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Interview Kassenärztechef: „Vom Gipfel braucht es ein klares Signal für ausreichende Impfstoffmengen“

Andreas Gassen kritisiert, dass Praxen keine verlässlichen Vakzinlieferungen erhalten. Er fordert feste Zusagen. Die eingeschränkte Stiko-Empfehlung für Jugendliche hält er für richtig.
26.05.2021 - 17:07 Uhr Kommentieren
Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung warnt vor einer Verzögerung der Impfkampagne in Deutschland. Quelle: dpa
Andreas Gassen

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung warnt vor einer Verzögerung der Impfkampagne in Deutschland.

(Foto: dpa)

Vor dem Impfgipfel am Donnerstag fordert Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, von Bund und Ländern ein „klares Signal für verlässliche und ausreichende Impfstoffmengen“. Andernfalls blicke er mit Sorge auf den 7. Juni, an dem die Impfpriorisierung in Deutschland aufgehoben werden soll.

Nach Gassens Ansicht wäre es nachvollziehbar, wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) eine eingeschränkte Impfempfehlung für Zwölf- bis unter 16-Jährige aussprechen würde. „Die Studienlage zum Infektionsrisiko von Kindern ist bislang sehr dünn“, sagte der Kassenärztechef im Gespräch mit dem Handelsblatt. Man wisse aber, dass Jugendliche selbst nur selten schwer erkranken. „Hier ist eine Abwägung mit den möglichen Risiken der Impfung nötig, die vergleichbar sind mit jenen bei Erwachsenen“, sagte Gassen.

Impfstoff für Jugendliche zu reservieren, hält Gassen für den falschen Weg. „Wir müssen jetzt keinen Impfstoff für eine Impfkampagne zurückhalten, von der wir noch nicht wissen, ob sie überhaupt stattfindet.“

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Bund und Länder treffen sich am Donnerstag zu einem Impfgipfel. Ist die Lage in den Hausarztpraxen nach wie vor angespannt?
Ja, die Praxen laufen nach wie vor unter Impf-Volllast. Der Ansturm ist groß. Leider erhalten die Praxen keine verlässlichen Impfstofflieferungen. Das führt dazu, dass Termine verschoben oder abgesagt werden, was für die Praxen ein ungeheurer Aufwand ist.

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    Welche Erwartungen haben Sie an den Impfgipfel?
    Vom Impfgipfel braucht es ein klares Signal für verlässliche und ausreichende Impfstoffmengen. Es sollte eine belastbare Zusage geben, wann die Hausärzte welche Impfstoffmengen von den Herstellern erwarten können. Sonst blicke ich mit Sorge auf den 7. Juni, wenn die Priorisierung fallen soll und auch die Betriebsärzte ins Impfen einsteigen. Die Praxen brauchen mehr, nicht weniger Impfstoff. Wir laufen sonst in eine Impfbremse hinein. Das können wir uns in der nun kritischen Phase nicht leisten.

    Es deutet sich an, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) den Biontech-Impfstoff für Zwölf- bis unter 16-Jährige nur eingeschränkt empfehlen wird. Hielten Sie das für richtig?
    Ja. Es wäre durchaus nachvollziehbar, wenn die Stiko keine Impfempfehlung aussprechen würde. Die Studienlage zum Infektionsrisiko von Kindern ist bislang sehr dünn. Wir wissen aber, dass Jugendliche zumindest selbst nur sehr, sehr selten schwer erkranken. Hier ist eine Abwägung mit den möglichen Risiken der Impfung nötig, die vergleichbar sind mit jenen bei Erwachsenen.

    Welche Konsequenzen hätte eine solche Entscheidung für die Impfkampagne?
    Wir rechnen in einem solchen Fall mit einer eher niedrigen Impfquote in dieser Altersgruppe. Das kann ich auch verstehen: Sollte die Stiko den Impfstoff von Biontech nur eingeschränkt empfehlen, werden sich Eltern dagegen wehren, dass er ihren Kindern verabreicht wird. Eine Impfpflicht für Schüler wie vom Ethikrat jetzt ins Spiel gebracht, halte ich auch unter Berücksichtigung der Datenlage für völlig abwegig.

    Halten Sie es vor diesem Hintergrund für richtig, Biontech-Impfstoffdosen für Schüler zu reservieren, wie es der Gesundheitsminister gefordert hat?
    Das hielte ich für den falschen Weg. Wir müssen jetzt keinen Impfstoff für eine Impfkampagne zurückhalten, von der wir noch nicht wissen, ob sie überhaupt stattfindet. Darüber hinaus würden uns diese Dosen aktuell in den Hausarztpraxen bitter fehlen, was den Impffortschritt massiv bremsen würde. Es wäre auch kaum vorstellbar, Schulöffnungen an Impfungen bei Schülern zu knüpfen. Es ist viel wichtiger, die Lehrer flächendeckend durchzuimpfen. Außerdem sollte beispielsweise in technische Lösungen wie beispielsweise Luftfilter investiert werden.

    Sollte denn zumindest Impfstoff für die vulnerablen Angehörigen dieser Altersgruppe zurückgehalten werden?
    Das könnte man tun. Diese Kinder und Jugendlichen haben eine Impfung dringend nötig, da sie von Folgen einer Infektion deutlich stärker betroffen wären. Hinzu kommt, dass diese Gruppe deutlich kleiner ist und es deswegen ohne spürbare Folgen für den Impffortschritt möglich ist, Dosen zurückzuhalten.

    Mehr: Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in unserem Newsblog

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