Interview zur Kirchenreform „Die katholische Kirche ist too big to fail“

Christian Weisner ist Bundessprecher der Bewegung „Wir sind Kirche“. Im Interview erklärt er, warum die katholische Kirche das Rebellische im Christentum wiederentdecken muss - und was der neue Papst dafür tun kann.
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Christian Weisner (61)engagiert sich seit der Jugend in der katholischen Kirche. Er gehört zu den Mitinitiatoren der Bewegung "Wir sind Kirche". Vor acht Jahren gab er seinen Beruf als Stadtplaner auf, um sich ganz der Arbeit für die Initiative zu widmen.

Christian Weisner (61)engagiert sich seit der Jugend in der katholischen Kirche. Er gehört zu den Mitinitiatoren der Bewegung "Wir sind Kirche". Vor acht Jahren gab er seinen Beruf als Stadtplaner auf, um sich ganz der Arbeit für die Initiative zu widmen.

Herr Weisner, Wie bewerten Sie die Amtszeit von Benedikt XVI.?
Benedikt hat die Kirche geprägt, wie wohl wenige zuvor. Er war ja nicht nur acht Jahre Papst sondern auch 23 Jahre Präfekt im Vatikan. Allerdings merkt man jetzt auch: Eine Weltkirche mit 1,3 Milliarden Menschen braucht eine Person an der Spitze, die auch delegieren und mitreißen kann. Mit seinem Rücktritt macht er die Grenzen des Papst-Amtes deutlich.

Zuletzt haben die Missbrauchsfälle in der Kirche für große Aufmerksamkeit gesorgt. Was hat Benedikt dagegen getan? 

Er hat eine Wende eingeleitet und das Bewusstsein für die Sünde in der eigenen Kirche geschärft. Allerdings kam das sehr spät. Als Präfekt der Glaubenskongregation hat er noch im Jahr 2001 angeordnet, Missbrauchsfälle mit Diskretion zu behandeln.

Vor welchen Herausforderungen steht Benedikts Nachfolger?

Die Anforderungen sind fast übermenschlich. Der Nachfolger braucht einen Blick für die Weltkirche. Die meisten Katholiken leben in Lateinamerika. Er muss sich aber auch um Europa kümmern. Denn der christliche Glaube wird in seinem Stammland nicht mehr verstanden. Die größte Herausforderung aber ist die Reform der Leitung der römischen Kurie. Leider ist Ratzinger hier nicht voran gekommen, obwohl er über 30 Jahre in Rom war.

Benedikt hat seinen Rücktritt mit seinen nachlassenden Kräften begründet. Reicht es, wenn ein Nachfolger mit mehr Kraft an seine Stelle tritt?

Nein, die katholische Kirch muss sich grundlegend verändern. Wir brauchen mehr Dialog und dezentrale Strukturen. Im Moment lastet die Verantwortung für 1,3 Milliarden Katholiken auf einer Person. Das ist falsch und steht im Gegensatz zu den Zielen des Zweiten Vatikanischen Konzils Anfang der 60er-Jahre. Eigentlich sollte die Verantwortung der Bischöfe und der Ortskirchen gestärkt werden. Doch Rom hat alle Macht wieder an sich gerissen. Wir dürfen aber nicht alles Rom überlassen. Jeder Katholik muss mehr Verantwortung übernehmen.

"Wir müssen das Rebellische im Christentum neu entdecken"
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32 Kommentare zu "Interview zur Kirchenreform: „Die katholische Kirche ist too big to fail“"

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  • Sich den Massen anzubiedern? Geht's nicht doch eine Nummer kleiner? Sagenwirmal: religiöse Antworten zu finden auf heutige Probleme. Manche nennen es übrigens Reform, im Gegensatz zu Revolution.

  • @Kathole
    Auf die Couch willste nicht, dann empfehle ich als Therapie die "Kriminalgeschichte des Christentums" von Karlheinz Deschner. Brauchst nicht alles lesen, nimm dir nur einen, irgendeinen Band vor. Der reicht, um dein so arg verschobenes Weltbild wieder ins Lot zu bringen.

  • Korrekt! Die jungen Leute laufen "nicht umsonst" scharenweise aus der Kirche. Too big to fail? Die kath. Kirche wird sich noch wundern. Ich denke, genau wie So_isses, daß wir hier an einem Wendepunkt dieser Kirche angelangt sind. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Wendepunkt nach unten, kein "Durchstarten" bitteschön!

  • @Sarina
    Vergleichst du Jesus und seine Jünger etwa mit einer abgewrackten Pommesbude?

    Wenn Gott das liest, gibts aber Schicksal, Fräulein!

  • 1. Beispiel: Die christliche, von der Kirche gepredigte Lehre von der Gottesebenbildlichkeit jedes Menschen war die Basis dafür, dass die im römischen Reich weitverbreitete Sklaverei und der im römischen Reich akzeptierte Kindsmord überwunden werden könnte. Dass Mutter Teresa sich um Sterbende kümmerte (und dafür von vielen Indern verlacht wurde: warum helfen, wenn die Armen sowieso sterben) baut auf dem gleichen Fundament auf. In einem langen Prozess wurde den Menschen das Gewissen gebildet, damit man den anderen Menschen mit seiner eigenen Würde, und sei er noch so schwach, anerkennt. Es ist deshalb auch kein Wunder, dass Christen sich immer wieder gegen Sklaverei, Abtreibung und die Beihilfe zum Suizid, die wohl oft mehr ist als Beihilfe, wenden.
    2. Beispiel: Die Ausarbeitung des Naturrechts. Kirchliche Universitäten haben schon sehr früh mit der Ausarbeitung des Naturrechts begonnen, das über dem positiven Recht steht. Wie der Mensch eine eigene Seele hat, die auch seine eigene Freiheit begründet, ist sein Körper sein Eigentum, und was er einmal ehrlich erworben hat, darf ihm nicht einfach genommen werden. Daraus ist der Schutz des Privateigentums entstanden, etwas was Sozialisten und Kommunisten, aber auch manche andere Kulturen (siehe Islam, wo nicht-Moslems diese Rechte nicht haben) letztenendes nicht anerkennen.
    3. Beispiel: Die Verkündigung der grössten Wahrheit, nämlich der von Gott, eines persönlichen, mit Rationalität erkennbaren und verstehbaren Gottes. Dies bedingt, dass auch solche Bösewichte, die auf dieser Welt immer wieder davonkommen, im Jenseits gerichtet werden. Diese Lehre ist eine Gewissensbildung.
    4. Beispiel aus unserer Zeit: Der Bischof von Münster, Graf von Galen, hat zu einer Zeit als Hitlers Armeen von Sieg zu Sieg stürmten, öffentlich gegen die Euthanasie von behinderten Menschen gepredigt.

    Es liessen sich noch viele weitere Beispiele finden.

  • Echter katholischer Glaube bereitet den Weg zur Wahrheit, leitet zu wirkichem selbständigen Denken an und schützt vor staatlichen Allmachtsphantasieen und den entsprechenden Ideologien

    Was macht Sie da so sicher, dass dem so ist?
    Ich kann mich an keinen Moment in der Geschichte erinnern, wo dem jemals so gewesen wäre. Vielleicht ist das ihre Vorstellung vom Christentum, die unverwesentlicht geblieben ist, aber mit katholischer Kirche hat dies geschichtlich nicht zu tun.
    Wobei ich mich gerne eines Besseren belehren lassen würde, wenn Sie Beispiel bringen könnten, wo die katholische Kirche dieser Aufgabe irgendwo jemals gerecht geworden ist und bitte nicht mit den armen Negerlein beginnen, weil genau dort zeigt sich die ganze Monstrosität dieser Organisation namens katholische Kirche.

  • Sie sind bekennende Katholikin. Stimmt oder?
    Gut zu wissen, wenn man ihre Kommentare liest. Vor allen Dingen ihr Plädoyer bzgl. der Redlichkeit....

    Ich werde mir erlauben zur gegebenen Zeit darauf zurückzukommen.

  • Was man von Psychoheinis wie Ihnen zu halten hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Eine Psychotherapie würde ich Ihnen allerdings nicht empfehlen, eher eine Lobotomie, damit Sie endlich den Ekel loswerden, der Ihre Seele vergiftet!

  • Ja, kann sein, aber der Auftrag der Kirche ist es, das eine, ewig wahre Evangelium zu verkünden und nicht sich den Massen anzubiedern.

  • Nennen wir's ruhig beim Namen: die katholische Kirche hat abgewirtschaftet, der christliche Glaube spielt im europäischen Leben kaum noch eine Rolle.

    Das liegt allerdings nicht an der Lehre Jesu; die ist heute so gut und richtig wie vor 2000 Jahren. Nein, es liegt an Leuten wie Ratzinger, Zollitsch und vielen anderen klerikalen Zynikern, deren institutionelles Wirken nur an Machterhalt und gnadenloser Ausgrenzung orientiert ist. Auf lange Sicht wird das nicht genug sein.

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