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Interview mit Hans-Werner Sinn „Wir legen mehr Geld auf den Tisch als nötig“

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„Der europäische Gedanke wird beschädigt“
Der Finanzwissenschaftler Sinn zählt zu den renommiertesten Ökonomen aus Deutschland. Quelle: Reuters

Der Finanzwissenschaftler Sinn zählt zu den renommiertesten Ökonomen aus Deutschland.

(Foto: Reuters)

Und wie kommen die Staaten an Geld?

Sie können Pfandbriefe ausgeben, die mit Immobilien, Gold oder einem vorrangigen Anspruch auf ihre zukünftigen Steuereinnahmen besichert sind. Alle Krisenländer haben entsprechende Notfallpläne in der Schublade.

Aber wir haben ein gesamteuropäisches Problem, das gemeinsam zu lösen ist ...

Nein, Vermögensverluste sind nicht gemeinsam zu tragen. Die sind immer von denjenigen zu tragen, die das Vermögen haben und mit ihrer Anlageentscheidung selbst ins Risiko gegangen sind. Da nun sehr viele Länder gleichzeitig in einer Zahlungskrise stecken und mächtige Vermögensbesitzer aus der ganzen Welt betroffen sind, ist man jedoch lieber mit vereinten Kräften gegen Deutschland aufmarschiert und hat es bezwungen.

Unsere Banken und Versicherer würden im Falle eines Gläubigerverzichts auch getroffen.

Ja, stimmt - dann müssen wir die Kette notfalls fortsetzen und sagen, dass die Gläubiger dieser Banken und Versicherungen ebenfalls auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. Wenn wir aber die deutschen Rentner und Steuerzahler zur Kasse bitten wollen, um die Verluste zu sozialisieren, sollten wir die Hilfen auf die deutschen Banken und Versicherungen beschränken. Das ist wesentlich billiger, als die Investoren der ganzen Welt zu retten. Ein jeder möge vor seiner eigenen Haustüre kehren.

Geht die Bundesregierung zu leichtfertig mit Steuergeldern um?

Als der Hair-Cut für Griechenland auf Druck Deutschlands beschlossen und der IWF mit beteiligt wurde, hat sie sich durchgesetzt - das muss man loben. Der letzte Gipfel war nun die Revanche.

Schützt uns nicht der Fiskalpakt vor allzu großen Vermögensverlusten?

Der Pakt wird nur in Deutschland ernst genommen. Er ist ein Placebo - wie seinerzeit der Stabilitäts- und Wachstumspakt. Ländern, denen der Kapitalmarkt misstraut, braucht man keine politischen Schuldengrenzen zu setzen. Wenn man ihre Kreditaufnahme begrenzen will, reicht es, ihnen weniger öffentlichen Kredit zu geben. Verhaltensmaßregeln erzeugen Unfrieden und bringen nichts als Ärger. Deutschland hätte nicht so viel Geld geben, dafür aber den Mund halten sollen. Unsere Belehrungen haben zu der vergifteten Atmosphäre des Gipfels und der Entschlossenheit der anderen Länder beigetragen, Deutschland endlich niederzuringen. Im Übrigen verhindert der Fiskalpakt bestenfalls eine übermäßige Staatsverschuldung. Wir haben aber in Südeuropa vor allem eine übermäßige private Verschuldung. Die spanische Netto-Außenschuld, überwiegend privat, ist mit etwa tausend Milliarden Euro größer als die Außenschuld aller anderen Krisenländer zusammen. Gegen die exzessive private Verschuldung hilft der Pakt ohnehin nicht.

Der Handelsblatt Expertencall
Die Vereinigten Staaten von Amerika als europäische Kopie
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9 Kommentare zu "Interview mit Hans-Werner Sinn: „Wir legen mehr Geld auf den Tisch als nötig“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Jedem einzelnen Satz von Professor Sinn stimme ich mit Ueberzeugung zu! Senden Sie, liebe Mitforisten und Gesinnungsfreunde, dieses Interview an alle Ihre Freunde!

  • Alleine schon das, was wir Apotheker gerade durchleben, ist einer demokratischen Berufsgruppe, wie wir sie nunmal als Apotheker-Gemeinschaft sind, völlig unwürdig.


    Hier mein persönlicher Vorschlag zur 'Better Spending'-Initiative unseres Aussenministers:

    Um Europa nachhaltig zu Stabilisieren und ein faires Miteinander zu ermöglichen wäre es vielleicht nicht von Nachteil, Datenautobahnen zwischen Politik, den freien Berufen und den Bürgern, sowie zwischen und innerhalb der berufständischen Organisationen in den europäischen Partnerorganisationen einzurichten?

    So könnte man auch einfacher erkennen, welche 'Mächte' eigennützig das System - nicht nur Geld - ausbeuten, da ja Auf- und Abfahrten fehlten, oder bereits zu viel vorhanden sind...

    ...wir konzentrieren uns viel zu sehr auf abstrakte Themen, wie generationsübergreifende Schulden, ESM, Finanzierungsquatsch mit Sauce.

    Was ist mit den Menschen in deren Berufen, und wie sieht es um deren Perspektive in deren demokratisch gewachsenen Strukturen aus?

    Was ist mit den Berufen? Ist das europäische Gesamt-Orchester der Berufsverbände startklar?^^

    Die Politik könnte sich ja um die Verteilung der Notenblätter kümmern, damit die Verbände länderübergreifendes Miteinander leben können, sonst wird es wahrscheinlich ein kostenorientiertes 'Survival Of The Fittest', was Großkonzerne mit Shareholder-Value sogar noch begünstigt ...

    Hm. Vielleicht ist das auch nicht die Aufgabe der Politik, sondern der Menschen in deren sozialen Strukturen?

  • Endlich mal Jemand der das offen ausspricht was ich schon lange denke. Wir befinden uns grad auf dem Weg zu einer Überschudung des kompletten Euroraums. Letzten Endes wird dann die Druckerpresse angeworfen, damit die Schulden "weniger" werden und der liebe sparende Bürger verliert sein ganzes Vermögen.

  • Wir wissen das Hans-Werner Sinn gerne auch mal etwas überspitzt formuliert und ein Faible für Radikal-Prognosen hat. Aber wo der gute Mann Recht hat, hat er nun mal Recht.

    Wer hat denn an den Rettungspaketen bisher verdient? Richtig, die Investoren wurden gerettet. Und wer wird nun die Rechnung stattdessen zahlen müssen? Genau der Steuerzahler darf wieder tief in die leeren Taschen greifen, nur gut das die Banken ihm dann wieder teuer das Geld aufschwatzen können das sie ja erst gerade aus öffentlichen Töpfen erhalten haben.

    Wir brauchen jetzt neue Konzepte und eine offene Diskussion.

    Also Hans-Werner weiter so!

  • Zwei Punkte machen mich sehr stutzig.

    Der Vorschlag von Finnland, die PIGS sollten mit eigenem Staatseigentum besicherte Pfandbriefe herauszugeben um die Zinsen zu senken, ist vom Tisch und nicht weiter diskutiert worden.
    Warum wollen die PIGS ihre eigen Schulden nicht mit eigenen Sicherheiten hinterlegen und dadurch schnell ihre Zinsen senken?
    Ich glaube die wissen jetzt schon, daß sie die Schulden niemals zurückzahlen werden. Der EU-Bankrott ist schon geplant und vereinbart, ist mein Eindruck. Wichtig ist, das alle mitmachen und es dann richtig knallen lassen.

    Die überschuldete USA wird sich dies auch wünschen und steht einem weltweiten Neuanfang, sprich Währungsreform bestimmt positiv gegenüber.

    Dr zweite Punkt, der mich irritiert ist, dass das europäische Patentamt jetzt nach Paris geht. Die Erfindungen der deutschen Wirtschaft werden nun also in Paris für ein Patent bewertet und keiner schreit auf.
    Vielleicht weil schon eh alles egal ist?

    Die Worte von Herrn Sinn kann ich gut nachvollziehen. Bei den Risiken, die der deutsche Staat jetzt eingeht nur um Investoren zu retten, wird mir ganz schlecht.

    Tschüß Deutschland!

  • Alfred_E_Neumann von M.A.D, dem Komikermagazin???

  • Ja, ja, der Sinn hat schon recht. Deutschland soll versklavt werden und bis ans Ende aller Tage Reparationszahlungen leisten, damit es sich die Defizitsünder unter der Sonne gut gehen lassen können. Dafür dürfen wir dann länger arbeiten, Lohnverzichte hinnehmen usw. usw.

    Es wird Zeit, dass Deutschland aus der EU und dem Euro austritt und eine ähnlich neutrale Position wie die Schweiz einnimmt. Wir sind nicht dazu da, den Wohlstand anderer zu nähren.

  • In einem Wort: Un-Sinn

  • Herr Sinn sagt zwischen den Zeilen ganz deutlich, wer unsere Freunde NICHT sind: Es ist NICHT Frankreich, Großbritannien oder die USA! Diese Länder wollen den deutschen Wohlstand absaugen und schwingen die Nazikeule.
    Der wirkliche Freund Deutschlands ist im Osten - es ist RUSSLAND. Es wird Zeit, daß hier eine Annäherung vorangetrieben wird und sich Deutschland unter den russischen Schutzschirm stellt!
    Im Westen nichts Neues. Es ist das Superversailles entstanden mit der Hilfe deutscher bornierter Politiker, die an "politische Projekte" glauben wie früher die Nazis und die Sozialisten im Osten. Insofern sind sie geradezu widerlich DEUTSCH und führen Deutschland erneut in die Katastrophe!