Jahrestag des Mauerbaus „Kennedy war ein West-Berliner“

50 Jahre lang war Berlin Spielball in den Machtspielen der Siegermächte. Das Buch "Berlin 1961" von Fred Kempe enthüllt nun, welche Rolle der damalige US-Präsident John F. Kennedy beim Mauerbau spielte.
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50 Jahre Mauerbau

BerlinKurz nachdem die Mauer gefallen war, im Frühjahr 1990, fuhr ich im Taxi von Ost-Berlin nach West-Berlin. Ich hatte gerade meine Lehrveranstaltung über die Außenpolitik der Kennedy-Ära als erste DAAD-Gastprofessorin an der Humboldt Universität nach dem Mauerfall absolviert und fuhr zu meiner nächsten Lehrveranstaltung an die FU Berlin. 

Da mein Taxi-Fahrer ein Ostdeutscher so um die 50 Jahre alt war, wollte ich ihn testen und fragte ihn: "Können Sie sich an John F. Kennedy erinnern als er 1963 in Berlin war und seine berühmte Rede hielt "Ich bin ein Berliner"? "Klar erinnere ick mich", kam seine Antwort prompt. "Aber wissense, er hätte sagen sollen 'Ich bin ein West-Berliner'." Ich verstand sofort, bohrte aber nach, was er denn meine, und der Fahrer erwiderte: "Kennedy hat nicht für uns jesprochen, wir waren ja im Osten einjesperrt." Das saß.  

Heute vor 50 Jahren meldet am 13. August 1961 die Nachrichtenagentur AP: "Berlin - geschlossen." Walter Ulbricht und seine Genossen beginnen mit dem Mauerbau zwischen Ost- und West-Berlin und zementieren so für die nächsten 28 Jahre die Teilung Deutschlands. Pünktlich zu diesem Jahrestag ist gerade von Fred Kempe die deutsche Ausgabe seines neuen Buches "Berlin 1961", Kennedy, Chruschtschow und der gefährlichste Ort der Welt, erschienen.

Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos ist Politikwissenschaftlerin und Unternehmerin. Quelle: Privat

Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos ist Politikwissenschaftlerin und Unternehmerin.

(Foto: Privat)

Der amerikanische Publizist mit deutschen Wurzeln und fabelhaften Kenntnissen der deutschen Politik, viele Jahre Korrespondent des "Wall Street Journal" in Deutschland und heute Präsident des Atlantic Council in Washington, legt mit seinen neuen Forschungsergebnissen aus amerikanischem, sowjetischem und deutschem Archiv-Material den Finger in die deutsche Wunde von 1961: Hat der bis heute beliebteste amerikanische Präsident der Nachkriegszeit in Deutschland, John F. Kennedy, alles getan, um den Mauerbau zu verhindern? Hat Kennedy vielleicht versehentlich durch seine zögerliche Haltung in der Berlin-Frage der Sowjetunion strategische Vorteile verschafft? Hätte der Warschauer Pakt früher aufgelöst werden können, wenn Kennedy resoluter aufgetreten wäre? Das sind die zentralen Fragen, die Kempe in seinem wissenschaftlich fundierten und trotzdem faszinierend spannend zu lesendem Buch nachgeht. 

Erhellend für einen der Höhepunkte des Kalten Krieges und besonders für das ungleichgewichtige Verhältnis zwischen dem jungen, frisch ins Amt gewählten und noch unerfahrenen Kennedy und dem alten kommunistischen Schlachtross, Chruschtschow, der mit allen Wassern gewaschen war, ist folgende Szene in Kempes Buch, die sich am Sonntag, den 4. Juni 1961, 10.15 Uhr in der sowjetischen Botschaft in Wien abspielte: "Nikita Chruschtschow stand vor der sowjetischen Botschaft und wiegte sich hin und her wie ein Boxer, der ungeduldig in seiner Ringecke wartet, nachdem er die ersten Runden gewonnen hat. Ein breites Grinsen enthüllte die Lücke in seinen Vorderzähnen, während er seine kleine, fleischige Hand Kennedy entgegenstreckte."  

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6 Kommentare zu "Jahrestag des Mauerbaus: „Kennedy war ein West-Berliner“"

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  • Vielleicht sollte man den Dr. der guten Frau in Anführungsstrichen schreiben, immerhin überprüft die Uni Bonn gerade zum zweiten Mal, ob sie in ihrer Diss nicht ein wenig zu viel von anderen übernommen, beim ersten Mal ließ man ihr das ja noch durchgehen.

  • Gedächtnis an die Mauer von Berlin und die Zeit des wahren Grauens ?

    War diese Form der Menschenrecht-Eindämmung in irgendeiner Form etwas gutes ?

    NEIN

    Niemals.

    Ist die Freiheit nun heute besser wie zur Zeit der DDR und STASI ?

    NEIN !

    Und nochmal NEIN !

    Niemals.

    Was sind die Gefahren von heute des modernen Deutschlands, die man verschweigt ?

    Ständige 24 Uhr-Überwachung und Zensur des Internets
    Ständige 24 Uhr-Überwachung des Mobilfunks mit Speicherung persönlicher Daten und Abhörpraktiken
    Ständige 24 Uhr-Überwachung von öffentlichen Kameras überall
    Digitale zentrale Speicherung persönlicher Daten vom Staat
    Full Body Scans in Deutschen Flughäfen
    RFID-chips in Reisepässe Kreditkarten usw.
    Usw. usw.

  • Sehr interessanter Artikel. Dazu hätte ich jetzt noch eine Frage: Ist das tatsächlich Ihr Erlebnis, Fr. Mathiopoulos, oder haben Sie das von jemand anderem abgeschrieben? In jedem Fall sehr lehrreich und voller interessanter Gedanken.
    Beste Grüße
    Dr. Martin Klicken

  • "hätte - könnte - würde..."
    Das nützt uns heute nichts mehr.
    Was hätte denn anderes getan werden können? Einen neuen Krieg auslösen? Denn genau das war doch die Frage.
    Ich denke, jetzt im Nachhinein irgend welches Fehlverhalten Kennedy zu bescheinigen, ist ein wenig armselig
    Ich denke, wir sollten lieber dankbar sein, dass es 1989 so gekommen ist und alles dafür tun, dass Gesamtdeutschland eine gute Demokratie wird und bleibt.
    Und genau da habe ich meine Zweifel,
    So lange einige von uns nicht aufhören, auch noch immer die Nazizeit für alles heran zu ziehen, wird dies allerdings nicht gelingen.
    Also machen wir doch endlich mal einen dicken Strich unter diese Geschichte, die 1945 endete und kümmern uns lieber um die heutige Zeit. Und da gibt es eine Menge zu tun, denn derzeit driftet es alles wieder hin zu einer neuen DDR.
    Und wichtig wäre, usneren Kidnern die Geschichte neutral und ideologiefrei endlich in den Schulen zu lehren.
    So lange selbst Gymnsiasten nichts richtiges über die gesamte Zeit, bis hin zu Mauerbau und DDR, wissen, so lange kann kein richtiger Neuanfang statt finden.
    So lange sich Politiker in Berlin jeden Gedenktag, wie den morgen, unter den Nagel reißen und selbsternannte Eliten ihn feiern, aber das gesatme Volk nicht, so lange läuft was schief und Geschichte bleitbt oberflächlich
    Auch Geschichte ist in unsrem Land mittlerweile zu einer "Eliteveranstaltung" verkommen, ist mit dem 3. Okt. ebenso

  • Dieser aufschlussreiche Aufsatz und das zitierte Buch könnten uns auf dem Wege zur inneren Einheit erheblich schneller voran bringen. Die Entscheidungen der 50iger und 60iger Jahre werden wohl auch künftig unterschiedlich interpretiert werden. Die einen erachten Kennedys Zurückhaltung als den Frieden erhaltend und als kleineres Übel, andere kritisieren, dass den Ostdeutschen die dringliche Hilfe verweigert worden ist, die Kosovaren, Bosnier dgl. bereitwillig erhielten und erhalten. Fakt ist, dass diese Mauer den Menschen unermessliches Leid zugefügt hat – ein teuer erkaufter Frieden, ein Grabesfrieden, kein Krieg. Ungeschehen machen kann dieses Unrecht niemand. Betroffen sind zuerst die Hinterbliebenen der Mauertoten, die Verkrüppelten und Verstümmelten. Aber es sind auch all jene, die ihre eigene Zukunft nicht selbst planen und ausleben durften. Es sind auch jene,
    die sich den Verhältnissen angepasst haben, um mit dem Unabänderlichen (s. Kennedy) leben zu können und heute deshalb gerügt werden. Der Blick zurück muss uns vor der Wiederholung des Unrechts bewahren. Der Blick nach vorn muss sichern, dass uns die langen Schatten der Vergangenheit (incl. der Jahre zwischen 1933 und 1945) nicht die freie Sicht auf unsere gemeinsame Zukunft verdunkeln.

  • Was sollte Kennedy klügeres getan haben? Wir waren bereits mit „Souveränität der BRD“ 1955 eine geteilte Nation, weil SEITHER die Sowjets von „Kerndeutschland-Politik“ auf „Zwei-Deutsche-Staaten-Politik“ umschalteten. 1956 kam der Aufbau der Bundeswehr und Eintritt in die Nato – da war das zur Grenze zwischen verfeindeten Militärblöcken geworden!
    Kennedy konnte doch gar nicht mehr als sagen, er tritt gegen Vereinnahmung West-Berlins an! Adenauer war auch zu Gesprächen mit Ulbricht grundsätzlich nicht bereit. Da konnte nicht mehr herauskommen.
    Und Kennedy hat überhaupt nur sagen können „Ich bin ein Berliner“, weil er die Kommunisten in Kuba vor seiner Tür hatte und Amerika in ähnlicher Situation sah wie West-Berlin. Aber West-Berlin war mehr, war Berlin – alte Reichshauptstadt, mit damals noch umstrittener Hauptstadt der DDR Ost-Berlin – war EINZIGES!! Symbol – bis ZULETZT – für die Deutsche Einheit.
    Dazu hier noch: Wenn man die Einheit der Nation in den Vordergrund rückt, müsste diese nachverhandelte Regierungszerteilung heute zu Ende kommen! Der Bundestag hat mit seinem Umzug die Regierung in der Hauptstadt haben wollen, keine (historisch neue) Abtrennung des Regierungssitzes! Nach den 40 Jahren nicht noch zusätzliche Teilungs-Verwirrung! Der Verdienste Bonns („Sicherstellung der Demokratie“) müssen wir auch noch anders gedenken können.

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