Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Jens Baas im Interview „Spahn hat ein schlüssiges Gesamtpaket vorgelegt“

Der Chef der TK begrüßt Spahns Reformpläne. Gleichzeitig warnt Jens Baas vor möglichen Manipulation beim Finanzausgleich und plädiert für einen fairen Wettbewerb.
Kommentieren
Jens Baas

"Wichtig ist nun erst einmal, dass die Reform des Finanzausgleichs kommt – und zwar als Gesamtpaket und nicht in abgespeckter Version", so Baas.

(Foto: imago/Jürgen Heinrich)

Jens Baas ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK). Die größte deutsche Kasse hat mehr als zehn Millionen Versicherte. Baas lobt den Gesundheitsminister für seinen Reformeifer – befürchtet aber, dass sein Reformkonzept für den Finanzausgleich in der gesetzlichen Krankenversicherung im politischen Prozess verwässert werden könnte.

Herr Baas, die Kassen haben lange auf die Reformpläne von Jens Spahn für den Finanzausgleich warten müssen. Wie bewerten Sie die Vorschläge des Gesundheitsministers?
Insgesamt skizziert Jens Spahn mit dem Entwurf einen guten und mutigen Ansatz, der nicht nur an der Oberfläche kratzt. Mit seinem Referentenentwurf hat er ein schlüssiges Gesamtpaket vorgelegt, das zeigt, dass er die zentralen Probleme aufgreift und aktiv angeht.

Wenn er diese Reform als Ganzes umsetzt, dann ist das ein großer Schritt in Richtung fairer Wettbewerb im Gesundheitswesen. Fatal wäre hingegen, wenn am Ende aufgrund politischer Widerstände nur die Umstellung auf ein sogenanntes Vollmodell übrig bliebe. Dann können wir direkt wieder neu reformieren.

„Ein Vollmodell würde der Manipulation Tür und Tor öffnen“

Das Vollmodell bedeutet, dass künftig alle Krankheitsdiagnosen bei der Berechnung der finanziellen Zuweisungen an die Kassen zugrunde gelegt werden. Sie befürchten, dass dies das System für Manipulationen noch anfälliger machen könnte.
In der Tat: Ein Vollmodell pur wäre fatal und würde der Manipulation Tür und Tor öffnen. Das hat auch Herr Spahn erkannt. Die Eckpunkte sehen daher mehrere Elemente vor, die das Problem der Manipulation angehen, wie zum Beispiel eine Vereinheitlichung der Aufsicht.

Das ist gut so. Wichtig ist, dass diese Elemente auch tatsächlich konsequent umgesetzt werden und zeitgleich mit der Einführung des Vollmodells wirken. Die wirksamste Bremse für Manipulationen wäre aber, dass sich der Finanzausgleich nur auf seltene und schwere Erkrankungen konzentriert.

Eine weitere Neuerung ist, dass regionale Unterschiede bei den Gesundheitskosten im Finanzausgleich berücksichtigt werden sollen. Wie stehen Sie dazu?
Der sogenannte morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich zwischen den Krankenkassen ist ein komplexes System. Dem wird das Eckpunktepapier gerecht, indem es an verschiedenen Hebeln ansetzt: Es ist gut, dass regionale Unterschiede endlich berücksichtigt werden.

Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Fairness im Wettbewerb. Allerdings wird Herr Spahn noch beweisen müssen, ob er diesen wichtigen Aspekt gegen die Partikularinteressen verschiedener Länder wird durchsetzen können. Zutrauen würde ich es ihm.

Das Ziel ist ein fairer Wettbewerb

Welche Auswirkungen auf die Kassenlandschaft in Deutschland erwarten Sie durch die bundesweite Öffnung aller Krankenkassen? Wird es zu einer Konzentration oder Fusionen am Markt kommen?
Ich halte es für wenig seriös, die genauen Folgen jedes einzelnen Reformparts heute schon vorherzusagen. Für uns hat die Reform ein klares Ziel: nämlich für einen fairen Wettbewerb im Gesundheitswesen zu sorgen, von dem die gesetzlich Versicherten profitieren.

Dazu trägt eine einheitliche Aufsicht bei, die ja auch Teil der Reform sein soll. Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass der Bundesgesundheitsminister mit dieser Reform Nägel mit Köpfen machen wird.

Die Reform wird laut Gesundheitsministerium für die Kassen wohl erst 2021 finanzwirksam werden. Gleichzeitig sollen Krankenkassen mit hohen Rücklagen schon ab 2020 zur Senkung ihrer Zusatzbeiträge gezwungen werden. Wäre es nicht besser, mit dem Rücklagenabbau zu warten, bis die finanziellen Effekte der Reform feststehen?

Wichtig ist nun erst einmal, dass die Reform des Finanzausgleichs kommt – und zwar als Gesamtpaket und nicht in abgespeckter Version. Natürlich gilt dabei: je früher, desto besser. Wenn dieses Gesetz rechtzeitig greift, erfüllt Gesundheitsminister Spahn auch die in seinem Versichertenentlastungsgesetz genannte Bedingung für den Rücklagenabbau.

Die Fragen stellte Gregor Waschinski.

Startseite

Mehr zu: Jens Baas im Interview - „Spahn hat ein schlüssiges Gesamtpaket vorgelegt“

0 Kommentare zu "Jens Baas im Interview: „Spahn hat ein schlüssiges Gesamtpaket vorgelegt“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote