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Kampf gegen Corona Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit verlässt Corona-App-Konsortium

Der Streit um eine datensichere Plattform für die geplante Corona-App geht in die nächste Runde. Jetzt kehren deutsche Wissenschaftler dem europäisches Projekt den Rücken.
20.04.2020 Update: 20.04.2020 - 07:58 Uhr 2 Kommentare
Europäisches Corona-App-Projekt Pepp-pt: Helmholtz-Institut zieht sich zurück Quelle: Reuters
Smartphonenutzer

Mit der Handy-App sollen Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig gemacht und damit Infektionsketten unterbrochen werden.

(Foto: Reuters)

Berlin Das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit (Cispa) hat sich aus dem europäischen Corona-App-Projekt Pepp-pt zurückgezogen. Das teilte einer der beteiligten Wissenschaftler, der Informatik-Professor Cas Cremers, auf Twitter mit.

Hintergrund ist ein Streit darüber, ob die Daten der App-Nutzer zentral oder dezentral gespeichert werden sollen. Mit der Handy-App sollen Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig gemacht und damit Infektionsketten unterbrochen werden.

Cremers vom Helmholtz-Zentrum befürwortet aus Datenschutzgründen eine dezentrale Speicherung. „CISPA hat sich aus dem Programm Pepp-pt zurückgezogen“, schreibt der Wissenschaftler auf Twitter. „Wir werden unsere Arbeit an DP-3T, einem dezentralisierten, quelloffenen System für die Ermittlung von Kontaktpersonen auf der Grundlage von Privacy by Design fortsetzen.“ (Hier die offizielle Begründung für den Rückzug: Link zur Webseite des Helmholtz-Zentrums.)

An der DP-3T-Technologie hinter dem Decentralized Privacy-Preserving Proximity Tracing (DP-3T) arbeiten Wissenschaftler aus mehreren europäischen Ländern – darunter auch Deutschland. Hauptpunkt ist, dass die Informationen über Kontakte dezentral – also nur auf dem Smartphone selbst – gespeichert werden. Wird ein Nutzer positiv getestet, würde diese Information über das Netzwerk an alle anderen Telefone verteilt. Diese ermitteln dann automatisch, ob sie sich zuvor in der Nähe befanden.

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    Beim zentralen Ansatz Pepp-pt würde die Liste der Risiko-Kontakte von der infizierten Person auf einen zentralen Server hochgeladen werden, sobald sie positiv auf das Virus getestet wurde. Dieser berechnet das Risiko einer Infektion und verständigt die Risiko-Kontaktpersonen. Die Sorge dabei ist, dass eine zentrale Datenspeicherung eine Re-Identifizierung der pseudonymisierten Daten ermöglichen könnte.

    Chris Boos, Mitgründer der Plattform Pan European Privacy-Protecting Proximity Tracing (Pepp-pt) sagte, es werde an beiden Lösungen gearbeitet. Letztlich solle jedes Land selbst entscheiden können.

    Hinter Pepp-pt stehen mehr als 130 Wissenschaftler und IT-Experten. Ihr Ziel ist es, ein Softwaregerüst zu schaffen, an der nationale Anwendungen andocken können. App-Entwickler sollen die Technologie integrieren, bei der mittels Bluetooth-Technik Handys von Personen ermittelt werden, mit denen ein Infizierter Kontakt hatte.

    Am Freitag hatte bereits der Schweizer Epidemiologe Marcel Salathé seinen Rückzug von Pepp-pt erklärt. Auf Twitter schrieb er: „Obwohl ich fest an die Kernideen (international, Wahrung der Privatsphäre) glaube, kann ich nicht hinter etwas stehen, von dem ich nicht weiß, wofür es steht.“ Derzeit sei Pepp-pt „nicht offen und nicht transparent genug“, erklärte der Professor der Polytechnischen Hochschule von Lausanne.

    Auch die italienische „ISI Foundation“ hat beschlossen, sich zurückzuziehen, wie Ciro Cattuto, einer der beteiligten Wissenschaftler auf Twitter mitteilte. Pepp-pt habe den öffentlichen Diskurs über die Rückverfolgung von Kontakten „maßgeblich mitgeprägt“, schrieb Cattuto. „Unklarheiten in Bezug auf Governance und Kommunikation geben jedoch Anlass zur Sorge.“ Die anhaltende Gesundheitskrise erfordere „höchste Standards für Offenheit und Transparenz“.

    Der SPD-Digitalpolitiker Jens Zimmermann warnte mit Blick auf den Streit vor einem Scheitern des Projekts. „Eine Corona App kann nur erfolgreich sein, wenn sie das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger gewinnt. So wird das definitiv nix“, schrieb der Bundestagsabgeordnete auf Twitter.

    Bis die geplante Handy-App zur Eindämmung des Coronavirus in Deutschland eingesetzt werden kann, dürfte es noch Wochen dauern. Nach Angaben von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll die App „im Laufe des Mai“ angewendet werden können. „Es muss gerade bei Datenschutz und Datensicherheit möglichst perfekt sein, bevor wir starten“, sagte Spahn im ZDF.

    Mehr: Lesen Sie hier weitere Details über den Streit bei der Entwicklung der Corona-App.

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    2 Kommentare zu "Kampf gegen Corona: Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit verlässt Corona-App-Konsortium"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Schügerl, sind sie Virologe? Oder sonst wie Experte? Ansonsten rate ich ausnahmsweise zu Dieter Nuhr - wenn man keine Ahnung hat ...

    • Dieser Schwachsinn würde die gesamte Gesellschaft durch falsche Alarme lahmlegen. Irgend wie war mit Sicherheit schon jeder indirekt mit einem Infizierten in Kontakt!

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