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IW-Studie Kurzarbeiter in Deutschland stehen im internationalen Vergleich relativ gut da

Höhe und Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds variieren von Land zu Land. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat untersucht, wie Durchschnittsverdiener beim Lohnersatz abschneiden.
19.05.2020 - 08:48 Uhr Kommentieren
Die Nürnberger Behörde registriert einen Rekordansturm auf die Kurzarbeit. Quelle: dpa
Bundesagentur für Arbeit

Die Nürnberger Behörde registriert einen Rekordansturm auf die Kurzarbeit.

(Foto: dpa)

Berlin Das Kurzarbeitergeld sichert Beschäftigung in der Coronakrise, bedeutet für Arbeitnehmer aber teils empfindliche Einkommenseinbußen. Wer in Deutschland momentan gar nicht arbeitet, erhält von der Arbeitslosenversicherung 60 Prozent seines früheren Nettoeinkommens. Bei Beschäftigten mit Kindern sind es 67 Prozent.

Ab dem vierten Monat in Kurzarbeit sollen es künftig 70 beziehungsweise 77 Prozent sein, wenn die Arbeitszeit um mindestens die Hälfte reduziert ist. Ab dem achten Monat 80 beziehungsweise 87 Prozent, so hat es der Bundestag vergangene Woche beschlossen. Die Gewerkschaften hatten sich für eine Erhöhung von Anfang an stark gemacht und darauf verwiesen, dass das Kurzarbeitergeld in etlichen anderen Ländern einen höheren Prozentsatz des Lohnausfalls ausgleicht.

Das stimmt zwar. Aber: „Ein simpler Vergleich der Leistungshöhe erscheint kaum sinnvoll“, heißt es in einem neuen Kurzbericht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), der dem Handelsblatt vorliegt. Zu unterschiedlich seien die Bedingungen für das Kurzarbeitergeld und die nationalen Sozialsysteme, schreiben die IW-Forscher Holger Schäfer, Helena Schneider und Sandra Vogel.

So entspricht das Kurzarbeitergeld beispielsweise in Österreich 80 bis 90 Prozent des Nettoentgelts, in Frankreich sind es 84 Prozent, in Spanien 70 Prozent, wie das Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorhebt.

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    Aus Sicht der IW-Forscher greift dieser Vergleich aber zu kurz, weil die Rahmenbedingungen von Land zu Land stark variieren. In Dänemark etwa beruht das Kurzarbeitergeld allein auf tariflichen Regelungen. Während sich die Leistung in Deutschland am Nettolohn bemisst, ist es in anderen Ländern das höhere Bruttoeinkommen. Dafür müssen Arbeitnehmer beispielsweise in Finnland, den Niederlanden, der Slowakei oder Großbritannien auf das Kurzarbeitergeld aber auch Steuern und Sozialabgaben zahlen.

    Spanien zahlt am längsten

    Neben der Leistungshöhe ist zudem entscheidend, welche Durststrecke im Zweifel mit dem Kurzarbeitergeld überbrückt werden kann. So gibt es etwa in den Niederlanden eine hohe monatliche Leistung, dafür ist aber auch nach drei Monaten Schluss. In Deutschland liegt die reguläre Bezugsdauer bei zwölf Monaten, wegen der Coronakrise hat die Bundesregierung sie unter bestimmten Voraussetzungen auf bis zu 21 Monate verlängert. Spanien führt mit 24 Monaten die Rangliste an.

    Um die Leistungen trotz der unterschiedlichen Rahmenbedingungen zumindest ansatzweise vergleichbar zu machen, haben die IW-Forscher sich angeschaut, wie viel Kurzarbeitergeld ein alleinstehender Durchschnittsverdiener bei komplettem Arbeitsausfall (Kurzarbeit null) in zehn untersuchten Ländern erhält. Dabei greifen die Forscher auf Daten der Industrieländerorganisation OECD und des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (Etui) zurück, um die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten berücksichtigen zu können, werden sie in US-Dollar zu Kaufkraftparitäten ausgewiesen.

    Demnach kommt ein Durchschnittsverdiener in Deutschland mit dem Kurzarbeitergeld auf umgerechnet 2.028 Dollar im Monat. Finnland (2.106 Dollar), Österreich (2.721 Dollar), Frankreich (3.004 Dollar), Großbritannien (3.571 Dollar) und die Niederlande (5.436 Dollar) liegen zum Teil deutlich darüber. In Spanien (1.830 Dollar), Estland (1.817 Dollar), Italien (1.614 Dollar) und der Slowakei (1.257 Dollar) kommen Durchschnittsverdiener bei Arbeitsausfall deutlich schlechter weg.

    Die Gewichte verschieben sich allerdings, wenn man sich die Leistung über die gesamte reguläre Bezugsdauer anschaut. Hier liegt Deutschland mit umgerechnet 24.332 Dollar auf Rang vier der untersuchten zehn Länder.

    In Finnland erhalten Durchschnittsverdiener über die Bezugsdauer hinweg insgesamt 28.009 Dollar an Kurzarbeitergeld, in Frankreich sind es 36.053 Dollar, Spitzenreiter ist Spanien mit 43.920 Dollar. In den anderen untersuchten Ländern summiert sich die Gesamtleistung auf teils erhebliche geringere Beträge als hierzulande, bei Schlusslicht Estland ist schon bei 3.633 Euro Schluss.

    Die IW-Forscher verweisen aber auch darauf, dass der Sozialstaat für deutsche Arbeitnehmer, die im Zuge des Verdienstausfalls bestimmte Einkommensgrenzen unterschreiten, neben dem Kurzarbeitergeld noch andere Leistungen bereithält – etwa ergänzende Grundsicherung oder Wohngeld.

    Zudem sehen zahlreiche Tarifverträge eine Aufstockung des gesetzlichen Kurzarbeitergelds vor. „Statt nach dem Gießkannenprinzip wird dezentral entschieden, wo ein höheres Kurzarbeitergeld gezahlt werden kann, ohne dadurch Arbeitsplätze zu gefährden“, heißt es im IW-Kurzbericht.

    Mehr: Gastgewerbe erhält Unterstützung für Forderung nach Aufschub der Mindestlohnerhöhung.

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