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Kampf gegen Geldwäsche Schmutziges Geld im Profifußball: Vereine und Spielerberater geraten ins Visier der Politik

Die EU sieht undurchsichtige Deals im Fußball als Geldwäscherisiko. In Deutschland sollen die Regeln nun verschärft werden: Müssen Bundesligavereine bald verdächtige Finanzströme melden?
15.10.2020 Update: 15.10.2020 - 13:30 Uhr 1 Kommentar
Im Profifußball fließen enorme Summen. Müssen Vereine künftig verdächtige Zahlungen melden? Quelle: dpa
Fußballplatz

Im Profifußball fließen enorme Summen. Müssen Vereine künftig verdächtige Zahlungen melden?

(Foto: dpa)

Berlin Hinweise auf finanzielles Foulspiel im Profifußball gibt es schon länger: Wiederholt warnte die EU-Kommission, dass undurchsichtige Geldströme bei Transfers oder fragwürdige Honorare für Spielerberater ein Nährboden für Geldwäsche seien. Vergangenes Jahr rief die europäische Exekutivbehörde in einer Analyse zu den Risiken von Geldwäsche und Terrorfinanzierung dazu auf, stärker gegen die Unterwanderung der Profiligen mit schmutzigem Geld vorzugehen.

Doch die Bundesregierung unternahm nach dem Warnruf aus Brüssel erst einmal nichts. Nun kommt aus den Bundesländern ein Vorstoß, die finanziellen Regeln für Fußballvereine der Profi- und Halbprofi-Ligen in Deutschland deutlich zu verschärfen. Auch Fachpolitiker im Bundestag sehen Handlungsbedarf.

Bremen, das aktuell den Vorsitz der Justizministerkonferenz innehat, hat ein Papier mit Beschlussvorschlägen erarbeitet. Demnach sollen Vereine und im Profifußball tätige Spielervermittler zur Einhaltung des Geldwäschegesetzes verpflichtet werden. Das würde bedeuten, dass sie Vermögenswerte aus Straftaten aufspüren und Verdachtsfälle melden müssen. Bundesligaklubs müssten dann Geldwäschebeauftragte bestellen, die Herkunft von Geldern genauer durchleuchten und dokumentieren sowie bei Unregelmäßigkeiten eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten.

„Bestechungs- und Korruptionsaffären, Geld aus ominösen Quellen, teils undurchsichtige Deals und Investoren – all das macht deutlich, dass der Sport besonders gefährdet ist, durch kriminelles Geld zersetzt zu werden“, sagte Bremens Justizsenatorin Claudia Schilling (SPD). „Es muss bei den Bundesligavereinen eigentlich ein ureigenes Interesse geben, dass sie nicht nur ihr eigenes Tor, sondern den gesamten Laden sauber halten.“

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    Unterstützung erhält Schilling aus den Koalitionsfraktionen im Bundestag. „Wir prüfen, ob Profifußbalvereinen die gleichen Pflichten wie etwa Banken, Notaren oder Anwälten auferlegt werden sollten zur effektiveren Bekämpfung von Geldwäsche“, sagte der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner, dem Handelsblatt.

    Seine Fraktion werde diesen Vorschlag in das jetzt startende parlamentarische Verfahren zum Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Geldwäsche zur Diskussion stellen. „Wenn Profivereine erkennen können, dass Ablösezahlungen mit illegalen Geldern bezahlt werden, muss es eine Meldepflicht geben“, so Fechner.

    Der CSU-Rechtspolitiker Volker Ullrich sagte: „Das Geldwäschegesetzes wird sehr bald ins parlamentarische Verfahren kommen. Hier gilt es dann nachzubessern und auch einen Blick auf weitere mögliche Konstellation zu werfen.“

    Werden Vereine, Spielervermittler und Fußballbosse zur Geldwäschemeldung verpflichtet?

    Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch den Entwurf für ein Gesetz zur Verbesserung der strafrechtlichen Bekämpfung der Geldwäsche beschlossen. Aber nach Ansicht von Bremens Justizsenatorin Schilling löst der Entwurf von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) das Problem im Profifußball nicht.

    Zwar sei die Reform, die Ermittlern den Nachweis von Geldwäsche erleichtern soll, „ein richtiges Signal“, sagte sie. „Gerade der für schmutziges Geld anfällige Profisport und insbesondere der kommerzielle Fußball muss dabei allerdings auch in den Blick genommen werden.“

    Der Vorstoß aus Bremen zielt darauf ab, Akteure aus dem Profisport ausdrücklich als sogenannte Verpflichtete nach dem Geldwäschegesetz zu bestimmen. Bislang gehören unter anderem Finanzinstitute, Versicherungsunternehmen, Rechtsanwälte, Immobilienmakler und Spielbanken zu diesem Kreis.

    Spielervermittler und Fußballbosse könnten auf der Liste folgen, wenn sich die Länder einigen und der Bund mitmacht. Bei Verstößen gegen die Kontroll- und Meldepflichten drohen empfindliche Bußgelder.

    Die Union im Bundestag will zunächst den Hinweisen der EU-Kommission auf Risiken von Geldwäsche im Bereich des Profifußballs nachgehen. „Wenn wir Klarheit darüber haben, wie und in welchem Umfang inkriminierte Gelder in den Spielermarkt eingeschleust werden, dann werden wir die geldwäscherechtlichen Vorschriften auf diesen Bereich auch erweitern“, sagte die finanzpolitische Sprecherin der Unions-Bundestagsfraktion, Antje Tillmann (CDU).

    Das Risiko in der Bundesliga scheine allerdings geringer als in anderen europäischen Spielklassen – und zwar wegen der sogenannten 50+1-Regelung, die Investoren nur eine Minderheitsbeteiligung an Profivereinen erlaubt. „Es wäre daher wünschenswert, den Bereich des Profifußballs bei der künftigen Überarbeitung der europäischen Geldwäschevorgaben stärker ins Blickfeld zu nehmen“, so Tillmann.

    Schilling hält dagegen, dass die 50+1-Regel in der Bundesliga längst nicht überall greife. „Undurchsichtige Spielertransfers oder Werbeabsprachen werden dadurch nicht verhindert, aber auch in diesem Bereich müssen wir aktiv werden“, sagte sie.

    EU-Kommission warnt vor großem Geldwäscherisiko im Profifußball

    Die EU-Kommission sieht ein hohes Geldwäscherisiko im Profifußball, da dort enorme Summen „ohne offensichtlichen oder erklärbaren finanziellen Gewinn“ investiert würden. Insbesondere bei Spielertransfers bestünden Zweifel an der Legalität der Geldströme.

    Auch die Financial Action Task Force der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kam zu dem Schluss, dass der professionelle Fußball mit seinen bisweilen „irrationalen“ und kaum nachvollziehbaren Ablöse- und Investitionssummen sowie einem Mangel an Aufsicht und Transparenz bei grenzüberschreitenden Finanzströmen besonders anfällig für das Einschleusen von kriminellem Geld sei.

    Oppositionspolitiker im Bundestag forderten die Regierung auf, nicht auf gesetzgeberische Vorgaben aus Brüssel zu warten. „Wo viel Geld bewegt wird, gibt es auch viel schmutziges Geld“, sagte der Linksfraktionsvize Fabio De Masi. „Profiklubs sind Investments der Superreichen.“

    Der Transfermarkt mit seinen „windigen“ Beratern, die Vermarktung von Lizenzrechten über Briefkastenfirmen und die Geschäfte der Wett-Mafia seien ideal für Geldwäsche. „Es ist daher sinnvoll, das Geldwäschegesetz anzupassen“, so De Masi.

    Auch die Grünen plädieren dafür, die finanziellen Regelungen für Fußballvereine der Profi- oder Halbprofi-Liga zu verschärfen. Finanzexpertin Lisa Paus sagte: „Es ist nicht nur schwer erträglich, wenn sich Fußballer mit Millionengehältern um ihren fairen Beitrag zum Gemeinwesen drücken wollen.“ Es gebe auch „großen gesellschaftlichen Schaden, wenn der noch populäre Volkssport Fußball vom organisierten Verbrechen unterwandert wird“.

    Bremens Justizsenatorin Schilling ist überzeugt, dass Anhaltspunkte zur Geldwäsche aus anderen europäischen Ligen eine strengere Regelung auch in Deutschland erfordern: „Dass etwa die niederländische Rabobank mittlerweile Fußballklubs als Kunden ablehnt, spricht Bände.“ Die Rabobank hatte im August 2019 Medienberichten zufolge erklärt, auf Vereine im Profifußball als Kunden zu verzichten. Das Geldhaus machte in diesem Geschäftsfeld „unannehmbare Risiken von Geldwäsche, Korruption, Betrug und anderen Missbräuchen“ aus.

    Mehr: Im Kampf gegen Geldwäsche müssen Unternehmen schärfere Meldepflichten erfüllen

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    1 Kommentar zu "Kampf gegen Geldwäsche: Schmutziges Geld im Profifußball: Vereine und Spielerberater geraten ins Visier der Politik"

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    • Finanzexpertin Lisa Pausa sagte: „Es ist nicht nur schwer erträglich, wenn sich Fußballer mit Millionengehältern um ihren fairen Beitrag zum Gemeinwesen drücken wollen.“

      Ob sie dafür konkrete Beweise bzw. Beispiele hat? Außerdem geht das doch eigentlich am Thema vorbei, oder irre ich mich?

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