Interview mit Rolf Tophoven „Terroristischer Super-Gau wie 9 11 ist möglich“

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Welche Rolle spielt Pakistan beim Versuch, das Land zu stabilisieren?

Manche Beobachter in der Region sehen Pakistan als den Schlüsselstaat auch für die langfristige Stabilisierung Afghanistan an. Auf diesem Sektor ist aber bisher so gut wie kein Erfolg zu verzeichnen. Das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gilt nach wie vor als Hort und Ausbildungszentrum für Taliban und El-Kaida-Kommandos. Dort, auf pakistanischer Seite, werden auch Talibankader gedrillt, die dann später in den Norden Afghanistans einsickern, um dann auch gegen die Bundeswehr vorzugehen. Dabei handelt es sich zum Teil um hoch qualifizierte Experten für den bau von Bomben und raffinierten Sprengfallen. Pakistans Regierung weiß, trotz aller Lippenbekenntnisse und jüngster Militäroperationen gegen Islamisten im Swat-Tal, dass in der Stadt Quetta nahe der Grenze zu Afghanistan die Zentrale der afghanischen Taliban liegt und auch El-Kaida-Kommandos sich dort aufhalten – Aktionen dagegen gibt es nicht.

Welche Bedrohung geht von Afghanistan bzw. Pakistan für Deutschland und Europa aus?

Derzeit gibt es zwischen 30 und 40 militante Islamisten aus Deutschland, viele von ihnen Konvertiten, die sich in einen Terrorlager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufhalten sollen. Die Sorge der deutschen Sicherheitsbehörden geht dahin, dass einige von ihnen zurückkommen könnten, um hier einen massiven Terroranschlag auszuführen. Denn manche dieser potenziellen Täter fühlen sich in einem Heiligen Krieg gegen den Westen. Konkrete und gesicherte Erkenntnisse über unmittelbar bevorstehende Aktionen haben die Behörden derzeit allerdings nicht. Eine solche Lagebewertung kann sich allerdings über Nacht ändern.

Wenn von Terrorgefahr die Rede ist, denken viele noch an die Anschläge wie in New York, Madrid oder London. Sind Anschläge dieser Größenordnung auch heute noch möglich – oder ist das Risiko angesichts verstärkter Sicherheitsmaßnahmen eher gering?

Trotz verstärkter Sicherheitsmechanismen sind Anschläge wie in Madrid und London nach wie vor möglich. Erinnert sei nur an die Kofferbomber von 2006 oder die im September 2007 festgenommene sogenannte „Sauerlandgruppe“, die ja gerade in Düsseldorf vor Gericht steht. Beide Tätergruppen wollten schwerste Terroranschläge mit zahlreichen Toten und Verletzten durchführen. Einen Anschlag von der Dimension des 11.September will ich grundsätzlich nicht ausschließen, allerdings erfordert eine solche Operation eine langfristige und schwierige Planung und einen langen Atem seitens der Täter. Vielleicht ist El Kaida oder eine andere Terrorgruppe dazu derzeit noch nicht in der Lage, aber dass ein weiterer terroristischer Super-Gau wie 9/11 sich irgendwann noch mal ereignet, davon ist – auch angesichts der technologischen Möglichkeiten, die sich dem Terroristen im 21. Jahrhundert eröffnen – auszugehen.

Rolf Tophoven beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit dem Phänomen der Guerrilla und des Terrorismus. 1986 gehörte er zu den Mitbegründen des früheren Bonner Instituts für Terrorismusforschung, wo er sieben Jahre lang als stellvertretender Leiter tätig war. Seit 2003 ist er Direktor des Essener Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik.

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