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Jacques Delors Centre Studie: Mehr Mitbestimmung sorgt für höhere Investitionen

Europas Firmen erwirtschaften hohe Gewinne, doch mit Investitionen halten sie sich zurück. Die Sparquote sinkt, wo Arbeitnehmer Verhandlungsmacht haben.
26.12.2019 - 09:12 Uhr Kommentieren
Die hohe Sparquote der Unternehmen kann sich auf Wachstum und Produktivität auswirken. Quelle: dpa
Sparschwein

Die hohe Sparquote der Unternehmen kann sich auf Wachstum und Produktivität auswirken.

(Foto: dpa)

Berlin Geld auf der hohen Kante erfreut vielleicht die schwäbische Hausfrau, nicht aber EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. „Seit Jahren schon investieren wir weniger in Innovation als unsere Konkurrenten“, warnte die Ex-Verteidigungsministerin, als sie Ende November im Europäischen Parlament das Programm ihrer Kommission vorstellte.

Das sei ein enormes Hindernis für Europas Wettbewerbsfähigkeit und seine Fähigkeit, den Übergang hin zu einer digitalen Welt und einer klimafreundlicheren Wirtschaft anzuführen.

Von der Leyen hatte zwar den EU-Haushalt im Blick, kritisierte indirekt aber auch die hohe Sparquote der Unternehmen, die ihr Geld lieber horten, statt es zu investieren. Einen Ausweg aus dieser Misere weist nun eine Studie des Jacques Delors Centre.

Eine Stärkung der Mitbestimmung und der Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer könnte für deutlich mehr Zukunftsinvestitionen sorgen, schreibt Nils Redeker, Policy Fellow für europäische Wirtschaftspolitik.

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    Der Ökonom und Politikwissenschaftler beklagt, dass viele Privatunternehmen zwar hohe Profite erwirtschaften, die Investitionstätigkeit aber dennoch zu wünschen übriglässt. In vielen EU-Ländern habe sie noch nicht wieder das Niveau aus Zeiten vor der Finanzkrise erreicht und liege auch unter den langjährigen Durchschnittswerten.

    Die hohe Sparquote der Unternehmen sei in dreifacher Hinsicht problematisch, heißt es in der Studie. Zum einen wirke sie sich negativ auf Wachstum und Produktivität aus.

    Zum anderen profitierten von der Sparneigung der Unternehmen vor allem die Kapitalbesitzer, die in der Regel zu den Wohlhabenderen zählen. Die gesellschaftliche Ungleichheit nehme so weiter zu. Und schließlich sei die hohe Sparquote ein wesentlicher Treiber makroökonomischer Ungleichgewichte innerhalb der Euro-Zone.

    Nach Redekers Untersuchung besteht allerdings ein Zusammenhang zwischen der Investitionstätigkeit und dem Einfluss, den Arbeitnehmer in einem Unternehmen haben. Dazu hat er Daten der zurückliegenden 20 Jahre aus einer Reihe von Industrieländern analysiert. Ergänzend wurde untersucht, ob es bei deutschen Kapitalgesellschaften mit und ohne paritätisch besetzen Aufsichtsrat Unterschiede in der Sparneigung gibt.

    Rolle der Gewerkschaften

    Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen vor allem in jenen Ländern ihr Geld horten, in denen der Einfluss der Gewerkschaften in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Und in deutschen Konzernen mit mehr als 2000 Beschäftigten, die einen paritätisch mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern besetzten Aufsichtsrat haben, liegt die Sparquote um vier Prozentpunkte unter der von Unternehmen, wo die Mitbestimmung weniger stark ausgeprägt ist.

    Bemerkenswert dabei: Die Arbeitnehmervertreter in den mitbestimmten Konzernen setzen sich nicht allein für höhere Entgelte ein. „Da Arbeitnehmer ein großes Interesse an langfristiger Produktivität und dem Überleben der Firma haben, ist es wahrscheinlich, dass sie Unternehmen, wo sie dazu in der Lage sind, dazu drängen, Umsätze für höhere Löhne wie auch Investitionen zu nutzen“, heißt es in der Studie.

    Der EU-Kommission empfiehlt Redeker deshalb eine Politik, die die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer stärkt. So kann die Europäische Union nach Artikel 153 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU die Mitgliedstaaten bei der Vertretung und kollektiven Wahrnehmung der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen, einschließlich der Mitbestimmung, unterstützen.

    Da aber europäische Mindeststandards auf diesem Gebiet nur einstimmig durchgesetzt werden können, hält Redeker einen anderen Ansatz für wirkungsvoller. Die EU-Kommission sollte ihre länderspezifischen Empfehlungen überdenken, mit denen sie Wachstum und Beschäftigung in den Mitgliedstaaten fördern will, schlägt er vor.

    Statt hier wie bisher den Fokus auf eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und möglichst flexible Arbeitsmärkte zu legen, sei es sinnvoller, die Mitbestimmung und den sozialen Dialog zu fördern. Dann, so ist Redeker überzeugt, ließe sich auch Europas Spardose entriegeln.

    Mehr: Ihre Karriere galt als so gut wie beendet. Nun steht Ursula von der Leyen als EU-Kommissionspräsidentin vor einer historischen Aufgabe.

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