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Kampf gegen den Fachkräftemangel CDU will KI-Weiterbildungsplattform für 3 Milliarden Euro pro Jahr aufbauen

Mit einer KI-gesteuerten Weiterbildungsplattform will die CDU den Fachkräftemangel bezwingen. Vorbilder sind Projekte in den USA und Österreich.
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Der CDU-Bundesvorstand um die Generalsekretärin hat das Konzept für Milla beschlossen. Quelle: dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer

Der CDU-Bundesvorstand um die Generalsekretärin hat das Konzept für Milla beschlossen.

(Foto: dpa)

BerlinDie CDU plant eine von Künstlicher Intelligenz gesteuerte Weiterbildungsplattform, die möglichst viele Angebote zertifizieren und bündeln soll: Bürger sollen für die erfolgreiche Teilnahme an Kursen Prämien erhalten, Anbieter je nach Nutzung und Relevanz ihrer Programme entlohnt werden. Das Projekt soll Teil der geplanten nationalen Weiterbildungsstrategie der GroKo sein.

Die Erwartungen und Ambitionen sind dabei groß: „Milla“ (Modulares Interaktives lebensbegleitendes Lernen für Alle) soll aussehen wie Netflix, den Fachkräftemangel besiegen und Deutschlands Arbeitnehmer fit machen für die digitale Zukunft. Die Kosten sollen sich auf drei Milliarden Euro jährlich belaufen.

„Deutschland braucht mehr digitale Lösungen und gerade die Weiterbildung wird ein Erfolgsschlüssel für den digitalen Wandel sein“, sagte Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Der Bundesvorstand der CDU hat das Konzept am heutigen Montag gebilligt und will es nun dem Parteitag vorlegen. Mit Milla peile die Union die „Wende in der Weiterbildung“ an. „Milla nimmt die Menschen beim digitalen Wandel mit und stärkt die Wirtschaft“, so Kramp-Karrenbauer, „die Union ist die Partei, die die digitale Transformation erfolgreich gestalten will“.

Vorbild für die Internet-Plattform ist unter anderem das Tech Start-up U.S. Digital Service, das Ex-US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus installierte, um die US-Behörden online voranzubringen. Aber auch ein ähnliches Konzept der Österreicher habe als Vorbild gedient, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreis „Zukunft der Arbeit“ der CDU/CSU-Bundestagsfaktion, Thomas Heilmann, bei der Vorstellung des Konzeptes.

Die Kosten von drei Milliarden Euro jährlich seien angesichts der Aufgabe und der bisherigen Ausgaben für Weiterbildung vertretbar: Zuletzt seien in Deutschland knapp 30 Milliarden Euro jährlich für Weiterbildung ausgegeben worden. Gut die Hälfte der Summe hätten Unternehmen und Bürger aufgebracht. Durch die Digitalisierung drohe jedoch ein gefährliches und extrem teures Nebeneinander von Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel, so Heilmann.

Allein eine um zehn Prozentpunkte höhere Arbeitslosigkeit, die Experten für realistisch hielten, würde den Staat jährlich 265 Milliarden Euro kosten. Der gesamte volkswirtschaftliche Schaden sei noch viel größer. Da seien drei Milliarden Euro, die Arbeitnehmer fit machen für die Digitalisierung, gut angelegt und günstig.

Derzeit bildet sich nur ein Bruchteil der Beschäftigten weiter

Bisher bilden sich nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung pro Jahr lediglich drei Prozent der Berufstätigen zwischen 30 und 60 formal weiter; 39 Prozent geben eine ‚nicht formale Weiterbildung‘ an.

Ein neuer Online-Ansatz sei schon deshalb nötig, weil 75 Prozent der Software-Entwickler in Nicht-Software-Unternehmen arbeiteten, wo sie auf externe Schulung angewiesen seien. Zudem habe ein Großteil der IT-Entwickler international keinen IT-Abschluss, sondern die IT-Fähigkeiten online und durch Erfahrung erlernt.

Funktionieren soll Milla so: Jeder Anbieter könne bestehende oder neue Programme einstellen, die eine staatlichen Agentur zertifizieren und freigeben soll. Dabei könne es nicht um eine Qualitätsbewertung gehen, so Heilmann, sondern nur darum, Kriminelles und Abseitiges auszusortieren: „Es wird auf Milla keine Kurse zum Anzünden von Flüchtlingsheimen und auch keine Fortbildung für Prostituierte geben.“

Qualität und Relevanz der Kurse soll hingegen eine Künstliche Intelligenz bewerten – je nachdem in welchem Maße die Zertifikate von Arbeitgebern als Kriterien bei Bewerbungen genutzt würden. Darüber soll die KI auch den Preis für die Kurse festlegen. Ergebnis wären dann etwa „7,20 Euro für den Anbieter eines Kurses zur Programmiersprache Python“, wenn ein Teilnehmer ihn erfolgreich beendet hat - oder auch „2,10 Euro für ‚Fit bleiben mit dem Thermomix‘“, so Heilmann.

Der Algorithmus müsse das über die Jahre lernen. Um die Bürger jedoch von vorneherein zum Mitmachen zu bewegen, sollen sie Geldprämien erhalten. Die Zertifikate könnten nach dem Absolvieren von Online-Tests vergeben werden – oder auch als Abschluss eines Offline-Kurses.

Konkrete Suche für Arbeitgeber

Zielgruppe sei „die Mitte der Gesellschaft“, es gehe nicht um eine Online-Version der Kurse der Arbeitsämter für Geringqualifizierte, machte Heilmann klar. Vom Kursangebot könnten jedoch selbst Menschen mit Schreib- und Leseschwächen profitieren – Studien zufolge soll es bis zu sieben Millionen erwachsene ‚funktionale Analphabeten‘ in Deutschland geben, die nicht flüssig lesen und schreiben können.

Arbeitgebern biete das System auch die Möglichkeit, gezielt Personen mit bestimmten Kenntnissen anzusprechen. So könne etwa eine Nachricht an alle Absolventen eines bestimmten Kurses versandt werden, dass es sich für sie lohnen könnte, sich bei einem bestimmten Unternehmen zu bewerben, ohne, dass dieses die Kontaktdaten der Teilnehmer erhält, wenn diese das nicht wollen.

Generell soll Milla die Schwäche des bisherigen Weiterbildungslandschaft ausbügeln: Die 4,5 Millionen Angebote sind selten digital fokussiert und für Arbeitgeber und Arbeitnehmer oft völlig unübersichtlich und übers Land verstreut. Es gibt keine Erfolgsmessung und kaum Möglichkeiten, Kurse individuell anzupassen.

Unklar ist noch, wo Milla angedockt werden soll: Entweder beim Kanzleramt, bei der Bundesagentur für Arbeit oder auch beim Bildungsministerium. Das Haus von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sei eingeweiht in die Planung, habe aber klar gemacht, dass es das Projekt nicht allein stemmen könne, so Heilmann. Das liegt auch daran, dass Milla keinesfalls von Beamten, sondern von einem Team aus erfahrenen und jungen IT-Experten und Start-up-Adepten aufgebaut werden soll.

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