IW-Studie Energiewende kostet Stromkunden 28 Milliarden Euro

Die Energiewende wird für die deutschen Stromkunden immer teurer, zeigen neue Berechnungen. Die Branche schlägt angesichts der jüngsten Prognosen Alarm und will offenbar mehr Kraftwerke als geplant abschalten.
Update: 24.08.2015 - 08:04 Uhr 63 Kommentare

Energiewende kostet Stromkunden 28 Milliarden Euro

Energiewende kostet Stromkunden 28 Milliarden Euro

DüsseldorfDie Kosten der Energiewende belaufen sich für die Stromkunden auf 28 Milliarden Euro pro Jahr. Ein Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden zahlt somit 270 Euro im Jahr für die Umsetzung der Energiewende. Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für das Handelsblatt. Die Berechnungen beinhalten neben den Kosten für die Förderung der erneuerbaren Energien auch die durch die Energiewende verursachten Kosten des Netzausbaus. Auch die jüngsten Beschlüsse zur zusätzlichen Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und zum Aufbau einer Kapazitätsreserve sind berücksichtigt.

„Die Energiewende ist mit der Annahme gestartet, dass die Energiekosten hierzulande beherrschbar bleiben und international in vergleichbarem Maße ansteigen. Beides hat sich nicht bewahrheitet“, klagt Barbara Minderjahn, Geschäftsführerin des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), angesichts der IW-Zahlen. BDI-Präsident Ulrich Grillo schlägt Alarm: „Die Berechnungen machen klar, mit welchen Kosten die Energiewende wirklich verbunden ist. Unternehmen fürchten, dass sie sogar noch weiter steigen“, sagte er dem Handelsbaltt.

Koalitionspolitiker sehen Handlungsbedarf: „Insgesamt muss die Große Koalition noch mal nacharbeiten“, sagt Carsten Linnemann, Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union, dem Handelsblatt. „Die Folgen der Energiewende entwickeln sich zu einem bedrohlichen Standortnachteil, der Investoren abschreckt und Arbeitsplätze kostet“, sagte Linnemann.

Unterdessen wollen die Energieversorger wollen bundesweit einem Zeitungsbericht zufolge immer mehr Kraftwerke stilllegen. Insgesamt 57 konventionelle Kraftwerke sollten abgeschaltet werden, berichtete die „Bild“ am Montag unter Berufung auf Zahlen der Bundesnetzagentur. Das seien neun mehr als noch zu Jahresbeginn. Grund sei nach Angaben der Betreiber die fehlende Rentabilität wegen der Energiewende.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigte sich über die Entwicklung sehr besorgt und warnte vor Problemen für die Versorgungssicherheit. BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller sagte der Zeitung: „Die Lage für Bestandskraftwerke spitzt sich immer weiter zu. Und auch im Kraftwerksneubau droht eine Eiszeit: Jede zweite geplante Anlage steht auf der Kippe.“ Müller betonte, Gas- und Kohlekraftwerke würden aber auch in Zukunft dringend gebraucht.

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63 Kommentare zu "IW-Studie: Energiewende kostet Stromkunden 28 Milliarden Euro"

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  • Alle, die von Anfang an gesagt haben, dass die sogenannte "Energiewende" die größte wirtschaftspolitische Fehlentscheidung in der Geschichte der Bundesrepublik war, sehen nun immer deutlicher, wie recht sie hatten. Unbezahlbar, unsinnig, international mitleidig belächelt. So sieht das inzwischen auch der WELTENERGIERAT und die allermeisten Energiefachleute. Wann begreifen es Frau Merkel und Herr Gabriel?

  • Ich kann Herrn Ulrich zustimmen. Die Katastrophe dieser "Energiewende" begann mit dem kopfgesteuerten Atom-Ausstieg. Und das kurz nachdem die Laufzeit der AKW verlängert wurde. Daraus soll schlau werden wer kann. Es bleibt dabei, dass sich die Politik nicht dort einmischen soll, wo der ökonomische Sachverstand Priorität haben muss.

  • @Herr Feldhaus

    Die Idee, private Speicher anzuzapfen ist doch schon ansich hirnrissig. Denn die Speicher brauchen die Besitzer ja selbst, ob im eigenen Auto oder im Eigenheim. Zudem, was nutzen 15 Mio Speicher, aus denen man viellieicht mal je 5 oder 10 KWh abzapfen kann, wenn ich in einer sonnen- und wolkenlosen Woche mal 10 bis 11 MRD KWh aus Speichern bräuchte?

    Agoro selbst schreibt zu dem Thema auf Seite 118 der Präsentation unten:

    "Es zeigt sich, dass Stromkraftstoffe heute selbst im besten
    Fall noch nicht wirtschaftlich sind, da der Strom selbst bei
    kostenlosem Bezug zu teuer ist. Es treten zwar vereinzelt
    negative Strompreise an der Strombörse auf, jedoch nicht
    über die hier angesetzten 4.000 Volllaststunden pro Jahr."

    Kernaussage: selbst wenn der Strom geschenkt wird, ist er noch zu teuer und Speichern unwirtschaftlich. Das sagt doch alles. Natürlich werden gleich die Befürworter wieder um die Ecke kommen und mehr Zeiten "negativer Strompreise" fordern.

    Nur noch krank was im Land abläuft.

  • An der Stromboerse ist der Strom so billig wie noch nie. Die EVUs wollen Kraftwerke abschalten weil sie unrentabel sind. Unter anderem weil der Strom zu billig wurde. Die grossen Stromverbraucher werden ueber die Befreiung von der EEG-Umlage durch den Normalbuerger subventioniert. Von Mittelstaendlern hoere ich, dass sie den Strom noch nie so guenstig bekommen haben.

    Was wollen Grillo und Linnemann eigentlich? Irgendwas verstehe ich wohl nicht.

  • Der Verlauf dieser "Energiewende" ist einfach nur eine Katastrophe !!!

  • Was wollen Sie dem E-Auto- und Eigenheimbesitzer denn bezahlen, damit er seinen Akku als Puffer für überschüssigen Strom zur Verfügung stellt? Schließlich wird ein Akku durch jeden Lade/Entlade-Vorgang etwas verbraucht. nach 1.000 bis 3.000 Zyklen ist dann Schluss. Bei einer Tesla Powerwall müsste Ihnen der Netzbetreiber daher 15-20 Cent pro kWh Laden/Entladen zahlen. Und das rechnet sich auch nur wenn das täglich geschieht. Langzeit-Speichern ist nochmal deutlich teurer.

  • @Herr Klaus Müller

    Lieber Herr Müller, sogar die Chefs von Agora Energiewende sind der Meinung, dass wir zumindest bis zum Jahr 2030 keine neuen Speicher brauchen. Wieso? Weil bei Wind und Sonnenflaute auf konventionelle Krfatwerke zurückgegriffen werden kann:

    http://www.agora-energiewende.de/fileadmin/downloads/publikationen/Studien/Speicher_in_der_Energiewende/Agora_Speicherstudie_Web.pdf

    Heisst auf Deutsch: man kann derzeit keine bezahlbaren Speichertechnologien vorweisen, die gegenüber konventionellen Kraftwerken konkurrenzfähig wären. Lieber baut man die Windkraft immer weiter aus und schaltet dann, wenn der Wind mal einigermasse weht die Anlagen ab. Toll.

    Auch aus Ihren Links kann ich nix fundamental neues erkennen.
    "„Die Untersuchungen zeigen, dass die heutige Versorgungsqualität auch mit einer intelligenten Kombination aus Erneuerbaren Energien, Speichern und Backupkraftwerken mit erneuerbarem Gas erreichbar ist, und dass wir langfristig auf fossile und nukleare Energiequellen in der Stromerzeugung gut verzichten können."

    Dier Aussage steht nicht nur im Widerspruch zu Agora, sie geht auch nicht auf neue Speichertechnologien ein und stellt bloße Behauptungen auf. Aus meiner Sicht nur bla, bla.

    Deutschlands Verbraucher (privat und Gewerbe) fragen im Jahr rd. 600 MRD KWh an Strom nach. Schalten wir die konventionellen Kraftwerke ab, ergibt das nach heutigem Stand einen Speicherbedarf von rd. 1,6 MRD KWh für jeden sonnen- und windarmen Tag.
    So, und nun sollten sich Deutschlands Ingenieure mal auf die Suche nach dem billigen Superspeicher machen.

  • Wer immer noch an dem Argument "Wenn die Sonnen nicht scheint und der Wind nicht weht" beweisen möchte, dass die Energiewende niemals funktionieren kann, sollte sich einmal über das Kombikraftwerk2 informieren. Das alte "Sonne scheint nicht, Wind weht nicht" ist nur noch etwas für Dumpfbacken.
    http://www.kombikraftwerk.de/
    https://www.youtube.com/watch?v=SF7R2b2uEPg

  • @Jo Wo
    Autos gehören grundsätzlich auf die Straße und nur zum Laden in die Garage. Fraglich ist auuserdem, wie hoch denn die Begeisterung der Besitzer der Kleinspeicher in Auto und Haushalt ausfallen wird, wenn die Ladezyklen der Batterie von Dritten ohne Gegenleistung ausgenuckelt werden.
    Als Fernziel werden wirwohl dann den Strom zu verbrauchen haben, wenn er wetterbedingt anfällt. Heute haben wir eine nachfragegeführte Stromerstellung, in Zukunft werden wir uns davon wohl in verabschieden dürfen. Neudeutsch heisst das dann smart grid und ist nichts anderes als eine Zuteilung.

  • Irgendwie fehlt Ihnen die Phantasie finde ich. Warum sollen nicht 5 Millionen E-Autos und 10 Millionen Kleinspeicher in Haushalten als Puffer dienen? Warum sollen nicht dezentrale BHKWs genug Kapazität zur Verfügung stellen und warum soll das nicht mittels einer Software aufeinander abgestimmt werden? Das passiert doch gerade alles hier vor unserer Haustür. Kleine Tipp: schauen Sie sich die Studien von Agora-Energiewende mal an.

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