Interview mit AfD-Vize Gauland „Ich hätte Geert Wilders nicht eingeladen“

AfD-Vize Gauland sieht die Pegida-Einladung an den Islam-Hasser Geert Wilders kritisch. Im Interview nennt er die Gründe dafür und erklärt, warum die AfD in der Flüchtlings- und Asylpolitik stärker Flagge zeigen muss.
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Der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland: „Wir sind eine Partei der kleinen Leute.“ Quelle: Reuters
Alexander Gauland.

Der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland: „Wir sind eine Partei der kleinen Leute.“

(Foto: Reuters)

BerlinAlexander Gauland hat die Alternative für Deutschland (AfD) einst mit einem zweistelligen Ergebnis in den Potsdamer Landtag geführt. Mit dem Wahlsieg im Rücken zählt der 74-Jährige zu den prominentesten Widersachern von AfD-Bundeschef Bernd Lucke. Gauland nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er auf den derzeitigen politischen Kurs Luckes zu sprechen kommt. Im Interview wirft der Bundesparteivize ihm vor, aus der AfD eine Partei machen zu wollen, „die anschlussfähig an die CDU ist“. Gauland hält es aber für falsch, auf Stimmen des Bürgertums und früherer FDP-Anhänger zu setzen. „Wir sind eine Partei der kleinen Leute“, sagt er und fügt hinzu: „Damit meine ich auch Leute, die eben kein Asylbewerberheim neben sich haben wollen. Die damit verbundenen Ängste und Sorgen sollten wir ernst nehmen und aufgreifen, dann werden wir auch gewählt.“ Luckes politisches Schicksal entscheidet sich aus Gaulands Sicht beim Parteitag im Juni. „Da wird sich Herr Lucke zur Wahl stellen. Dann wird man sehen, ob er das Vertrauen der Partei noch hat.

Herr Gauland, wie beurteilen Sie die gegenwärtige Lage der AfD?

Die Lage der AfD ist nicht ganz einfach. Die Auseinandersetzungen um den Kurs der Partei führen zu Erschütterungen. Für eine junge und neu gegründete Partei ist das wahrscheinlich typisch. Wir sind in einer schwierigen Phase. Wenn ich mit Sport zu tun hätte, würde ich sagen: Wir fahren grade über ein paar Stromschnellen.

Wie sehen Sie die Rolle des Parteivorsitzenden Bernd Lucke in dieser Situation? Ist sein Kurs geeignet, die Partei zu einen oder zu spalten?

Ich sehe den Kurs von Bernd Lucke durchaus skeptisch. Das Grundproblem ist, dass er eine Partei will, die anschlussfähig an die CDU ist. In der AfD gibt es aber viele, die genau das überhaupt nicht wollen, weil sie befürchten, dass wir von der CDU aufgesogen werden. Unser Anliegen, als wir uns gegründet haben, war aber ein ganz anderes. Wir wollten eine Alternative zu den etablierten Parteien sein. Dieses Alternative ist bei Lucke nicht mehr richtig sichtbar.

Wie meinen Sie das?

Über die Euro-Frage gibt es keinen Dissens. Hier sind wir uns völlig einig. Es gibt inzwischen aber auch Themen, wie Zuwanderung, Asyl und Islam, die die Bürger mindestens genauso stark beschäftigen. Bei diesen Themen hat Bernd Lucke Sorge, dass die Partei zu sehr in eine Ecke rutscht, die ihm höchst unsympathisch ist.

Sollte Herr Lucke die Vertrauensfrage stellen?

Wir haben im Juni einen Parteitag. Da wird sich Herr Lucke zur Wahl stellen. Dann wird man sehen, ob er das Vertrauen der Partei noch hat. Ich habe wenig Sinn für vorgezogene Vertrauensabstimmungen. Wenn Sie das über das Internet machen, wissen Sie nicht, wer da wirklich abstimmt.

„Das Bürgertum will uns nicht“
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14 Kommentare zu "Interview mit AfD-Vize Gauland: „Ich hätte Geert Wilders nicht eingeladen“"

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  • wulf baer
    ich kenne alle Programme, keine Sorge, denn ich selbst wirke daran mit

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Jawoll Herr Großer.
    Da es keine Alternative zur AfD gibt, müssen wir alles tun, damit sie wenigstens in den Bundestag kommt.
    Herr Lucke ist vollkommen richtig beraten, wenn er dem Enteignungsblock und der Systempresse keinen Anlass gibt, die AfD in die braune Ecke zu stellen.
    Im übrigen wird in naher Zukunft allen Parteimitgliedern das neue und revidierte Partei-Programm zur Abstimmung demokratisch vorgelegt.
    So etwas hat es bei dem Enteignungsblock noch nie gegeben.
    Also lesen wir das Programm und sorgen dann dafür, dass die AfD in den Bundestag kommt. Mehr als 10% sind sowieso wg. der vielen Dummies nicht drin.
    Dann können wir mit unserer Kritik fortfahren, am besten dadurch, dass wir uns auch mal politisch betätigen, anstatt immer nur herumzumosern.

  • Nachtrag: Natürlich hat Herr Gauland in vielen Dingen Recht: Aber mal eine Frage: Würde er, oder der Redakteur es gut finden neben einen Flüchtlingsheim zu wohnen? Es kommen in diesem Jahr 600.000 von denen.

  • Ich möchte es am liebsten der gesamten AfD-Führung und den Sympathisanten überall zuschreien.

    Wir stehen alle auf einer Seite. Mag ja sein das es unterschiedliche Meinungen gibt und die muss es auch geben. Wir leben ja in keiner Diktatur. Aber uns eint alle ein großes Ziel. Nämlich der Einzug in den Bundestag 2017. Damit es endlich mal wieder eine ordentliche Opposition gibt!

    Wir (ich nehme mich da nicht raus) sollten uns alle etwas zurücknehmen und den politischen Gegner als "Feind" betrachten und nicht uns untereinander bekämpfen. Es wäre eine Schande wenn wir nur durch unsere Dummheit den Weg der Piraten gehen würden! Auf Jahre hinaus würde es dann keine neue Parteigründung geben, die realistische Erfolgsaussichten hätte.

  • Ob Geert Wilders ein Islam-Hasser weß ich nicht, aber bestimmt der Redakteur und das ganze HB Team. Aber muss Wilders nicht, wie jeder pragmatische Mensch, in geradezu sehr, sehr kritisch Distanz zum ISLAM stehen. Schau eucTäglich.h doch nur um was der Islam mit den Menschen macht.
    Aber was passiert hier, die Menschen die sehr kritisch zum Islam stehen werden verfolgt. Fehlt nur noch das sie hin in "Loch" schmeißen zur späterer gräßlichen´Verwendung.

  • Der Islam ist sehr wohl eine Bedrohung, ob die Menschen das nun sehen oder nicht. Wenn die Eantwicklung so weiter geht (und sie wird es), haben wir in einigen Jahren ein ganz anderes Europa. Es kommt nicht auf den einzelnen Moslem an. Wenn der Anteil an der Bevölkerung nur groß genug ist, werden die Funktionäre ihre Forderungen noch lauter stellen. Unseren Politikern bleibt dann nichts anderes übrig, als nachzugeben. Es handelt sich ja schließlich um Wählerstimmen, da die ja alle die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Wo wir hin gehen, sieht man doch schon beim völlig deplazierten Urteil über das Kopftuchverbot. in Schulen. In den vergangenen Jahrhunderten hat der Islam es trotz massiver Versuche nicht geschafft, Europa zu erobern. Jetzt ist er auf dem besten Weg. Erdogan hat es in seinen Hetzreden in Deutschland ja klar zum Ausdruck gebracht. Die AfD muß klar sagen, was sie will. Auch zu anderen Themen. Nur so kann jeder entscheiden, ob er sich von dieser Partei vertreten fühlt, oder ob es noch mehr Nichtwähler geben wird.

  • Frau Steer, bitte lesen Sie doch endlich das Parteiprogramm der AfD.
    Darin finden Sie mindesten 100 Alternativen zum mörderischen Enteignungsblock.
    Aber wählen müssen Sie zuerst die Partei und dann kann man die Arbeit kritisieren.

  • Wir wollten eine Alternative zu den etablierten Parteien sein. Dieses Alternative ist bei Lucke nicht mehr richtig sichtbar.
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    Das ist richtig. Das sagt Gauland völlig zu Recht.
    Das Problem ist, dass Luke zu sehr in den Fängen von Henkel ist.
    Auch sonst kann ich eigentlich alses was Gauland sagt, unterschreiben

  • Mein Gott, was alles von der AfD verlangt und ihr zugemutet wird.

    Der deutsche Wahlidiot hat mehrfach den Enteignungsblock CDUCSUSPDGRÜNELINKE gewählt und wird das auch 2017 tun.

    Die gesamte Foren-Kritik kommt von Leuten, die den Enteignungsblock gewählt haben und jetzt von der kleinen AfD Wunder erwarten und hinten und vorne alles an ihr kritisieren ohne je das komplette Wahlprogramm gelesen zu haben.

    Der Eintritt in den Bundestag 2017 wird auch nur bei max. 10% liegen, wenn überhaupt und dann kommen wieder die Superschlauen AfD-Kritiker und erzählen uns, was die AfD hätte tun müssen.

    Die AfD kann nur etwas bewegen, wenn Sie über 20% kommt - aber vergessen wir das, denn dazu haben wir zu viele Dummies unter den Wählern.

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