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Jochen Homann

Bundesnetzagentur-Chef Hohmann setzt beim Aufbau vom Netzwerk 5G auf Wettbewerb und will keinen Staatsdirigismus.

(Foto: Marko Priske für Handelsblatt)

Interview mit Jochen Homann „Stimmung wie bei Goldgräbern“ – Bundesnetzagentur-Chef über die Erwartungen an das 5G-Netz

Jochen Homann über den 5G-Aufbau, darüber, wie er Deutschland digital voranbringen will – und warum er sich über Funklöcher bei der Bahnfahrt ärgert.
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Berlin Berlin, Außenstelle der Bundesnetzbehörde. Das ehemalige Gebäude der Reichsgetreidestelle ist schmucklos, fast trostlos. Kahle Wände und viel Beton prägen den fünfstöckigen Bau. In seinem Büro im zweiten Stock empfängt Jochen Homann das Handelsblatt zum Interview. Lange hat er geschwiegen. In den letzten Monaten musste er sich immer wieder anhören, wie er die Frequenzen für den Echtzeit-Mobilfunkstandard 5G zu vergeben habe. Jetzt spricht der Behördenchef.

Herr Homann, alle Welt wartet gespannt darauf, welche Spielregeln Ihre Behörde für den Aufbau des 5G-Netzes festlegen wird. Die Politik bedrängt Sie seit Monaten mit Ideen, die Unternehmen ohnehin. Haben Sie sich bei Ihrer Entscheidung unter Druck setzen lassen?
Generell gehe ich mit Druck positiv um. Aber ich habe schon das Gefühl, dass die Frequenzvergabe noch komplexer ist als etwa die Debatte um Stromautobahnen. Es gibt viel mehr diametral entgegenstehende, wirtschaftsgetriebene Interessen, was natürlich Streit mit sich bringt. Es gibt unterschiedlichste politische Wünsche, und es gibt technische Zwänge. Wir werden in den kommenden Wochen sicher eine intensive Debatte erleben.

Mit der 5G-Technologie werden hohe Erwartungen verknüpft. Erwarten Sie eine Revolution?
Jedem Unternehmen oder Investor ist klar, dass mit dem 5G-Netz neue Geschäftsmodelle entstehen werden und bestehende an Fahrt gewinnen können. Ich denke etwa an automatisierte Fabriken. Hier erwarten uns neue Möglichkeiten. Allerdings gibt es andere Bereiche, in denen auch ohne 5G beträchtliche Fortschritte erzielt werden können. Das bringen viele in der Diskussion durcheinander. Für das automatisierte Fahren haben wir bereits andere Frequenzen bereitgestellt, damit Fahrzeuge sich erkennen oder mit der Straße kommunizieren. Im Gesundheitsbereich, etwa für Tele-Operationen, ist der Frequenzbereich, über den wir hier reden, technisch gar nicht für alle Anwendungen geeignet. Hier braucht man einen guten Glasfaseranschluss, der aber in der Tat zwingender Teil der 5G-Infrastruktur ist.

Alle interessieren sich für die neue Technik. Nicht nur Telekom und Co., auch Konzerne wie Daimler oder Siemens wollen ihre Fabriken damit in Eigenregie ausstatten. Welche Branchen kommen aus Ihrer Sicht noch infrage?
Bei uns haben sich unterschiedlichste Industriezweige vorgestellt. Es herrscht eine Art Goldgräberstimmung, vom Start-up-Unternehmen bis zur Landwirtschaftsbranche: unzählige Ideen, wenig Konkretes. Und doch bin ich mir sicher, dass eine Vielzahl guter und innovativer Geschäftsmodelle „made in Germany“ entsteht.

Wird Deutschland mit der Frequenzvergabe endlich zur weltweiten Spitze aufschließen?
Wir hatten immer den Anspruch, vorne dabei zu sein, wenn es um die Vergabe der Frequenzen geht. Jetzt starten wir und holen damit ein gutes Stück auf!

Wann genau?
Vermutlich im Frühjahr 2019 werden wir die Frequenzen versteigern – je nachdem, wie die Diskussion nun laufen wird.

Es wird eine Auktion geben. Rechnen Sie mit einem ähnlichen Bietergefecht wie im Jahr 2000 bei der UMTS-Versteigerung?
Die Auktionen der letzten Jahre haben sich in realistischen Größenordnungen bewegt. 50 Milliarden Euro wird der Staat sicher nicht noch einmal erlösen, auch wenn sich das manche Haushaltspolitiker wünschen mögen. Die Bundesnetzagentur zielt nicht auf Erlösmaximierung.

Wird es mehr Bieter als Telekom, Vodafone und Telefónica geben?
Es gibt nur öffentliche Äußerungen vom United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth.

Breitbandminister Scheuer hat ambitionierte Versorgungsauflagen gefordert, damit es zum flächendeckenden Ausbau kommt. Erreichen Sie das mit Ihren Vorgaben?
Die Bundesnetzagentur will anspruchsvolle Vorgaben zur Versorgung. Wir werden die Auflagen erhöhen, damit noch mehr Haushalte bis Ende 2022 nicht nur 50, sondern 100 Megabit in der Sekunde nutzen können.

Die Politik hatte deutlich mehr gefordert. Warum bleiben Sie dahinter zurück?
Die jetzt zur Vergabe anstehenden 5G-Frequenzen sind für eine weiter gehende Flächenversorgung nicht geeignet. Dazu müssen wir andere Frequenzen nutzen. Es werden in den nächsten Jahren ja Schritt für Schritt neue Frequenzen frei, die viel besser für eine Flächenversorgung genutzt werden können. Die Bundesnetzagentur verfolgt ein Ziel: Infrastrukturausbau. Daher geht es allein um die Frage: Mit welchen Bedingungen gelingt Deutschland der bestmögliche Infrastrukturausbau unter der Maxime, die Unternehmen zu fordern, aber nicht zu überfordern.

Wie teuer wären die politischen Forderungen denn geworden?
Wir haben uns ein recht genaues Bild gemacht – es wären zweistellige Milliardenbeträge pro Unternehmen, die in keinem Verhältnis zu einem möglichen Ertrag stünden. Zudem müssen alle Regeln gerichtsfest sein. Deshalb macht es gar keinen Sinn, überbordende Anforderungen an die Unternehmen, etwa im Hinblick auf die Versorgung von Straßen, zu stellen.

Sondern?
Bis Ende 2022 werden beispielsweise alle Autobahnen und Bundesstraßen mit 100 Megabit pro Sekunde zu versorgen sein. Über die Auflage für Haushalte werden darüber hinaus auch viele weitere Straßen versorgt werden. Zum Schluss muss aber jedem klar sein: Wenn wir mit zu hohen Auflagen vor Gericht scheitern, findet Digitalisierung in diesem Bereich über Jahre erst einmal nicht statt.

Die Telekom, Vodafone und Telefónica werden sich über Ihren Plan freuen, nicht aber die Discounter wie 1&1 oder Freenet. Bedeutet Ihr Beschluss das Ende dieser Konkurrenten?
Ob Freude bei den Netzbetreibern aufkommt, weiß ich nicht, schließlich fordern wir ihnen einiges ab. Die Diensteanbieter leisten einen bedeutenden Beitrag zum Wettbewerb. Rechtlich ist es nicht möglich, die Netzbetreiber zu verpflichten, ihre Netze anderen Anbietern zur Verfügung zu stellen. Die Hürden für eine sogenannte Diensteanbieterverpflichtung sind sehr hoch. Dazu müsste zunächst Marktmacht der Netzbetreiber festgestellt werden. Es gibt aber Wettbewerb im Mobilfunk. Wir sagen daher deutlich: Die Unternehmen müssen verhandeln. Denn es gilt ein Diskriminierungsverbot. Gibt es Probleme, dann bietet die Bundesnetzagentur Unterstützung an.

Der Handelsblatt Expertencall
„Funklöcher entstehen aus verschiedensten Gründen“
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