IW-Studie Nachwuchs ist klüger als gedacht

Das deutsche Bildungssystem produziert mehr „Aufsteiger“ als erwartet: Anders als bisher angenommen, schafft der Nachwuchs bessere Abschlüsse als die Eltern. Das zeigt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft.
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Ein Drittel der 35- bis 44-Jährigen einen höheren Abschluss als der Vater. Quelle: dpa

Ein Drittel der 35- bis 44-Jährigen einen höheren Abschluss als der Vater.

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BerlinFast jeder Dritte der 35- bis 44-Jährigen einen höheren Abschluss als der Vater. Im Vergleich zur Mutter sind es sogar 40 Prozent. Nur jeder Elfte dagegen ist ein „Bildungsabsteiger“. Das sind die Ergebnisse einer Bildungsstudie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die dem Handelsblatt (Dienstagausgabe) vorliegt. Damit schafft der Nachwuchs in Deutschland – anders als bislang gedacht – bessere Bildungsabschlüsse als die Eltern.

Das zeigt eine Bildungsstudie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die dem Handelsblatt (Dienstagausgabe)vorliegt. Danach hat fast jeder Dritte der 35- bis 44-Jährigen einen höheren Abschluss als der Vater. Im Vergleich zur Mutter sind es sogar 40 Prozent. Nur jeder Elfte dagegen ist ein „Bildungsabsteiger“.

Auch die Schüler machen laut IW große Fortschritte: So ist der Anteil der Gymnasiasten nicht nur generell gestiegen, sondern besonders stark bei Kindern von Nicht-Akademikern. Konkret besuchten 2009 22 Prozent aller Siebzehnjährigen, deren Vater keinen Beruf erlernt hat, selbst eine Schule, die zum Abitur führt. Im Jahr 2000 waren es erst 17 Prozent gewesen. Stark gestiegen ist auch der Anteil der Gymnasiasten, deren Vater oder Mutter maximal eine Lehre gemacht haben. Insgesamt haben also gerade „junge Menschen aus „bildungsfernen Familien stark von der Bildungsexpansion profitiert“, schreiben die IW-Experten Mira Fischer und Wido Geis.

Das steht im Gegensatz vor allem zur jüngsten OECD-Studie von 2012. Darin warnte die Organisation, dass gerade in Deutschland die junge Generation nicht besser, sondern sogar etwas schlechter ausgebildet sei als die Eltern – anders als in den meisten anderen Ländern. Der Unterschied entsteht dadurch, dass die OECD die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen untersucht hat. In dieser Gruppe sind jedoch gerade in Deutschland viele noch nicht mit dem Studium fertig. Daneben fragt die OECD nur nach dem „höchsten Abschluss“ der Eltern. Wenn etwa ein Paar, von dem einer Akademiker ist, zwei Kinder hat, von denen nur eines studiert, ist das andere per Definition ein „Bildungsabsteiger“.

Positiv fällt die IW-Studie auch für Migranten aus: Bei 35- bis 44-Jährigen funktioniert der Bildungsaufstieg gleich gut wie bei Nicht-Migranten. Die 17-Jährigen in Deutschland geborenen Kinder von Migranten haben (unter sonst gleichen Bedingungen) sogar bessere Chancen auf Bildungsaufstieg als die ohne Migrationshintergrund.

Nur bei Kindern von Alleinerziehenden und Familien mit vielen Kindern klappt die Bildungsmobilität nach oben nicht, mahnt das IW. Diese Gruppe leide vermutlich darunter, dass alleinerziehende Mütter sie weniger unterstützen können oder dass sie mit vielen Geschwistern keine Ruhe und keinen Platz zum Lernen haben. Abhilfe müssten gerade hier Ganztagsschulen schaffen, fordert das IW.

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8 Kommentare zu "IW-Studie: Nachwuchs ist klüger als gedacht"

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  • Richtig, mehr Abiturienten bedeutet nicht automatisch klügere Leute. Im Sinne eines Race-to-the-bottom könnte hier auch eine Absenkung des Abiturniveaus Ursache sein. Bei so viel "Sozialkompetenz" wie heute gelehrt wird, bleibt natürlich wenig Platz für harte Fakten. Das waren noch Zeiten, wo wir in Deutsch Präposition mit dazugehörigem Kasus gepaukt haben. Apropos: Es heißt "Bewerbungen auf eine offene Stelle" (Akkusativ, nicht Dativ)! Und nein, ich habe nicht Germanistik studiert, alles brav in der Schule gelernt...

  • Zitat: die OECD die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen untersucht hat. In dieser Gruppe sind jedoch gerade in Deutschland viele noch nicht mit dem Studium fertig.

    Genau an diese Studie erinnere ich mich auch. Mit 34 noch nicht mit dem Studium nicht fertig? Das erscheint etwas seltsam und betrifft doch eher eine Randgruppe als die Regel. Somit kann man davon ausgehen, dass es hier tatsächlich zu weniger höheren Bildungsabschlüssen kam.

    Wenn Kinder mit Migrationshintergrund es schaffen, das Abitur zu machen, dann sollte man sich vielleicht auch mal um die Kinder Alleinerziehender und grosse Familien kümmern, weil nur einseitig Migranten zu fördern, erscheint doch ziemlich fahrlässig.

  • Schade, dass das Handelsblatt von dem klugen Nachwuchs nicht profitieren kann. Schon im ersten Satz fehlt das Verb.

  • Man sieht ,wie unterschiedlich Ergebnisse von Bildungsstudien ausfallen können, je nachdem, ob ein nationales Institut die Studie erhebt, oder sie im internationalen KOntext steht. Ich habe schon lange den Verdacht, dass die UNO- und IWF Studien (Pisa etc.) einzig und allein den Zweck verfolgen, Länder mit hochwertigen anerkannten Bildungssystemen auf ein interntaionales , niedriges Bildungsniveau zu bringen. Denn ungebildete Menschen kann man besser im Sinne von Wirtschaftstaliban manipulieren. Vor gebildeten Menschen haben diese Leute Angst. Was waren das noch für Zeiten als wir anerkannte Diplomanden (Dipl.-Ing, Dipl.-Kfm. etc) statt Bachelor hatten.

  • stimmt,deshalb haben die callcenteragentinnen und agenten überwiegend hochschulanschluß und prekäre bezahlung.

    recherchieren sie mal,warum die akademischen abschlüsse zum teil nichts mehr wert sind und darüberhinaus nicht entsprechend honoriert werden.

    selbst die unis bezahlen ein großteil ihres akademischen proletariats beschi..en

    im mittelständischen betrieb ist ein großteil der leute, die den unis entsprungen sind ohne weitere beschulung nicht zu gebrauchen.

  • Das stellt man dann bei Bewerbungen auf einer offenen Stelle fest. Die ähneln sich oft so stark, als hätte man die gleiche Internetseite abgeschrieben. Mit einer Menge aufgeblasener Adjektiven, wo beim Nachhaken schnell die Luft entweicht.
    Man macht sich nicht einmal die Mühe und geht auf die Stellenanzeige ein.

    Die eigentliche Bildung findet dann im Betrieb statt.

  • Mal wieder Handelsblatts Gefälligkeitsartikel!

    Die Bildungsabschlüsse sind "höher" . Logisch! 1968 gehörte ich zu den 10 %, die das Gymnasium besuchten. Heute gehen da knapp 40 % hin! Und???

    Betrachtet man die gesellschaftlichen (einkommensmäßigen) Aufstiegschancen heute, was kürzlich umfassend in Studien und der Presse geschah, sieht die Welt ganz anders aus: Deutschland mit ganz geringer Duchlässigkeit nach oben! Miserable Aufstiegschancen; nur in den USA sieht es ähnlich ungünstig aus. Vorbildlich Dänemark!

    Der aktuelle Artikel des HB ist ein billige, irreführende Retourkutsche auf die Fakten zur Durchlässigkeit zwischen den gesellschaftlichen Schichten. Die ist nämlich - unabhängig von der Bildung - ausgesprochen schlecht! ;-)

  • Bei der Menge Geld, was ich in die Ausbildung meiner Kinder stecke, hoffe ich das doch.

    Zugegeben, sich nur auf das Bildungssystem verlassen ..., dann ist man verlassen.

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