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Interview Sandro Gaycken „Passen würde der Angriff zu rechten Establishment-Feinden“

Der Berliner Cyberwar-Experte Sandro Gaycken glaubt nicht an ausländische Geheimdienste als Urheber des Datendiebstahls von Politikern.
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DüsseldorfSandro Gaycken ist Direktor des Digital Society Institutes der Management-Hochschule ESMT in Berlin. Er berät die Bundesregierung und die Nato über Cyberwar. Nun mahnt er zu Geduld bei der mühsamen Aufklärung des Vorfalls.

Herr Gaycken, wissen Sie, wie die veröffentlichten Daten von Politikern eingesammelt wurden?
Ich weiß bisher auch nicht mehr als die Medien. Demnach sieht es so aus, dass sich jemand über private E-Mail-, Facebook- und Twitter-Accounts die Daten erarbeitet hat.

Ist das nicht furchtbar aufwändig?
Für Geheimdienste wäre es das nicht, sie könnten Open-Source-Intelligence nutzen. Da lässt sich vieles zusammensammeln. Es spricht aber nicht viel dafür, dass staatliche Akteure, etwa aus Russland oder China, dahinterstecken. Dafür sind die Daten eigentlich zu banal.

Wer könnte denn dahinter stehen?
Passen würde diese Form des Angriffs zu Verschwörungstheoretikern und rechten Establishment-Feinden, die so versuchen, Politiker zu diskreditieren. Es gibt auch im Darknet Anbieter, die man für solche Attacken buchen kann. Allerdings sieht das Ganze eher amateurhaft aus. Man weiß bis jetzt allerdings nicht, ob womöglich das Amateurhafte auch eine Tarnung sein kann. Das würde man erst merken, wenn noch etwas nachkommt, gezielt gegen einzelne Spitzenpolitiker.

Der Direktor des Digital Society Institutes der Management-Hochschule ESMTS in Berlin glaubt nicht, dass die Angriffe aus Russland oder China stammen. Quelle: picture alliance / Britta Peders
Sandro Gaycken

Der Direktor des Digital Society Institutes der Management-Hochschule ESMTS in Berlin glaubt nicht, dass die Angriffe aus Russland oder China stammen.

(Foto: picture alliance / Britta Peders)

Wäre dieser Vorfall jetzt nicht eine Gelegenheit, die Industrie und die Plattformen zu zwingen, mehr Sicherheit in ihre Produkte einzubauen?
Das versuchen wir doch seit 15 Jahren vergeblich. Es würde Geld kosten, das der Kunde nicht bezahlen mag. Und wenn das Sicherungssystem auch noch mehr Aufwand des Kunden verlangt, verliert man den Kunden. Ich halte die Forderung für unrealistisch.

Wie kommt es eigentlich, dass der Account über Monate Daten veröffentlicht hat, ohne dass es den für Cybersicherheit zuständigen Behörden auffiel?
Das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) ist für Privat-Accounts gar nicht zuständig, sondern für die Netze. Man kann ihm deshalb keinen Vorwurf machen. Dass dies so lange in der Nische geschah, zeigt einmal mehr, dass ein Twitter-Account mit 17.000 Followern eben nicht die breite Öffentlichkeit ist, sondern nur der Austausch Gleichgesinnter in ihrer Blase. Gerade im rechten Anti-Establishment-Milieu kommt es oft vor, dass Debatten dort lange geführt werden, bevor es die breite Öffentlichkeit merkt.

Wann, glauben Sie, wissen wir mehr?
Dafür ist eine tiefe Analyse notwendig, wo die Daten im einzelnen abgefischt wurden. Es wird nicht schnell gehen, das in den vielen Einzelfällen zurückzuverfolgen.

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