlst du eigentlich?
    Das ist unterschiedlich, weil das Einkommen pro Monat nicht gleich ist, das schwankt. Aber ich kann sagen: Der Steuersatz ist hoch.

    Das Bundesfinanzministerium hat einen Leitfaden zur Besteuerung von Influencern herausgegeben und dort gleich zu Anfang zugegeben: „Das deutsche Steuerrecht ist komplex“. Kannst du das nachvollziehen?
    Es ist auf jeden Fall etwas, wo man sich mal einlesen sollte, womit man sich beschäftigen muss. Aber wenn einmal alles verstanden ist, läuft es auch ganz gut, und es macht schon Sinn, dass es so viele Steuerarten und Sonderregelungen gibt. Das ist ja am Ende auch der Fairness geschuldet.

    Ein anderer Tipp aus dem Leitfaden lautet: „Dokumentieren. Dokumentieren. Dokumentieren.“ Machst du das? Und wie viele Stunden pro Woche oder Monat wendest du dafür auf?
    Also es sind schon mehrere Stunden im Monat. Ich sammle ja nicht nur die Belege für Ausgangsrechnungen oder Rechnungen aus anderen Unternehmen, die wir gegebenenfalls als Betriebsausgabe absetzen können. Wenn ich zum Beispiel zu einer Foto-Location fahre, um dort Fotos zu machen und dann vielleicht ein Kundengespräch habe, lasse ich mir auch häufig einen Bewirtungsbeleg ausgeben, also für ein Geschäftsessen zum Beispiel. Das muss dann natürlich alles korrekt ausgefüllt und zeitlich dokumentiert sein. Also das ist recht aufwendig, aber wenn man einmal so den Dreh raus hat, dann ist es eine Routine-Tätigkeit.

    Und machst du das alles selbst oder hast du Hilfe?
    Am Anfang habe ich alles alleine gemacht. Ich erinnere mich noch, wie ich erstmal nachlesen musste, wie ich überhaupt eine richtige Rechnung schreibe. Das wird einem ja in der Schule oder sonst wo leider nicht beigebracht. Mittlerweile nimmt mir mein Steuerberater einiges ab.

    Hattest du am Anfang auch mal Probleme mit dem Finanzamt? Haben sie dir geschrieben und gesagt, da stimmt was nicht?
    Auf eine sehr freundliche Art und Weise, ja. Wir hatten bereits zwei Betriebsprüfungen und bei der einen stellte sich heraus, dass ich bei der Umsatzsteuer-Voranmeldung irgendwas in eine falsche Zeile eingetragen habe und das musste dann geändert werden. Dann war aber auch gut.

    Und bei deinen Influencer-Kollegen? Haben die mal Probleme bekommen?
    Ich kenne einen Fall. Das ist schon viele Jahre her, da wurde eine Mehrwertsteuer auf der Rechnung ausgewiesen, mit der großen Freude, dass man jetzt 19 Prozent mehr nehmen kann. Aber die 19 Prozent wurden dann leider nicht weitergegeben, sondern einbehalten. Das hat dann natürlich zu einer Nachzahlung geführt, aber auch das war natürlich vollkommen unwissend.

    Die Behörden haben angekündigt, bei Influencern genauer hinzuschauen. Merkt ihr das in der Branche?
    Ja, das merken wir schon. Kollegen und Kolleginnen hatten auch schon Betriebsprüfungen. Mehrere Steuerberater von unterschiedlichen Personen haben mir auch gesagt, dass die Finanzämter jetzt besonders interessiert sind. Nicht aus böser Absicht, sondern einfach, um das Thema zu verstehen, zu wissen, was diesen Beruf ausmacht.

    Betriebsprüfungen, Steuerberater, Rechnungen. Hört sich so an, als ob das Steuerthema für dich nichts Neues ist. Daher mal andersrum gefragt: Wünschst du dir etwas vom Steuersystem?
    Vielleicht sollte man früher ansetzen, die Leute abzuholen. Also zum Beispiel Tutorials dazu anbieten, wie man diese Umsatzsteuervoranmeldung ausfüllt. Der Leitfaden geht ja auch in diese Richtung. Wobei ich sagen muss, dass der ja wirklich bei Null ansetzt. Da steht dann die Frage „Muss ich Steuern zahlen? Ja oder Nein?“. Also für jemanden, der das jetzt lange macht und da drin ist, wirkt das schon etwas albern. 

    Aber das ist natürlich auch eine Frage der Perspektive. Auf YouTube und Instagram gibt es eben viele bereits erwachsene und gewachsene Kanäle, die machen das jahrelang und kennen sich aus. Aber auf neuen Plattformen wie TikTok zum Beispiel sind auch schon Minderjährige extrem populär und für die ist das alles sehr neu. Die könnten dann gegebenenfalls auch davon profitieren, wenn man das noch ein bisschen einfacher macht.

    Danke für das Interview.

    Mehr: Vom Influencer zum Insolvenzler – Finanzämter nehmen Social-Media-Stars in den Fokus

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