Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Israel Araber drängen in Israel auf politische Bühne – und wollen Koalition mit Gantz

Dass die Minderheit erstmals seit dreißig Jahren eine zionistische Partei unterstützt, zeigt deren zunehmende Integration in die israelische Gesellschaft.
Kommentieren

Arabische Vereinte Liste will Koalition mit Netanjahu-Herausforderer Gantz

Tel Aviv Erstmals seit drei Jahrzehnten wollen die arabischen Bürger Israels in der Innenpolitik des Landes mitspielen. Sie hätten beschlossen, Premier Benjamin Netanjahu abzulehnen und würden in den Koalitionsverhandlungen Benny Gantz als Premier unterstützen, gaben sie am Sonntagabend bekannt. Damit steigen die Chancen von Gantz, eine mehrheitsfähige Allianz zu bilden. Die Koalitionsverhandlungen werden sich aber noch über mehrere Wochen hinziehen.

Die Araber werden sich zwar aller Voraussicht nach nicht an der Regierung beteiligen. Aber sie zeigen sich bereit, die Koalition von Gantz im Parlament zu unterstützen. Israels Medien sprechen von einer „dramatischen“ Wende. Der letzte zionistische Politiker, den Israels Araber unterstützt hatten, war Jitzchak Rabin zu Beginn der 1990er Jahre.

Die arabische Unterstützung für Blau-Weiß erfolgt nicht zum Nulltarif. Die arabische Minderheit fordert zum Beispiel mehr Ressourcen, um die Kriminalität in ihren Dörfern und Städten zu bekämpfen, eine Verbesserung der Infrastruktur und die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen mit den Palästinensern, mit denen sie sich solidarisch fühlen. Das im letzten Jahr verabschiedete Nationalstaatengesetz, in dem unter anderem Arabisch nicht mehr als offizielle Landessprache anerkannt wird, müsse zudem annulliert werden, weil es diskriminierend sei.

Das neue politisches Bewusstsein der arabischen Politiker ist auf ihr gutes Resultat bei den Parlamentswahlen vor einer Woche zurückzuführen. Die arabische Einheitspartei, die Arabische Gemeinsame Liste, wird fortan mit 13 Parlamentariern in der 120-köpfigen Knesset vertreten sein. Damit ist sie nach Blau-Weiß und dem Likud die drittstärkste Kraft im Parlament. Sollte es zu einer großen Koalition mit Gantz und Netanjahu kommen, wäre die arabische Partei Oppositionsführerin und hätte Anrecht, monatlich von der Regierung informiert zu werden, auch in heiklen Sicherheitsfragen. Die Gemeinsame Liste hatte sich zum Ziel gesetzt, der Zersplitterung der arabischen Kräfte durch einen Zusammenschluss ein Ende zu setzen.

Netanjahus „Politik der Angst und des Hasses“ lehne er ab, so Parteichef Ayman Odeh. Er sehe die Araber Israels, die 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, als „Grundstein der Demokratie“. Mindestens 60 Prozent der arabischen Bürger, die volles Wahl- und Stimmrecht haben, hatten sich am Dienstag an der demokratischen Entscheidung beteiligt.

Mit dem Vormarsch der Palästinenser mit israelischem Pass sieht Netanjahu seine Befürchtungen bestätigt, wonach die Araber zum Machtfaktor werden könnten. Er bezeichnet sie als „fünfte Kolonne“ und wirft ihnen vor, Terroristen zu verherrlichen. Odeh versteht seinen Erfolg indessen als klare Botschaft, dass Juden und Araber in Israel eine gemeinsame Zukunft haben sollen, zu der auch ein gleichberechtigtes Mitwirken in der Politik gehöre.

Der jüngste Wahlerfolg der israelischen Araber ist der vorläufige Höhepunkt einer Reihe von positiven Integrationsschritten in den israelischen Mittelstand. Es besteht zwar auf vielen Gebieten nach wie vor ein großes ökonomisches und soziales Gefälle zwischen Juden und Arabern, aber der Abstand wird kleiner. So sinkt die Geburtenrate von Araberinnen seit Jahren und liegt jetzt auf dem Niveaus des jüdischen Durchschnitts. Auch gibt es immer mehr arabische Hochschulabsolventen, vor allem unter den Araberinnen.

Ob in Apotheken, in Kliniken, in Kanzleien oder in Start-ups: Die Zahl der Araber steigt. Eine wichtige Hürde auf dem Weg ins Establishment nahmen sie im Juli, als der arabische Anwalt Samer Haj Yehia Vorsitzender des zweitgrößten Geldinstitutes des Landes, der Bank Leumi, wurde.

Mehr: Israel will seine Rolle als moderner Technologietreiber festigen. Dafür eignen sich säkuläre Kräfte deutlich besser als Religionsfanatismus.

Startseite

0 Kommentare zu "Israel: Araber drängen in Israel auf politische Bühne – und wollen Koalition mit Gantz"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote