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Joint Venture mit Bolivien Bundesregierung zeigt sich irritiert über Absage von Lithium-Projekt

Das Joint Venture hätte Deutschland den Zugang zu Lithium gesichert, das unter anderem für Batterien von Elektroautos benötigt wird. Doch daraus wird wohl erstmal nichts.
06.11.2019 - 23:21 Uhr 3 Kommentare
Im dem Salzsee lagern große Vorräte an Lithium. Quelle: dpa
Salar de Uyuni in Bolivien

Im dem Salzsee lagern große Vorräte an Lithium.

(Foto: dpa)

Berlin, La Paz Das Bundeswirtschaftsministerium zeigt sich nach der Annullierung eines deutsch-bolivianischen Joint Ventures zur Lithiumgewinnung irritiert. Das Gemeinschaftsprojekt zwischen der Firma ACI Systems aus Baden-Württemberg und dem bolivianischen Staatsunternehmen YLB war erst vor gut einem Jahr ins Leben gerufen worden, ehe die bolivianische Regierung es nach Angaben von Politikern vor Ort jüngst schon wieder für beendet erklärte.

Lithium wird unter anderem zur Produktion von Batterien für Elektroautos benötigt, ist also vor allem für die Automobilindustrie von wachsender Bedeutung. Man habe die Nachricht der Annullierung „mit Überraschung und Bedauern zur Kenntnis“ genommen, teilte das Haus von Minister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch auf Anfrage mit.

Weiter hieß es von Regierungsseite: „Nachvollziehbare Gründe für diese Entscheidung sind der Bundesregierung bisher nicht bekannt.“ Man stehe mit der deutschen Botschaft in Bolivien und mit der Firma ACI Systems aus Zimmern ob Rottweil in Kontakt, um das weitere Vorgehen zu erörtern. Firmenchef Wolfgang Schmutz sagte dem „Spiegel“, es liege ihm noch keine offizielle bolivianische Stellungnahme zur Annullierung des Projekts vor.

„Wir geben dieses Projekt nicht einfach auf“, betonte Schmutz. „Jetzt werden Lösungen gesucht und gefunden. Dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Politik.“ Es gebe Verträge und rechtsverbindliche Vereinbarungen. „Aber wir wollen nicht vor Gericht, sondern lieber einvernehmliche, konstruktive Lösungen finden, die allen helfen – vor allem den Menschen vor Ort.“

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    Das im vergangenen Dezember in Berlin vereinbarte Joint Venture zielte darauf ab, Lithium aus dem bolivianischen Salzsee Uyuni zu gewinnen. Dort werden die weltweit größten Lithium-Vorkommen vermutet. Die Nachfrage nach Lithium – dem Schmierstoff für Batterien mit möglichst hoher Reichweite von 300 Kilometern und mehr – dürfte dank der Antriebs-Transformation in der Autoindustrie in den kommenden Jahren weiter steigen.

    Förderung war ab 2022 geplant

    Die bolivianische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu dem Fall. Dem Abkommen zufolge sollte YLB 51 Prozent der Anteile am Joint Venture halten. Geplant war vom Jahr 2022 an eine Förderung von 30.000 bis 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid im Jahr, mit Investitionen von 300 bis 400 Millionen Euro. Damit hätten sich Hunderttausende E-Autos mit Lithium-Batterien ausstatten lassen.

    85 Prozent des Lithiums sollten nach Deutschland gehen. Im bolivianischen Departement Potosí, in dem der Salzsee liegt, war es allerdings zu Protesten gegen das Projekt gekommen, weil die lokale Bevölkerung nach Ansicht der Demonstranten keinen guten Schnitt gemacht hatte.

    Schmutz hatte bei der Bekanntgabe des Deals vor gut einem Jahr gesagt: „Durch das Joint Venture sichert sich Deutschland erstmals nach Jahrzehnten wieder den direkten Zugriff auf wichtige, nicht-heimische Rohstoffe.“ Das Wirtschaftsministerium erklärte nun, die Bundesregierung habe sich in den vergangenen drei Jahren in Abstimmung mit ACI Systems dafür eingesetzt, „das Projekt auf die Schiene zu setzen und ihm im Interesse der lithiumbasierten deutschen Wirtschaft, aber auch im Einklang mit den ökologischen und sozioökonomischen Belangen vor Ort zum Erfolg zu verhelfen“. Ob aus diesem Vorhaben noch etwas wird, ist unklarer denn je.

    Mehr: Experten erwarten dramatische Engpässe bei Batteriezellen, denn die Nachfrage nach Rohstoffen wird dramatisch steigen. Experten rechnen mit einem weltweiten Investitionsbedarf von 140 Milliarden Dollar bis 2030.

    • dpa
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    Mehr zu: Joint Venture mit Bolivien - Bundesregierung zeigt sich irritiert über Absage von Lithium-Projekt
    3 Kommentare zu "Joint Venture mit Bolivien: Bundesregierung zeigt sich irritiert über Absage von Lithium-Projekt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der Lithiumabbau benötigt immense Mengen an Wasser. Alleine die bisherigen Projekte haben dazu geführt, dass der Grundwasserspiegel vor Ort rapide gesunken ist. Für die lokale Bevölkerung reicht das Wasser nicht einmal mehr für den normalen Gebrauch (kochen, duschen etc.) Da die Wasserversorgung in Bolivien privatisiert wurde, haben schließlich reiche Firmen die Lizenzen für Wasser bekommen und die Bevölkerung leidet. Darüber hinaus nimmt man vielen Tierarten die Lebensgrundlage, indem das Wasser abgepumpt und nur für wirtschaftliche Zwecke verwendet wird.

      Für mehr Informationen empfehle ich die kurze Doku:
      https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-der-wahre-preis-der-elektroautos-100.html

      Wieso müssen eigentlich arme Länder von vermeintlich reichen ausgebeutet werden? Wir haben in Deutschland ebenfalls Lithiumvorkommen. Können Arbeiter aus der Kohleabbau nicht umgeschult werden und Lithium in Deutschland abbauen?

    • Danke, Herr Michael - so zeichnet es sich glasklar ab: der jüngst beschlossen rasante Ausbau der benötoigten Infrastruktur dient natürlich der industrie hier, die sie installieren soll. Aber ich sehe schon viel E_Säulen, die leer stehen ! E-Autos bleiben für den individualverkehr im Großen und Ganzen bislang viel zu tuer. Die Autokonzerne bekommen zwar Geschenk vom Steuerzahler mit den bis zu 6.000 € Zuzahlung bei Neukauf von bis zu 60.000 € - aber wer kann sich denn solche teuren Autos überhaußt leisten ?

      Und der Kampf um die rohsatoffe zeigt, wie auch die Produktion der E-Autos und ihrer Akkus absolut unerträglich unsozialen Methoden zuläßt und die risiken der dortigen Natur und der Anwohner verharmlost werden - bzw. ausgelagert" werden in die Verantwortung der armen Länder, die auf den Verkauf ihres Landes angewiesen sind ...
      INVESTITIONEN SIND NÖTIG FÜR ÖFFENTLICHEN NAH- UND FERNVERKEHR !!!
      Nur so könnte eine wirkliche Wende vorbereitet werden!
      Auch dabei werden industrielle Arbeitplätze geschaffen !!! Nicht nur bei den SUV's des Hätschelkindes unserer Regierungen seit -zig Jahren ... (egal welcher Partei)...

    • Nur auf E-Mobilität zu setzen ist der falsche Weg - ist viel zu risikoreich.
      Zeigt sich an diesem Beispiel eklatant.

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