Interview mit Gerhard Schick „Der Steuerzahler wird über den Tisch gezogen”

Gerhard Schick ist empört: Denn von der Finanzpolitik der Regierung profitieren nur Konzerne, nicht die Bürger, sagt er. In seinem neuen Buch rechnet der grüne Finanzpolitiker mit der Machtwirtschaft der Unternehmen ab.
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Gerhard Schick: „Die Bedürfnisse der Menschen geraten unter die Räder.“ Quelle: Katrin Denkewitz für Handelsblatt

Gerhard Schick: „Die Bedürfnisse der Menschen geraten unter die Räder.“

(Foto: Katrin Denkewitz für Handelsblatt)

Herr Schick, können Sie Jürgen Fitschen, den Co-Chef der Deutschen Bank, eigentlich leiden?
Herrn Fitschen schätze ich als klugen Gesprächspartner. Und generell gilt: Einzelne Manager sind für mich keine Feindbilder, die Strukturen sind entscheidend. Und die zeigen: Die Deutsche Bank ist als Institution zu groß.

Am Donnerstag treffen Sie Fitschen, um über ihr neues Buch „Machtwirtschaft – nein danke!“ zu sprechen. Wird das ihr größter Kritikpunkt, wenn Sie sich treffen?
Ja, das ist wahrscheinlich ein Punkt, an dem es richtig haken wird: Jürgen Fitschen sagt: Deutschland braucht eine große Bank. Und ich sage: Deutschland braucht sicher mehr als Sparkassen und Volksbanken, aber eine Bilanzsumme von über zwei Billionen Euro, die etwa drei Viertel der deutschen Wirtschaftsleistung entspricht, braucht Deutschland nicht. Das ist zu gefährlich, denn diese Größe kann kein Mensch mehr managen.

Gerhard Schick und Redakteurin Maike Freund im Gespräch. Quelle: Katrin Denkewitz für Handelsblatt

Gerhard Schick und Redakteurin Maike Freund im Gespräch.

(Foto: Katrin Denkewitz für Handelsblatt)

Sie kritisieren nicht nur die Größe vieler Banken in ihrem Buch. Einer Ihrer zentralen Kritikpunkte ist der Umgang mit der Bankenrettung während der Finanzkrise. Was hätten Sie denn anders gemacht?
Die Bankenrettung ist das Paradebeispiel dafür, dass der Staat im Interesse von wenigen finanzstarken Akteuren handelt und nicht im Interesse der Bürgerinnen und Bürger. Wir hätten uns viel Ärger erspart, wenn wir schon ab 2008 die Stabilisierung des Bankensektors europäisch organisiert, Gläubiger systematisch an den Verlusten beteiligt und Banken, die nicht lebensfähig sind, konsequent abgewickelt hätten. Das hätte uns viel weniger gekostet. Das Argument dagegen war immer: Wenn es zu einer Gläubigerbeteiligung kommt, kippen die Finanzmärkte. Aber das war klug inszenierte Panikmache. Eine Gläubigerbeteiligung von zehn, 20 Prozent hätte keinen Meltdown am Finanzmarkt erzeugt, aber den Steuerzahlern Milliarden an Schulden erspart. Im Rückblick muss man sagen: Die Bankenrettung war eine der größten Umverteilungen der jüngeren Geschichte – von unten nach oben. Die großen Vermögen wurden stabilisiert und wir alle tragen jetzt die Kosten über die Staatsschulden ab.

Sind sie wütend?
Wie meinen Sie das?

Der Titel Ihres neuen Buches lautet: „Machtwirtschaft – nein danke!“, der klingt ein wenig wütend.
Ich bin vor allem empört über die Zustände, die einfach hingenommen werden. Bestes Beispiel ist wieder die Bankenrettung: Fehler passieren, aber wenn so viel Steuergeld verschleudert wird, ohne dass versucht wird, die Verursacher zur Finanzierung des Schadens heranzuziehen, dann bin ich empört. Und wenn die Regierung versucht, den Steuerzahler systematisch an verschiedenen Stellen über den Tisch zu ziehen, dann bin ich sprachlos. Der Staat gehört uns allen und darf nicht für die Interessen weniger eingespannt werden.

„Zehn Prozent sollten es in Zukunft schon sein“
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  • Die Welt wurde nicht in einem Tag erschaffen,wir haben nur zugelassen das die Politiker unsere Welt erschaffen.
    Es gibt eine Lebens Weisheit. Entweder du machst es selbst oder du öffnest den Geldbeutel. Was besser ist, muss jeder selber wissen, den jeder schafft seinen Lebenssinn selbst, oder die Andern sagen was du Zutun hast, das ist die heutige Sklaverei, und sie bezahlen noch dafür. Welcher Politiker oder die Machtelite könnte da widerstehen. Wie sagte man Früher, Völker vereinigt euch.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Was nützt all das Faktenwissen, wenn nicht entsprechend gehandelt wird. Die Mehrzahl der Menschen im Lande hat längst erkannt, was hier los ist. Sie sind jedoch noch weitestgehend ohnmächtig, hilflos und verängstigt wie Schafe, weil es keinen Hirten gibt, der ihnen die Richtung vorgibt.
    Das Alles ist jedoch nur eine Frage der Zeit. Wenn die Zahl derer, die nichts mehr besitzen außer ihr Leben und ihre Arbeitskraft sich weiter drastisch erhöht, dann wird sich dieser Zorn des Volkes auch entladen. Dazu braucht es keines Buches über die heutigen Zustände. Wer die Geschichte der Menschheit aufmerksam verfolgt und darin lesen kann, weiss, dass es so kommen muss, weil es immer so war. Es ist überaus anmaßend und eine gehörige Selbstüberschätzung der Mächtigen zu glauben, man könnte alles kontrollieren und habe alles im Griff. Dieser Saustall wird ihnen früher oder später um die Ohren fliegen. Das will ich gern noch erleben, denn es ist nur gerecht, dass die Peiniger irgendwann zur Ader gelassen werden.

  • Ich bin vor allem empört über die Zustände, die einfach hingenommen werden.
    ---------------------
    Ja, der Satz ist gut. Aber dass alles hingenommen wird, übr diese Zutände darf Herr Schick sich doch nicht wundern.
    Mit der Nazikeule, die ja besonders die Grünen gerne scwingen, wird hier doch je Bürermeinung plat gmach.
    Viele haben längst resigniert, gehen nicht mehr zur Wahl usw.
    Ein solchs oziales Gefälle ist gefährlich, duch so etwas kam mal ein Führer an die Macht
    Gäbe es bei uns keine Tafeln und Suppenküchen, wäre vielleicht die Randale schon längst das

  • "Grüne sind gegen Rentner, allgemein, gegen ältere Menschen, gegen ehemalige politisch Verfolgte des real existierenden Sozialismus und und und."

    Aber sie lieben Kinder. :-)

  • Der Mann hat recht!!!

    Wenn jeder seine Steuern am Jahresende auf einmal bezahlen müsste (also etwas mehr als die Hälfte seines Jahreseinkommens), was dann wohl hier los wäre?
    Aber der Staat zockt geschickt ab: Hier ein bisschen Lohn- und Einkommenssteuer, da fast ein Fünftel Umsatz-/Konsumsteuer, Steuern für Versicherungen, Strom, Benzin etc. uvam.
    Und wenn man dann sieht, wie es ausgegeben wird, diese hart erarbeiteten Steuergelder, als wären sie so selbstverständlich wie Meerwasser.

    Aber mit Deutschen kann man das machen. Ich kenne weltweit kein anderes Volk, dass nicht gegen Steuererhöhungen aufmuckt, und eine Partei, die sich für Steuersenkungen einsetzt, nicht wählt.

  • @usafan
    Er hat sich nicht versteckt... er hält sehr gute Reden im Bundestag, muss man nur einmal zuhören...

  • Es lässt erkennen, dass es für die Abgeordneten eng wird.

    Greift man den Inhalt des jüngsten "Nicht"-Urteils des Bundesverfassungsgerichts auf und das Ansinnen der Parlamentarier nach höheren Diäten, dann wird ersichtlich das die Parlamentarier eine offensichtliche gemeinsame Gruppe, eine Vereinigung mit durchaus kriminellen Zügen bilden.

    Denen gehört eine kräftige Klatsche, damit sie wieder zur Besinnung kommen und Mäßigung üben. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass sie nach der Europawahl die Enteignung der Bürger durchziehen wollen.

    Für die, die es nicht mitbekommen haben sollen: Es soll sich in der Größenordnung bewegen wie die geplante Diätenerhöhung. Eine Frechheit wegen diesem kriminellen Handeln.

  • Schick-einer der besten Abgeordneten im Bundestag...er versteht wenigstens etwas von dem über was er redet.

  • Aha .. Ein Grüner..

    Herr Schick, war es nicht die ROT/GRÜNE Bundesregierung die die ganzen unsägliche Finanzmarktderegulierungsorgien beschlossen hat? Die den Lobbyisten der sogenannten Finanzwirtschaft angloamerikanischer Prägung wie Jünger an den Lippen hieg und deren Lied dann sang (fragt sich ob die Damen und Herren Volksvertreter auch deren Brot ass?).

    Drehen Sie dieses einfach wieder zurück ... Scmeissen Sie die Lobbyisten aus allen Gremien und tun sie endlich das wofür sie gewählt sind... Wenden Sie Schaden vom Volke ab!!

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