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Kämpferin des Jahres Alexandria Ocasio-Cortez will das Leben aller Amerikaner verbessern

Jung, Latina, links: Ocasio-Cortez gilt durch ihre Herkunft selbst innerhalb der US-Demokraten als Außenseiterin. Aber gerade das macht die junge Politikerin so stark.
26.12.2019 - 09:11 Uhr 2 Kommentare
Quelle: action press

(Foto: action press)

Für mich ist sie eine der starken Stimmen Amerikas für das neue Jahrzehnt: Alexandria Ocasio-Cortez, die junge Frau aus der Bronx, die seit diesem Jahr ihren New Yorker Wahlkreis als Abgeordnete in Washington vertritt. „AOC“, wie ganz Amerika sie nach ihren Initialen nennt, hat es geschafft – „against all odds“, gegen alle Widerstände.

Denn AOC ist der Gegenentwurf zur amerikanischen politischen Klasse, die in Washington DC dominiert: Sie ist jung, sie ist eine Frau, sie stammt aus der Arbeiterklasse, sie ist eine Latina – und sie ist links, eine selbst ernannte „demokratische Sozialistin“ – was in Amerika wohl am ehesten vergleichbar wäre mit einer in der Wolle gefärbten Sozialdemokratin.

Selbst für ihre eigene Demokratische Partei macht sie das zur Außenseiterin – deren führende Köpfe, wie die Sprecherin des Abgeordnetenhauses Nancy Pelosi oder die zwei möglichen Trump-Herausforderer, Bernie Sanders und Joe Biden, sind mit Ende 70 weder jung, noch verkörpern sie den wachsenden Anteil der Hispanics in der US-Gesellschaft. Stattdessen stehen sie für den politischen Adel der amerikanischen Republik, der die USA des jungen 21. Jahrhundert nicht mehr zu repräsentieren scheint.

Es ist diese Lücke, die Ocasio-Cortez füllen will. Nicht auf der jahrelangen „Ochsentour“ durch die Partei, über Jugendorganisationen und Gremien, sondern als Quereinsteigerin und Aktivistin ihrer Nachbarschaft in der rauen Bronx. Hier verbringt sie den größten Teil ihrer Kindheit, erlebt die amerikanische Realität in einem der ärmsten Bezirke von New York City: Die Familie kommt trotz mehrerer Jobs der Eltern nur knapp über die Runden, der frühe Tod des Vaters mitten in der Wirtschaftskrise 2008 bringt sie in existenzielle Bedrängnis.

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    Alexandria Ocasio-Cortez hält damals gemeinsam mit ihrer Mutter die Familie durch Putzen über Wasser, kellnert in Coffeeshops und Taco-Restaurants – wie so viele in ihrer Generation. Später folgt das Studium, Wirtschaft und Internationale Beziehungen, in Boston. Zurück in der Bronx, engagiert sich AOC ehrenamtlich in Bildungsprojekten und kämpft erfolgreich gegen eine Ansiedlung des Onlinegiganten Amazon, um eine Gentrifizierung ihres Stadtviertels zu verhindern.

    Sigmar Gabriel war von 2009 bis 2017 Bundesvorsitzender der SPD. Von Dezember 2013 bis März 2018 war er zudem Vizekanzler und erst Bundeswirtschafts-, dann Außenminister. Im November legte er sein Bundestagsmandat nieder, nachdem er im aktuellen Kabinett kein Amt erhalten hatte. Gabriel ist Vorsitzender der Atlantikbrücke. Quelle: imago images / Future Image
    Sigmar Gabriel

    Sigmar Gabriel war von 2009 bis 2017 Bundesvorsitzender der SPD. Von Dezember 2013 bis März 2018 war er zudem Vizekanzler und erst Bundeswirtschafts-, dann Außenminister. Im November legte er sein Bundestagsmandat nieder, nachdem er im aktuellen Kabinett kein Amt erhalten hatte. Gabriel ist Vorsitzender der Atlantikbrücke.

    (Foto: imago images / Future Image)

    2016 macht sie nach einem Praktikum bei Senator Ted Kennedy schließlich Wahlkampf für Bernie Sanders, wirbt an Haustüren und Straßenecken für die linke Ikone. Aus einer Aktivistin wird eine Politikerin.

    Den nächsten Wahlkampf 2018 führt sie für sich selbst – und gegen das eigene Parteiestablishment: Der Gegner bei den Vorwahlen ist Joe Crowley, die Nummer vier in der Parteihierarchie der Demokraten und Platzhirsch im New Yorker Wahlkreis Bronx/Queens – bis ihm AOC mit wenig Geld und viel Enthusiasmus das Mandat abjagt. Es ist ein Underdog-Sieg, wie ihn die Amerikaner lieben.

    Typisch amerikanisch und doch anders

    Seitdem schaut nicht nur ganz Amerika auf die junge Politikerin und ihre Agenda: Ocasio-Cortez’ Themen sind einerseits typisch amerikanisch – dazu gehört der Verzicht auf Unternehmensspenden für die Politik oder die Abschaffung der teilweise monströsen Studiengebühren. Gleichzeitig setzt sie sich für eine staatliche Krankenversicherung ein und fordert die Abschaffung der Einwanderungsbehörde ICE, deren Flüchtlingspolitik sie als unmenschlich ablehnt.

    Andererseits klingen Anliegen wie die Erhöhung des Mindestlohns und die Einführung eines Green New Deals als staatliches Investitionsprogramm für mehr Klimaschutz vertraut aus europäischen Debatten. Was für mich den Unterschied bei AOC macht, ist das typisch amerikanische Think Big – während sich in Deutschland gerade linke Programmatik meistens in einer Unzahl kleinteiliger Spiegelstrich-Papiere verliert, damit sich auch ja alle innerparteilichen Kleinstgruppen in der programmatischen Konsenssoße wiederfinden können, setzt AOC auf Ambition: „We need moonshots!“ Ich hoffe, dass auch die europäische Sozialdemokratie zuhört.

    Und AOC ist nicht allein: Sie kämpft zusammen mit der Afroamerikanerin Ayanna Pressley, Ilhan Omar, die aus Somalia stammt, oder Rashida Tlaib, Tochter palästinensischer Einwanderer. Gemeinsam vertreten sie den Anspruch eines bunteren, jüngeren und durchaus radikaleren Amerikas.

    Und anders als manche Interessengruppen von Migranten in Deutschland konzentrieren sich AOC und ihre Mitstreiterinnen nicht auf Migrationsthemen, sondern gehen aufs Ganze: Sie wollen Amerika verändern und damit das Leben aller verbessern – egal ob in den USA geboren oder zugewandert.

    Aber stehen sie nur für das gute Gewissen Amerikas oder auch für künftige demokratische Mehrheiten? Ist AOC tatsächlich ein Rising Star oder doch nur eine politische Sternschnuppe? Die Debatte der amerikanischen Linken um die richtige Strategie gegen Trump und für das nächste Jahrzehnt hat bereits begonnen.

    Zu links für den politischen Mainstream?

    Skeptiker argumentieren, dass AOCs Politik sich zu weit links vom politischen Mainstream befände. Ein „Linksruck“ der Demokraten würde in Deutschland und Europa zwar „nur“ als Bekenntnis zur Sozialdemokratie verstanden werden, könnte in den USA aber zu einer weiteren Polarisierung der Gesellschaft führen – zugunsten des Populisten Trump.

    Unterstützer von Ocasio-Cortez hingegen argumentieren langfristig: Sie verweisen auf Untersuchungen, wonach AOCs politische Agenda längst mehrheitsfähig sei – nämlich in ihrer eigenen Generation der Millennials und der folgenden Generation Z. Hinzu kommt, dass sich die ethnische Struktur der USA in den nächsten Jahren weiter wandeln wird – der Anteil der immer noch überdurchschnittlich einflussreichen Wasp (White Anglo-Saxon Protestants) wird weiter schrumpfen.

    Blieben die jungen, nicht-weißen Wähler ihrer jetzigen politischen Orientierung einigermaßen treu und ließe sich ihre Wahlbeteiligung steigern, so könnte für AOC perspektivisch gelten: „Time is on my side“ (falls sie mit den Rolling Stones noch so vertraut ist wie ich als Babyboomer).

    Damit ist Alexandria Ocasio-Cortez längst viel mehr als ein „Rookie“, eine politische Anfängerin in Washington. Sie ist Galionsfigur, Hoffnungsträgerin und Projektionsfläche mit fast sechs Millionen Followern bei Twitter. Sie ist eloquent und telegen, verfügt über Charisma und Strahlkraft. Sie hat die „street credibility“ ihrer eigenen Biografie, kennt die Härten der „working class“ und ist gleichzeitig akademisch hervorragend ausgebildet.

    Ihr Talent als „Menschenfischerin“ funktioniert im Community Center genauso wie in der Talkshow oder einer Ausschusssitzung. Zwischen ihrer politischen Starpower und den blutarmen Funktionärskarrieren deutscher Nachwuchspolitiker liegt sprichwörtlich ein politischer Ozean. Ich bin gespannt: Nein, ich bin längst nicht in jeder Hinsicht ihrer Meinung. Und, ja, sie wird Fehler machen und Rückschläge erleben – aber sie hat den Raum für eine ambitionierte linke Politik weit geöffnet, nicht nur in Amerika. Und sie hat gerade erst angefangen.

    Mehr: Lesen Sie in unserem Dossier „Menschen des Jahres 2019“, wer in diesem Jahr Großes geleistet hat, wer überrascht oder enttäuscht hat.

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    2 Kommentare zu "Kämpferin des Jahres: Alexandria Ocasio-Cortez will das Leben aller Amerikaner verbessern"

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    • - Fortsetzung -

      – und das ist erst der Anfang, es gäbe so viel mehr aufzuzählen. Sie können Ihre extreme Politik nicht verteidigen – offene Grenzen, Massenmigration, hohe Kriminalität, lähmende Steuern, ein sozialisiertes Gesundheitswesen, die Lähmung der amerikanischen Energie, vom Steuerzahler finanzierte Abtreibung, Beseitigung des Zweiten Verfassungszusatzes, linksradikale Theorien von Recht und Gerechtigkeit und ständige einseitige Obstruktion des gesunden Menschenverstandes und des Allgemeinwohls."
      https://www.achgut.com/artikel/ich_schreibe_diesen_brief_fuer_die_geschichtsbuecher

      Merry Christmas, Mister President! ;-)

    • Dieser Hardcore-Sozialistin ist als Weihnachtsgeschenk dringend Ayn Rands "Atlas Shrugged" zu empfehlen und als besinnliche Lektüre der Brief von Donald Trump ans Repräsentantenhaus:
      Sie und Ihre Partei wollen unbedingt von Amerikas außergewöhnlichen Wirtschaftsdaten ablenken, dem unglaublichen Beschäftigungsboom, der Rekordbörse, dem steigenden Vertrauen und der Zufriedenheit der Bürger. Ihre Partei kann mit unserem Rekord einfach nicht mithalten: 7 Millionen neue Arbeitsplätze; die niedrigste Arbeitslosigkeit überhaupt für Afroamerikaner, Hispanoamerikaner und asiatische Amerikaner; ein wiedererstarktes Militär; ein komplett reformiertes VA (Veterans Affairs) einschließlich Choice Program und Accountability Act für unsere großartigen Veteranen; mehr als 170 neue Bundesrichter und zwei Richter des Obersten Gerichtshofs; Steuerkürzungen von historischem Ausmaß; die Beseitigung des individuellen Mandats; der erste Rückgang der Preise für verschreibungspflichtige Medikamente seit einem halben Jahrhundert; die erste neue Waffengattung der United States Military seit 1947, die Space Force; verstärkter Schutz des Zweiten Verfassungszusatzes; Reform der Strafjustiz; ein besiegtes ISIS-Kalifat und die Tötung des Welt-Terroristenführer Nummer eins, al-Bagdadi; der Ersatz des katastrophalen NAFTA-Handelsabkommens durch das vorzügliche USMCA (Mexiko und Kanada); ein erster Durchbruch in den Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit China; umfangreiche neue Handelsabkommen mit Japan und Südkorea; Rückzug aus dem schrecklichen Iran-Atomwaffen-Deal; Kündigung des unfairen und kostspieligen Pariser Klimaabkommens; Aufstieg zur Nummer Eins der Welt-Energieerzeuger; Anerkennung der israelischen Hauptstadt, Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem und Anerkennung der israelischen Souveränität über die Golanhöhen; eine enorme Reduzierung illegaler Grenzübertritte, das Ende der Catch-and-Release-Praxis und der Bau der südlichen Grenzmauer

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