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Isabel Schnabel

Seit 2014 ist die Finanzwissenschaftlerin Mitglied des Sachverständigenrats.

(Foto: imago images / IPON)

Isabel Schnabel im Interview „Niemand weiß, welche Risiken in der Deutschen Bank schlummern“

Isabel Schnabel reagiert erleichtert auf den Abbruch der Fusionsgespräche. Im Interview erklärt die Finanzwissenschaftlerin, warum sie auf den Bankenmarkt Europa setzt.
25.04.2019 - 17:39 Uhr 1 Kommentar

Berlin Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel hat von Anfang an bezweifelt, dass eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank Vorteile gebracht hätte. „Der Widerstand der Gewerkschaften gegen Entlassungen war erheblich“, sagte sie im Gespräch mit dem Handelsblatt. Es sei daher von Anfang an unklar gewesen, ob sich die geplanten Kostenersparnisse und Synergien wirklich hätten realisieren lassen.

„Es ist auch nicht ersichtlich, weshalb gerade diese beiden Geschäftsmodelle zusammenpassen sollten“, sagte sie. Und vor allem: „Die Risiken für die Finanzmarktstabilität hätten sich durch die Schaffung eines nationalen Bankenchampions erhöht“, befürchtet sie.

Die Idee nationaler Bankenchampions lehnt die Finanzwissenschaftlerin ab: „Es gibt doch eine Europäische Bankenunion“, sagte sie. Es gebe nichts, was eine Deutsche Bank besser könnte als eine BNP Paribas oder eine Unicredit.

Schnabel erwartet nicht, dass – anders als die Commerzbank – womöglich auch die Deutsche Bank zum Übernahmeziel durch ausländische Banken werden könnte. „Ich glaube nicht, dass sich momentan eine andere Bank an die Deutsche Bank herantraut“, sagte sie. Denn: „Niemand weiß, welche Risiken da noch aus der Vergangenheit schlummern. Die Untersuchungen zum Thema Geldwäsche fangen ja gerade erst an.“ Auch im Aktienkurs zeige sich, dass Investoren Sorgen wegen der Risken hätten.

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    Lesen Sie hier das ganze Interview:

    Frau Schnabel, Sie waren skeptisch gegenüber einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank. Wieso?
    Es war von Anfang an unklar, ob sich die geplanten Kostenersparnisse und Synergien wirklich hätten realisieren lassen. Der Widerstand der Gewerkschaften gegen Entlassungen war erheblich. Es ist auch nicht ersichtlich, weshalb gerade diese beiden Geschäftsmodelle zusammenpassen sollten. Und vor allem: Die Risiken für die Finanzmarktstabilität hätten sich durch die Schaffung eines nationalen Bankenchampions erhöht.

    Was ist falsch an der Idee eines nationalen Bankenchampions?
    Eine solche Bank wäre so groß, dass man sie in einer Krise nicht fallen lassen könnte. Das könnte für den Steuerzahler sehr teuer werden. Der IWF hat vor einiger Zeit die Deutsche Bank als die systemrelevanteste Bank der Welt bezeichnet, durch eine Fusion würde dies noch verstärkt. Ich halte es zudem für erstaunlich, dass man plötzlich wieder nationale Champions fordert. Denn eigentlich gibt es doch eine Europäische Bankenunion.

    Von Unternehmen ist häufig zu hören, dass sie eine nationale Großbank brauchen, die sie auf fremde Märkte begleitet ...
    Ich habe nie verstanden, wieso da eine nationale Großbank besser sein sollte als eine europäische. Was kann denn eine Deutsche Bank leisten, was eine BNP Paribas oder eine Unicredit nicht genauso gut könnte? Klar ist, dass Europa ein starkes Bankensystem braucht. Es gibt allerdings die Sorge, dass sich Banken im Krisenfall sofort in ihren Heimatmarkt zurückziehen. Aber wenn wir endlich einen europäischen Bankenmarkt hätten, wäre Europa der Heimatmarkt. Perspektivisch halte ich das für sehr wichtig.

    Deutsche wie Commerzbank gelten international als eher kleine Banken. Droht ihnen jetzt die Übernahme durch ausländische Konkurrenten?
    Die Deutsche Bank ist gerade nicht in einer Lage, in der sie sich überhaupt mit Übernahmen beschäftigen sollte. Sie muss sich neu aufstellen und Kosten sparen, und es wird wohl auch Entlassungen geben müssen, bevor sie in Fusionen gehen kann. Die Commerzbank hat zwar eine klarere Strategie, aber sie ist wenig profitabel; eine Fusion könnte da sinnvoll sein.

    Aber könnte die Deutsche Bank nicht gerade wegen ihrer vielen Probleme zum Übernahmeziel werden, um dann zerschlagen zu werden?
    Ich glaube nicht, dass sich momentan eine andere Bank an die Deutsche Bank herantraut. Niemand weiß, welche Risiken da noch aus der Vergangenheit schlummern. Die Untersuchungen zum Thema Geldwäsche fangen ja gerade erst an. Auch im Aktienkurs zeigt sich, dass Investoren Sorgen wegen der Risiken haben.

    Der Bankenplatz Deutschland gilt als overbanked. Was muss geschehen, damit er auf eine sinnvolle Größe schrumpft?
    Es würde helfen, wenn sich der Staat stärker aus dem Sektor zurückziehen würde, um Raum für die Privatbanken zu schaffen. Der öffentliche Bankensektor ist zu groß in Deutschland. Die Schwierigkeiten der Landesbanken wären ein guter Anlass zum Rückzug gewesen. Durch die Rettungen wurde diese Chance verpasst.

    Soll sich die Politik denn überhaupt in die Konsolidierung des Bankenmarktes einmischen?
    Als Teileigentümerin der Commerzbank muss sich die Bundesregierung natürlich um diese Bank kümmern. Wichtig ist darüber hinaus, dass sie darauf achtet, dass Banken nicht zu groß werden, um ohne Schaden für das System scheitern zu können. Das gilt grundsätzlich auch für den europäischen Bankenmarkt. Aber aus konkreten Zusammenschlüssen sollte sich die Politik eher heraushalten.

    Frau Schnabel, vielen Dank für das Interview.

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    1 Kommentar zu "Isabel Schnabel im Interview: „Niemand weiß, welche Risiken in der Deutschen Bank schlummern“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Was ist denn der europäische Bankenmarkt, insbesondere nach dem Brexit?
      Hier wird ein völlig überregulierter europäischer Markt das Opfer sein für Asien und die USA.

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