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IW-Studie Digitalisierung erhöht die Beschäftigungschancen von Menschen mit Behinderung

Die Digitalisierung erleichtert die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderung, zeigt eine Studie. Verbesserungspotential gibt es dennoch.
24.02.2020 - 17:00 Uhr Kommentieren
Die Unterstützungsleistungen für Körperbehinderte sind oft besser als für Beschäftigte mit psychischen Einschränkungen.  Quelle: picture alliance / blickwinkel/M
Arbeitnehmerin im Rollstuhl

Die Unterstützungsleistungen für Körperbehinderte sind oft besser als für Beschäftigte mit psychischen Einschränkungen. 

(Foto: picture alliance / blickwinkel/M)

Berlin Digitalstaatsministerin Dorothee Bär wurde deutlich, als der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel Ende vergangenen Jahres seine Teilhabeempfehlungen an die Bundesregierung übergab. „Wir müssen den digitalen Wandel nutzen, um Teilhabechancen für Menschen mit Behinderungen zu eröffnen“, erklärte Bär damals.

Welches Potenzial hier schlummert, hat jetzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer Studie untersucht, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Kernergebnis: Unternehmen, die bereits heute stark auf digitale Technologien setzen, beschäftigen häufiger Menschen mit Behinderungen als Unternehmen ohne Bezug zur Digitalisierung.

Die Kölner Forscher hatten dazu Mitte 2019 in ihrem IW-Personalpanel – einer repräsentativen Online-Wiederholungsbefragung unter Personalverantwortlichen – entsprechende Fragestellungen eingeschoben. Anders als bei der amtlichen Statistik zur Beschäftigung Schwerbehinderter, die nur Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten berücksichtigt, wurden auch kleinere Firmen erfasst.

Wie die Befragung unter gut 1200 Personalverantwortlichen ergab, haben gut 55 Prozent der Unternehmen in den zurückliegenden fünf Jahren mindestens einen Menschen mit Behinderung beschäftigt – zum Befragungszeitpunkt waren es nur rund 46 Prozent. Dabei steigt der Anteil nicht nur mit der Unternehmensgröße.

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    Auch die intensive Nutzung digitaler Technologien wie Online-Vertriebsplattformen, Cloud-Services, Virtual-Reality-Brillen oder dem Internet der Dinge erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass ein Unternehmen Behinderte beschäftigt, haben die Forscher ermittelt. Allerdings ist ein signifikanter Effekt erst dann zu beobachten, wenn ein Unternehmen bereits stark digitalisiert ist.

    Unterstützung im Arbeitsalltag

    Rund 30 Prozent der Unternehmen, die innerhalb der letzten fünf Jahre Menschen mit Behinderung beschäftigt haben, sehen in der Digitalisierung zudem neue Chancen für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Hier geht es einerseits um die Einstellung zusätzlicher Arbeitskräfte mit Handicap, andererseits um die Erleichterung der Arbeit von bereits beschäftigten Menschen mit Behinderung.

    So werden mobile Arbeitsgeräte wie Notebooks und Tablets, die ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen, oder Online-Kommunikationsdienste zum Informationsaustausch im Team von Personalverantwortlichen schon heute als große Erleichterung gesehen, um den Arbeitsalltag von Menschen mit Behinderung zu erleichtern. Jede fünfte Firma setzt digitale Technologien gezielt ein, um Menschen mit Behinderung im Arbeitsalltag zu unterstützen. 

    Die vom IW befragten Unternehmen haben dabei in den zurückliegenden fünf Jahren deutlich häufiger Menschen mit einer körperlichen Behinderung, sowie Seh- oder Hörgeschädigte beschäftigt, als Menschen mit einer Lern-, geistigen oder psychischen Behinderung. So gaben nur gut sieben Prozent der Personalverantwortlichen an, dass bei ihnen auch Arbeitnehmer mit psychischer Beeinträchtigung gearbeitet haben oder arbeiten. 

    Das sei insofern auffällig, da sowohl die verursachten Krankheitstage durch eine psychische Erkrankung als auch die Zahl der Schwerbehinderten mit Persönlichkeits- oder Verhaltensstörungen in den zurückliegenden Jahren stark angestiegen seien, schreiben die IW-Wissenschaftler Christoph Metzler, Anika Jansen und Andrea Kurtenacker. Eine Erklärung könnte sein, dass externe Unterstützungsmaßnahmen noch eher auf Menschen mit Körperbehinderung ausgerichtet sind als auf Beschäftige mit psychischen Beeinträchtigungen. 

    Als Warnsignal werten die Studienautoren, dass nur knapp sechs von zehn Unternehmen, die Erfahrung mit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung haben, sich ausreichend über die behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung und mögliche Hilfsmittel informiert fühlen. Nur 45 Prozent gaben an, über ausreichende Informationen zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter mit Behinderung zu verfügen.  

    Beschäftigungsboom nützt auch Menschen mit Behinderung

    Insgesamt haben vom Beschäftigungsboom der zurückliegenden Jahre aber auch Menschen mit Behinderung profitiert. So hat sich laut Bundesagentur für Arbeit (BA) die Erwerbsquote von Schwerbehinderten im Alter zwischen 15 und 64 Jahren von 41,6 Prozent im Jahr 2005 auf 49 Prozent im Jahr 2017 erhöht. Sie lag damit aber immer noch deutlich unterhalb der Quote in der Bevölkerung insgesamt (78,2 Prozent).  

    Arbeitgeber mit mindesten 20 Beschäftigten sind gesetzlich verpflichtet, auf mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze Schwerbehinderte zu beschäftigten. Sonst wird eine nach Unternemensgröße gestaffelte Ausgleichsabgabe fällig.

    Im Jahr 2017 wurde die Pflichtquote mit 4,6 Prozent – 0,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr – nicht erfüllt. Der Anteil in der Privatwirtschaft lag bei 4,1 Prozent, im Staatsdienst bei 6,5 Prozent.

    Mehr: Jeder zweite Mitarbeiter der Teemanufaktur Shuyao ist schwerbehindert. Die Gründerin Nicola Baumgartner zeigt, wie Inklusion funktionieren kann.

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