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Jesiden Angst in deutschen Flüchtlingsheimen

Muslimische Flüchtlinge drangsalieren Christen und kurdische Jesiden in Flüchtlingsunterkünften. Dass unter dem Wachpersonal oft Muslime sind, verschlimmert die Lage. Warum Betroffene sich allein gelassen fühlen.
Viele christliche und jesidische Flüchtlinge klagen darüber, dass sie von muslimischen Mitbewohnern drangsaliert würden. Quelle: dpa
Flüchtlingsunterkunft in Berlin

Viele christliche und jesidische Flüchtlinge klagen darüber, dass sie von muslimischen Mitbewohnern drangsaliert würden.

(Foto: dpa)

Berlin Deutschland, das ist für Fadi S. (25) ein Ort, der Sicherheit verheißt. Als sich der Syrer aus der vom Krieg gezeichneten Stadt Homs im Sommer 2015 auf den Weg nach Deutschland macht, ahnt er nicht, dass er auch in „Almania“ von Menschen bedrängt werden könnte, die ihn wegen seines christlichen Glaubens ablehnen. Die ersten Konflikte tauchen auf, als der ehemalige Zahnmedizin-Student mit 14 anderen Männern in einem Zelt untergebracht wird. Drei von ihnen sind Christen, die anderen sunnitische Muslime.

Später in der Erstaufnahmeeinrichtung hätten ihn erneut muslimische Mitbewohner drangsaliert, erzählt er. Sie hätten die gleichen islamischen Gesänge angehört wie er sie in den Jahren zuvor von islamistischen Kämpfern in Syrien gehört habe. Fadi S. sagt, da habe er Angst bekommen. Heute lebt der junge Mann in einer norddeutschen Großstadt. Ein Deutscher hat ihn vorübergehend in seiner Wohnung aufgenommen. Um den Hals trägt Fadi S. ein Lederband mit einem silbernen Kreuz, auf dem Kopf eine Baseballkappe. Sein Blick wandert hinter dicken Brillengläsern nervös hin und her.

„Das sind keine Einzelfälle, ich kenne keine Unterkunft von Garmisch bis nach Hamburg, wo wir nicht auf solche Fälle gestoßen sind“, sagt Paulus Kurt vom Zentralrat der Orientalischen Christen in Deutschland (ZOCD). „Ich habe Familien gesehen, die wegen Bedrohung freiwillig wieder zurückgekehrt sind“, fügt er hinzu. Kurt hält eine getrennte Unterbringung von Muslimen und Christen für den Königsweg. Er hat aber inzwischen festgestellt, dass dies politisch nicht durchsetzbar ist. Sein Alternativvorschlag: Christen sollten künftig nur noch in größeren Gruppen gemeinsam mit Angehörigen anderer Religionsgruppen untergebracht werden.

Wohin die Syrer zurückkehren
Ausschreitungen in Idomeni
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Im Flüchtlingslager in Idomeni an der mazedonischen Grenze ist es am Wochenende zu Ausschreitungen gekommen. Die Migranten weigern sich, in die offiziellen Aufnahmelager zu gehen. Sie wollen stattdessen ihre Weiterreise nach Mitteleuropa erzwingen – doch sie werden daran scheitern. Für viele von ihnen bleibt nur die Rückkehr nach Syrien. Angesichts der Spannungen in Indomeni warnt der griechische Minister für Bürgerschutz, Nikos Toskas, vor einer Radikalisierung wütender Migranten. Der Umgang der Behörden mit den Protestierenden müsse gut überlegt sein. „Was Sie heute sehen, sind die Dschihadisten von morgen“, sagte Toskas am Montag dem griechischen Nachrichtensender Skai.

(Foto: dpa)
Steine gegen Tränengas
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Am Sonntag hatten Migranten versucht, gewaltsam den mazedonischen Grenzzaun zu überwinden, um sich den Weg nach Mitteleuropa freizukämpfen. Sie zerstörten einen Teil des Zauns und schleuderten Steine auf die mazedonischen Sicherheitskräfte. Die mazedonische Polizei setzte massiv Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse ein. Bei den Auseinandersetzungen seien mindestens 300 Migranten und 23 mazedonische Polizisten verletzt worden, teilten Behörden und humanitäre Organisationen mit.

(Foto: Reuters)
Kein Weg nach Mitteleuropa
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In Idomeni sitzen mehr als 11.000 Menschen fest, seit die Fluchtroute über den Balkan vor wenigen Wochen abgeriegelt worden war. Seitdem fordern sie immer wieder die Öffnung der Grenze zu Mazedonien, um von dort aus weiter Richtung Deutschland und in andere europäische Länder zu kommen. Gemäß dem Abkommen werden alle Menschen, die nach dem 20. März auf illegalem Weg Griechenland erreichen, in die Türkei zurückgeschickt.

(Foto: Reuters)
Die Ersten kehren nach Palmyra zurück
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Knapp zwei Wochen nach der Rückeroberung Palmyras aus den Händen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sind die ersten geflüchteten Einwohner kurzzeitig in die syrische Oasenstadt zurückgekehrt. In von der syrischen Regierung gestellten Bussen fuhren hunderte Einwohner am Samstag in die als „Perle der Wüste“ bekannte Stadt, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Doch an eine „Perle“ erinnert in Palmyra kaum noch etwas.

(Foto: Reuters)
Zerstörte Häuser
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Viele der Rückkehrer finden nur noch Trümmer vor. Erstmals durften hunderte Bewohner am Samstag in ihre alte Heimatstadt zurückkehren – für wenige Stunden, dann wurden sie mit von der Regierung gestellten Bussen wieder nach Homs zurückgebracht. Es sei zu gefährlich, sagte ein örtlicher Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP.

(Foto: Reuters)
Sprengsätze müssen geräumt werden
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Überall lägen Sprengsätze und Minen des IS, zudem gebe es weder Wasser noch Strom. Es werde mindestens drei Wochen dauern, bis die Menschen auch über Nacht bleiben könnten.

(Foto: AP)
45 Prozent der Stadt sind zerstört
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Überwältigt vom Ausmaß der Schäden brechen einige der Rückkehrer in Tränen aus. Halb eingestürzte Wohnblocks säumen die Straßen, andere Häuser sind komplett zerstört, vor ihnen türmen sich Trümmer, kaputte Möbel und Abfall. Palmyra ist zu 45 Prozent zerstört, sagt die Provinzregierung.

(Foto: AFP)

Von Schikane und Bedrohung seien nicht nur Christen betroffen, betont Karl Hafen von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die IGFM kümmert sich vor allem um jesidische Flüchtlinge aus dem Irak. Die meisten Angehörigen dieser religiösen Minderheit sind vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflohen. Ihr Misstrauen gegenüber Muslimen ist oft groß.

„Das tun sie, weil ich Christ bin“
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