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Interview mit Raumfahrtkoordinator Thomas Jarzombek „Das halbe Raumschiff Orion wird in Bremen gebaut“

Die deutsche Weltraumtechnik kämpft mit knappen Budgets, andere Nationen geben deutlich mehr Geld aus. Thomas Jarzombek ist dennoch stolz auf die Leistungen.
17.10.2019 - 16:15 Uhr Kommentieren
„Wir sind besonders stolz auf das zum großen Teil in Bremen entwickelte European Service Modul für das neue Orion-Raumschiff der Nasa.“ Quelle: ullstein bild/Getty Images
Thomas Jarzombek

„Wir sind besonders stolz auf das zum großen Teil in Bremen entwickelte European Service Modul für das neue Orion-Raumschiff der Nasa.“

(Foto: ullstein bild/Getty Images)

Berlin Nur zu gerne würde Thomas Jarzombek (CDU), Luft- und Raumfahrtkoordinator im Bundeswirtschaftsministerium, einen deutschen Astronauten mit den USA zum Mond schicken. Geeignete Leute gäbe es – nicht aber genügend Geld im Bundeshaushalt. Andere Nationen investierten deutlich stärker als die Bundesrepublik. „Im Finanzministerium ist die Begeisterung für Raumfahrt weniger ausgeprägt als bei uns im Wirtschaftsministerium“, sagt Jarzombek.

Deutschland zähle zu den führenden Nationen in der astronomischen Raumfahrt. Jarzombek hofft, dass demnächst auch wieder ein deutscher Astronaut zur ISS aufbricht. „Besonders würde es mich freuen, wenn Matthias Maurer auf der ISS den vor ihm auf der ESA-Liste stehenden Franzosen Thomas Pesquet ablösen würde, und es dabei einen Handshake der beiden auf der ISS gäbe, als Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft.“

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Herr Jarzombek, was sind die Schwerpunkte der Bundesregierung im Weltraum?
Deutschland engagiert sich weiterhin stark bei der ISS, wir setzen einen weiteren Schwerpunkt beim Raumfahrt-Mittelstand und neuen Ansätzen, die als Newspace bezeichnet werden und von Start-ups getrieben werden. Wir beteiligen uns außerdem am Mondprojekt der Nasa. Wir sind besonders stolz auf das zum großen Teil in Bremen entwickelte European Service Modul für das neue Orion-Raumschiff der Nasa. Das halbe Raumschiff wird in Bremen gebaut. Wir liefern den Amerikanern damit den Weg zum Mond.

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    Werden nach Alexander Gerst auch wieder deutsche Astronauten ins All fliegen?
    Wir zählen zu den führenden Nationen in der astronautischen Raumfahrt. Unser Ziel ist es, dass auch Matthias Maurer seinen Flug zur ISS bekommen wird. Die ISS wird ja auf jeden Fall bis 2024 betrieben, und vermutlich auch noch darüber hinaus. Und besonders würde es mich freuen, wenn Maurer auf der ISS den vor ihm auf der ESA-Liste stehenden Franzosen Thomas Pesquet ablösen würde, und es dabei einen Handshake der beiden auf der ISS gäbe, als Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft.

    Soll denn auch ein Astronaut oder eine Astronautin aus Deutschland mit zum Mond fliegen?
    Die USA wollen die ersten Astronauten 2024 zum Mond bringen, über das Lunar-Gateway, das dann um den Mond kreisen wird. Den ersten Flug werden die Amerikaner sicher für ihre Astronauten reservieren. Es wäre natürlich toll, wenn dann möglichst bald ein deutscher Astronaut mitfliegen könnte. Die Technik und die Leute dafür haben wir, allerdings bisher nicht das Geld. 

    Woran hakt es?
    Im Finanzministerium ist die Begeisterung für Raumfahrt weniger ausgeprägt als bei uns im Wirtschaftsministerium. Für die ESA-Programme hatten wir eine Milliarde Euro beantragt, und bekommen jetzt 855 Millionen Euro. Das Budget für das nationale Programm wollten wir 2020 signifikant erhöhen, nun ist eine Steigerung von 285 Millionen auf 297 Million Euro vorgesehen.

    Ist Deutschland damit konkurrenzfähig?
    Es ist jedenfalls erst einmal so, dass andere Nationen deutlich stärker investieren. Frankreich beispielsweise gibt mehr als doppelt so viel für sein nationales Raumfahrtprogramm aus wie wir. Wir haben jetzt aber festgelegt, dass wir auf jeden Fall das Raumfahrt-Mittelstandsprogramm nicht kürzen wollen, wie es in der Vergangenheit immer wieder zugunsten der Ariane-Raketen geschehen ist.

    Wie stark setzen Sie künftig noch auf das Ariane-Programm?
    Die Ariane 6 wird wohl Ende 2020 fertig, und sie wird eine gute Rakete sein mit allen Funktionalitäten, die wir brauchen. Bei der Weiterentwicklung sind wir eher zurückhaltend, weil es ja nicht klar ist, wohin sich der Markt entwickeln wird. 

    In der privaten Wirtschaft scheint der Trend zu kleineren Raketen zu gehen. Setzen Sie ebenfalls auf diese Micro-Launcher?
    Bei den Micro-Launchern wollen wir auf jeden Fall etwas machen, das ist eine der spannendsten Technologien aus dem Bereich Newspace. Da ist auch privates Geld investiert, sodass man mit der Industrie zusammen zu marktorientierteren Lösungen kommt. 

    Sollte es für diese kleineren Raketen einen Weltraumbahnhof in Deutschland geben, wie es sich manche in der Industrie wünschen?
    Einen Weltraumbahnhof in Deutschland sehe ich eher skeptisch. Bisher werden in der Industrie eher die Projekte auf den Azoren und in Schottland favorisiert. Beide Orte sind günstig, weil sie wirklich nicht dicht besiedelt sind und einfacher als in Deutschland realisiert werden könnten. Wir wollen uns erst einmal auf die Technik konzentrieren. 

    Herr Jarzombek, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Die deutsche Industrie will zum Mond.

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