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Junge-Liberale-Chefin Ria Schröder „Politik ist nichts, worauf man sich verlassen kann“

Als sich die 27-jährige Ria Schröder 2013 für die FDP entschieden hat, war die Partei ganz unten. Jetzt führt sie die Jungen Liberalen.
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Die 27-Jährige ist zum zweiten Mal zur Chefin der Jungen Liberalen gewählt worden. Quelle: dpa
Ria Schröder

Die 27-Jährige ist zum zweiten Mal zur Chefin der Jungen Liberalen gewählt worden.

(Foto: dpa)

BerlinWenn Ria Schröder Zeit hat, sitzt sie in Vorlesungen über den Maler Peter Paul Rubens oder antike Statuen. Doch meistens findet sie sich in Konferenzsälen wieder und diskutiert mit anderen Jungen Liberalen (Julis) über Bildung, Klimaschutz oder das Wahlrecht ab 16. Erst am vergangenen Samstag wurde die 27-Jährige beim Bundeskongress der FDP-Jugendorganisation für ein weiteres Jahr zur Vorsitzenden gewählt.

Parteimitglied ist sie seit 2013. Auslöser war ihr Auslandssemester in Australien. Dort hat sie erlebt, wie der Staat alles regelt, „was Spaß macht“. Sie meint etwa das Alkohol- und Rauchverbot an allen öffentlichen Plätzen, etwa auch an Bushaltestellen unter freiem Himmel.

„Fehlt den Gesetzen ein nachvollziehbarer Grund, entziehen sie Menschen die individuelle Verantwortung“, kritisiert sie. Als dann bei ihrer Heimkehr Ende 2012 der EU-Gesundheitskommissar John Dalli Raucherschutzgesetze „wie in Australien“ forderte, wurde sie aktiv.

„Das Parteiprogramm der FDP überzeugte mich einfach“, sagt sie. Das hat sie damals selbst überrascht. Denn Rainer Brüderle war das Gesicht und Vorsitzender der Partei. Mit ihm kann sich Schröder kaum identifizieren. Das ging 2013 vielen Bürgern in Deutschland so.

Bei der Bundestagswahl im September scheiterte die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde und musste erstmals in der Geschichte der Republik die Plätze im Parlament räumen.

Schröder sah eine Chance, sich einzubringen, die Partei nach ihren Vorstellungen zu formen: mehr Bildung, Digitales und Klimaschutz. Vor allem die Bildungspolitik liegt ihr am Herzen. „Das ist der Grundstein für die individuelle Entwicklung“, sagt sie.

Im Moment würde eher Unterricht für „das Mittelmaß“ gemacht, damit auch alle durchkommen. „Dieser Anspruch ist mir zu gering“, sagt Schröder. Schulen müssten mehr auf die individuellen Fähigkeiten der Schüler eingehen. „Gleichzeitig muss Bildung für alle bezahlbar sein.“

Die Lösung sieht sie in der Digitalisierung. Lehrer könnten ihre Arbeit durch technische Hilfsmittel, etwa Programme, die systematische Fehler erkennen, verbessern. Damit könnte besser auf die unterschiedlichen Stärken und Schwächen eingegangen werden, ohne massiv Mehrkosten zu verursachen.

Sie selbst habe einen sehr privilegierten Bildungsweg gehabt, gibt sie zu. Ihr Abitur absolvierte sie auf einem privaten Internat, wo es besondere Förderangebote wie ein Selbstlernzentrum und ein Schülerparlament gab. „Mir wurde aber erst später klar, wie besonders das ist“, sagt sie. Dass sie dort in einer Klasse für Hochbegabte war, erwähnt sie nur ungern.

Nur zur Uni, wenn die Zeit reicht

Dass sie seit dem dritten Lebensjahr jedes Jahr auf Ski oder dem Snowboard steht, erzählt sie hingegen voller Begeisterung.

Auch Theater und Museen mag sie gern. Deswegen studiert sie jetzt auch noch Kunstgeschichte. Zur Uni geht sie aber nur, wenn sie neben der Arbeit bei den Julis noch genug Zeit hat. Gerade arbeitet sie an ihrer politischen Karriere. Sie kann sich gut vorstellen, hauptberuflich im Bundestag zu sitzen.

Doch ihre Ausbildung ist ihr noch wichtiger. Sie will zuerst das zweite juristische Staatsexamen abschließen. „Denn Politik ist nichts, worauf man sich verlassen kann“, sagt die Wahl-Hamburgerin.

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