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Kampf gegen die Pandemie Gesundheitsämter sollen Corona-Quarantänefälle per Handy-App überwachen

Noch warten alle gespannt auf die die Corona-Warn-App, da plant die Regierung schon die nächste Anwendung. Mit einer weiteren App sollen die Gesundheitsämter Quarantänefälle kontrollieren.
14.05.2020 - 03:53 Uhr Kommentieren
Die Ämter stellen die allgemeine Kontaktnachverfolgung ein. Quelle: dpa
Gesundheitsamt

Die Ämter stellen die allgemeine Kontaktnachverfolgung ein.

(Foto: dpa)

Berlin Für viele Politiker und Experten ist die Sache klar: Eine Rückkehr zur Normalität in der Coronavirus-Pandemie wird ohne eine stärkere Überwachung der Bevölkerung kaum möglich sein. Doch der Einsatz von digitalen Hilfsmitteln hat seine Tücken. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) durfte das bei seine Corona-Warn-App erleben, die immer noch nicht verfügbar ist, weil Streitigkeiten um Zuständigkeiten und Speichervarianten für die Nutzerdaten den Zeitplan verhagelten.

Trotzdem plant Spahns Haus bereits die nächste App zur Eindämmung der Pandemie. Die Gesundheitsämter sollen künftig mit einer Handy-App kontrollieren können, ob sich Coronainfizierte und Kontaktpersonen an die häusliche Quarantäne halten.

Geplant sei eine „Webapplikation zur Entlastung des öffentlichen Gesundheitsdienstes bei dem Prozess des Symptom-Checks in häuslicher Quarantäne befindlicher Personen“, heißt es in einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine schriftliche Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Konstantin Kuhle, die dem Handelsblatt vorliegt. Aktuell werde eine technische Lösung entwickelt, die eine „freiwillige digitale Meldung“ durch Betroffene an das zuständige Gesundheitsamt erlaube.

Das Ministerium verspricht sich von einer digitalen Quarantäne-Überwachung eine Entlastung der örtlichen Behörden. Corona-Kontaktpersonen seien gemäß den Weisungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes „angehalten, während der häuslichen Quarantäne ihren Gesundheitszustand zu überwachen und dem Gesundheitsamt täglich Informationen zum Gesundheitszustand zu übermitteln“. Dies geschehe aktuell häufig telefonisch und sei „mit einem erheblichen personellen Aufwand verbunden“, heißt es in der Antwort auf die FDP-Anfrage.

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    FDP kritisiert neue App-Pläne

    Mit der geplanten Quarantäne-App, die laut Ministerium als „Symptomtagebuch“ angelegt ist, soll dies künftig einfacher vonstattengehen. Die in Quarantäne befindlichen Personen hätten mit der App die Möglichkeit, Informationen zu ihrem Gesundheitszustand per Online-Fragebogen zu übermitteln.

    Weitere Details zu der geplanten App finden sich in einer Antwort des Ministeriums auf eine schriftliche Anfrage des FDP-Digitalpolitikers Manuel Höferlin, die dem Handelsblatt ebenfalls vorliegt. Mithilfe der Anwendung werde den Mitarbeitern der Gesundheitsämter ermöglicht, die Fälle zu identifizieren, für die eine „priorisierte Kontaktaufnahme“ erforderlich sei, zum Beispiel bei einer Verschlechterung der Symptome, heißt es in der Antwort.

    Zudem erhielten die Behörden die Möglichkeit, sich mittels einer Übersichtsfunktion einen Überblick über den Gesundheitszustand der Quarantäne-Fälle zu verschaffen. Laut Ministerium wird die App in der Pilotphase vom Start-up Climedo Health sowie dem US-amerikanischen Softwareunternehmen SAS Institute entwickelt, das sich auf die Auswertung großer Datensätze spezialisiert hat.

    Der FDP-Politiker Kuhle kritisierte die Pläne des Ministeriums. „Die Entwicklung einer Corona-Tracing-App muss Vorrang vor anderen Lösungen wie einer Quarantäne-App haben“, sagte der Abgeordnete . „Es ist nicht hilfreich, wenn die Bundesregierung verschiedene Apps ankündigt und dann mit der Fertigstellung nicht hinterherkommt.”

    Finanzhilfen für Gesundheitsämter

    Vorgaben zur häuslichen Isolierung regelt heute schon das Infektionsschutzgesetz. Quarantäne kann demnach bei „Kranken sowie Krankheitsverdächtigen, Ansteckungsverdächtigen und Ausscheidern“ angeordnet werden. Zuständig dafür sind die Gesundheitsämter. Bei einem Corona-Verdacht wird der Zustand der betroffenen Person in der Regel für 14 Tage beobachtet.

    So lange dauert nach bisherigem Wissensstand die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Beginn von Symptomen der Krankheit. Um auf eine Veränderung des Gesundheitszustandes rasch reagieren zu können wird Betroffenen geraten, bei Symptomen das Gesundheitsamt oder einen Arzt zu kontaktieren.

    Im Kampf gegen das Coronavirus kommt den 375 Gesundheitsämter in Deutschland eine entscheidende Rolle zu. Die Große Koalition versprach den Ämtern deshalb Unterstützung. So hatte die Bundesregierung angekündigt, 105 mobile Teams zu schulen, die Gesundheitsämter beim Nachverfolgen von Infektionsketten vor Ort unterstützen können.

    Gesetzespläne von Union und SPD sehen zudem eine Finanzspritze von 50 Millionen Euro für die Gesundheitsämter vor, um vor allem die Digitalisierung von Prozessen voranzubringen. Das Robert-Koch-Institut soll dauerhaft eine Kontaktstelle für den öffentlichen Gesundheitsdienst mit zusätzlichen 40 Stellen bekommen.

    Für zumindest kurzfristige Entspannung dürfte sorgen, dass sich das Wachstum der Infektionszahlen zuletzt verlangsamt hat. So lag die Ansteckungsrate lange unter dem als kritisch geltenden Wert von eins. Die erste Welle der Seuche gilt als eingedämmt, Lockerungen sind beschlossen. Kanzlerin Angela Merkel sprach am Montag von einer „neuen Phase der Pandemie“. Denn unter Kontrolle ist das Virus noch nicht.

    Seehofer gegen Anreize für Warn-App

    Deshalb geht es vor allem darum, dass die Gesundheitsämter Kontakte und Infektionsketten nachverfolgen und Menschen isolieren können. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat geschätzt, dass die Ämter derzeit rund 1000 Neuinfektionen pro Tag bewältigen könnten. In der vergangenen Woche pendelte die Zahl der vom RKI gemeldeten Neuinfektionen um diesen Wert herum.

    Beim Aufspüren der Fälle soll auch die geplante Warn-App helfen. Die Anwendung soll eine Warnung an ihre Nutzer schicken, wenn sie sich länger in der Nähe einer Person aufgehalten haben, die positiv auf den Erreger der Lungenkrankheit Covid-19 getestet wurde. Die dafür notwendigen Daten zu via Bluetooth registrierten Kontakten sollen nicht zentral gespeichert werden, sondern nur beim Nutzer selbst.

    Die Bundesregierung hat für die Entwicklung der Anwendung den Softwarehersteller SAP und die Deutsche Telekom mit ins Boot geholt. Es wird erwartet, dass eine entsprechende Anwendung im Juni zum Download zur Verfügung stehen wird. Die Nutzung der App müsse absolut freiwillig sein, betonte Innenminister Horst Seehofer. Er sagte: „Was ich nicht möchte, dass man von einer Freiwilligkeit spricht, aber so viele Anreize diskutiert, dass man nun von der Freiwilligkeit nicht mehr reden kann.“

    Der EU-Politiker Axel Voss (CDU) hatte vorgeschlagen, Nutzer der Warn-App sollten mehr Freiheiten bekommen als diejenigen, die sie nicht herunterladen. App-Nutzer sollten etwa im grenznahen Bereich als erste wieder reisen dürfen. „Wer eine solche App hat, sollte auch zuerst wieder ins Restaurant, ins Kino, ins Theater und ins Freibad dürfen“, schlug er vor. Kritik an dieser Idee kam zuletzt auch von der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken.

    Mehr: Lesen Sie hier, wie die EU gewährleisten will, dass Corona-Apps auch im Ausland funktionieren.

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