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Interview Wie Unternehmen die strengen Covid-19-Arbeitsschutzstandards umsetzen können

Homeoffice allein ist keine Lösung: Isabel Rothe, Präsidentin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz, gibt konkrete Anwendungstipps für Unternehmen.
17.04.2020 - 12:28 Uhr Kommentieren
Abstand halten und nie krank zur Arbeit, das sind die Grundregeln. Quelle: dpa
Autoproduktion in Wolfsburg

Abstand halten und nie krank zur Arbeit, das sind die Grundregeln.

(Foto: dpa)

Berlin Um trotz des weiter hohen Infektionsrisikos das langsame Wiederanfahren der Wirtschaft zu ermöglichen, hat das Bundeskabinett am Donnerstag Covid-19-Arbeitsschutzstandards beschlossen. „Wir dürfen nicht lockerlassen, wir sind längst noch nicht über den Berg“, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Es gebe so bald noch keine Rückkehr zur Normalität.

Arbeitgeber müssen etwa dafür Sorge tragen, dass Beschäftigte in Gebäuden, im Freien und in Fahrzeugen einen Mindestabstand von 1,5 Metern wahren und sich Kollegen im Betrieb und in den Pausen nicht zu nahe kommen – etwa durch Absperrungen, Markierungen oder Zugangsregelungen.

Bei unvermeidlichen Kontakten sind Arbeitgeber gehalten, Nase-Mund-Bedeckungen für Beschäftigte, aber auch für Kunden oder Dienstleister bereitzuhalten. Außerdem müssen sie für ausreichend Waschgelegenheiten und Desinfektionsmittel sorgen und Risikogruppen in ihrer Belegschaft besonders schützen.

Heil appellierte aber auch an die Beschäftigten, ihre Kollegen vor Ansteckung zu bewahren: „Es gilt der Grundsatz: Niemals krank zur Arbeit“, sagte der Arbeitsminister. Wie sich die Regierungsvorgaben umsetzen lassen, erläutert die Präsidentin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Isabel Rothe, im Interview mit dem Handelsblatt.

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    Lesen Sie hier das vollständige Interview

    Frau Rothe, wie bewerten Sie die Beschlüsse der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten zum Corona-Exit?
    Es wurde eine differenzierte, abgewogene und angemessene Lösung gefunden – auch aus Sicht des Gesundheitsschutzes. Ich schätze außerordentlich, dass die Politik den Rat der Wissenschaft aus unterschiedlichsten Disziplinen sucht und berücksichtigt. Insbesondere freut uns natürlich, dass Bundesarbeitsminister Heil heute zusätzlich verbindliche Arbeitsschutzstandards verkündet hat.

    Welche Voraussetzungen müssen aus Ihrer Sicht gegeben sein, damit das Arbeitsleben in Werkhallen und Büros wieder zum Normalbetrieb zurückkehren kann?
    Die Beschlüsse zum Infektionsschutz im Betrieb müssen, wo noch nicht geschehen, branchen- und betriebsspezifisch gemeinsam mit den Arbeitsschutzfachleuten konkretisiert und umgesetzt werden. Hygienestandards und Abstandsregelungen müssen auch im Arbeitsleben strikt eingehalten werden.

    Wie soll das gehen im Großraumbüro oder einer Werkhalle?
    Es gibt viele Möglichkeiten, um Kontakte im Arbeitsalltag zu minimieren, etwa durch technische Maßnahmen zur Abtrennung von Arbeitsbereichen, eine Lockerung der Kernarbeitszeiten, Homeoffice, Arbeitszeitkorridore oder Schichtpläne. Im Schichtbetrieb sollte darauf geachtet werden, dass möglichst immer die gleichen Kollegen zusammenarbeiten, um auch hier das Infektionsrisiko einzugrenzen. Und selbst in weitgehend vollautomatisierten Fabriken muss in Pausenräumen durch eine Sitzordnung der Abstand gewahrt werden.

    Müssen die Hygienestandards generell verschärft werden?
    Wir brauchen in den Betrieben beispielsweise ausreichend Kurzpausen und sanitäre Ausstattung, um Hygiene und Händewaschen noch häufiger zu ermöglichen. Erhöhte Reinigungsintervalle helfen, das Infektionsrisiko zu verringern. Überall, wo trotz organisatorisch-technischer Maßnahmen Bauteile übergeben werden, müssen Handschuhe Pflicht sein. Und es gibt auch bauliche Schutzvorkehrungen wie die Plexiglasscheiben, die wir zum Beispiel an vielen Supermarktkassen sehen.

    Die Arbeits- und Organisationspsychologin steht seit November 2007 an der Spitze der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua). Quelle: Sylwia Wisbar
    Isabel Rothe

    Die Arbeits- und Organisationspsychologin steht seit November 2007 an der Spitze der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua).

    (Foto: Sylwia Wisbar)

    Sollten Unternehmen Mitarbeiter weiter im Homeoffice arbeiten lassen?
    Wo das möglich ist, ja. Wir empfehlen allerdings einen Wechsel mit Präsenzphasen im Werk oder Büro. Denn der Kontakt mit den Kollegen oder dem Chef ist ein wichtiges Mittel zur guten Arbeitsorganisation und vor allem zur Stressbewältigung. Und Stress haben die Beschäftigten derzeit ja viel, von der Sorge über die eigene Gesundheit oder die von Angehörigen über die Furcht vor dem Jobverlust bis hin zu Mehrarbeit und Überbelastung.

    Kann die Wirtschaft auf eine Pandemie wie die aktuelle eigentlich ausreichend vorbereitet sein?
    In den Unternehmen ist das Thema Pandemie nicht neu, vor allem in den größeren Unternehmen gibt es auch entsprechende Pläne. Aber Covid-19 stellt alles in den Schatten, was wir in der jüngeren Vergangenheit erlebt haben. Natürlich hätten viele jetzt gerne große Vorräte an Schutzmasken im Schrank, aber das hat ja kaum jemand.

    Sollten denn Atemschutzmasken in Büro und Fabrik getragen werden?
    Überall, wo die Abstandsregelungen nicht durchgängig eingehalten werden können, macht eine Mund-Nasen-Bedeckung Sinn. Sie hilft, Beschäftigte und Kunden zu schützen. Atemschutzmasken sollten aber dem medizinischen Personal vorbehalten sein.

    Was muss geschehen, wenn es im Betrieb zu Erkrankungen kommt?
    Es ist unbedingt notwendig, dass sich der Arbeitgeber konsequent an die Maßgabe des zuständigen Gesundheitsamts hält. Hier werden Kontaktpersonen systematisch ermittelt und eventuell Quarantänemaßnahmen auch im Kollegenkreis angeordnet. Genauso wichtig ist es, den Kollegen nach überstandener Erkrankung wieder herzlich willkommen zu heißen; ein Risiko für eine Ansteckung kann dann ausgeschlossen werden.

    Mehr: Gesundheitsschutz im Betrieb ist streng, aber alternativlos.

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