Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kampf um CDU-Vorsitz Norbert Röttgen: „Nord Stream 2 war nie im deutschen Interesse“

Anders als Parteikollegen will der CDU-Außenpolitiker das Pipeline-Projekt stoppen und bekräftigt seine Kandidatur für den Parteivorsitz. Für CSU-Chef Söder hat er ein vergiftetes Lob.
06.10.2020 - 06:29 Uhr 6 Kommentare
Röttgen gilt als Außenseiter im Rennen um den Parteivorsitz der CDU. Ein Favorit will er aber auch gar nicht sein. Quelle: dpa
Norbert Röttgen (CDU)

Röttgen gilt als Außenseiter im Rennen um den Parteivorsitz der CDU. Ein Favorit will er aber auch gar nicht sein.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Norbert Röttgen hat sich erneut für einen Stopp des umstrittenen Gaspipeline-Projekts Nord Stream 2 starkgemacht. Mit Blick auf die Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny sagte Röttgen, einer derartigen Gewaltpolitik Russlands müsse man aggressiver entgegentreten. Aber nicht nur deshalb. „Ich bin Realpolitiker und kein Moralist“, sagte er am Montagabend beim Ständehaus-Treff der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf. Nord Stream 2 sei nie im deutschen Interesse gewesen. Einseitige Abhängigkeiten – wie in diesem Fall von Russland – sollten vermieden werden. Zuletzt hatte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Handelsblatt-Interview gegen einen Stopp ausgesprochen.

Röttgen war Ehrengast beim traditionsreichen Ständehaus-Treff, der allerdings nicht im Ständehaus stattfand, sondern bereits zum zweiten Mal coronabedingt in die Merkur-Spielarena verlegt wurde. Der Kandidat für den Vorsitz der CDU – und somit mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch für den Posten des Kanzlerkandidaten – stellte sich vor rund 500 Gästen den Fragen des Chefredakteurs der „Rheinischen Post“, Moritz Döbler.

Ein Wahlkampf in Corona-Zeiten: „Geht das?“, fragte Döbler. „Ja, wenn auch angepasst“, antwortete Röttgen. Man müsse sich noch mehr darauf einstellen, mit dem Virus zu leben. „Wir können nicht nur Corona-Politik machen, das Leben muss auch weitergehen.“

Norbert Röttgen gilt als Außenseiter im Rennen um den Parteivorsitz der CDU. Der 55-Jährige spielte zu Beginn der Pandemie kaum eine Rolle in der Debatte um Schulschließungen und die Corona-Maßnahmen. Sein Konkurrent um den Parteivorsitz, Armin Laschet, hatte da als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen die deutlich bessere Ausgangsposition. Und auch der zweite Mitbewerber, der frühere Bundestagsfraktionschef Friedrich Merz, war mit einigen Einwürfen deutlich zu vernehmen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Was Röttgen versäumt hat, versucht er nun nachzuholen: In den vergangenen Wochen war er die zentrale Stimme in der Debatte um Nawalny und die möglichen Folgen für Nord Stream 2.

    Röttgen sieht sich jedenfalls auf Augenhöhe mit seinen Mitstreitern: „Jeder hat eine Chance, es zu schaffen.“ Röttgen scheint sich in seiner Außenseiterrolle ganz wohlzufühlen: „Die Favoritenrolle hat ihre Schwierigkeiten.“ Der Tag der Entscheidung soll der 4. Dezember sein, wenn die CDU zu ihrem Bundesparteitag in Stuttgart zusammenkommt.

    Der vierte im Bunde ist übrigens der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Der kann zwar nicht CDU-Chef werden, aber durchaus Kanzlerkandidat der Union. Für ihn hat Röttgen ein vergiftetes Lob übrig: Beide waren schon mal Umweltminister, Söder in Bayern, Röttgen im Bund. Im Gegensatz zu Söder, sagt Röttgen, sei er schon vor dem Atomunfall von Fukushima kritisch gegenüber der Kernenergie gewesen. Der bayerische Ministerpräsident zeige da eine Flexibilität, die er nicht nur in diesem Themengebiet unter Beweis stelle.

    Röttgen trat bei dem Ständehaus-Treff selbstbewusst und entschlossen auf. Ob CDU-Vorsitz oder Bundeskanzler: „Ich traue es mir zu.“ Seine Kandidatur sei „kein Lustakt gewesen“.

    Bis zu dieser Kandidatur war es ein weiter Weg für Röttgen. In der Landtagswahl 2012 scheiterte er kläglich. Sein größter Fehler war wohl, dass er sich nicht bereit erklärt hatte, auch im Falle einer Niederlage seinen Ministerposten in Berlin aufzugeben und nach Düsseldorf zu gehen. Noch am Wahlabend legte er den Vorsitz der Landespartei nieder.

    Die Kritik aber hielt an. Schließlich feuerte ihn Kanzlerin Angela Merkel wenige Tage nach der Wahl fristlos. Ihre Erklärung dazu dauerte nur 90 Sekunden.

    Erst zwei Jahre später bekam er wieder eine hervorgehobene Rolle zugewiesen. Er wurde Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, der er bis heute ist.

    Als Döbler das Thema Außenpolitik ansprach, war Röttgen in seinem Element. Auf die anstehende Präsidentschaftswahl in den USA blickt der CDU-Politiker mit Sorge. Im Falle eines erneuten Wahlsieges von US-Präsident Donald Trump befürchtet er Schlimmstes: „Das ist die Erosion der internationalen Führungsfähigkeit der USA.“

    Aber auch eine neue Führung in den USA muss nicht unbedingt bequem sein für Deutschland. Röttgen rechnet damit, dass ein Präsident Joe Biden mit einer klaren partnerschaftlichen Erwartungshaltung an Deutschland herantreten werde. Diese könnte eine Arbeitsteilung beinhalten und zur Folge haben, dass sich Europa womöglich künftig allein um den Nahen Osten kümmern muss. „Wenn wir es nicht selber machen, die USA werden es nicht mehr tun.“

    Hinsichtlich des Klimawandels verordnet Röttgen seiner Partei Selbstkritik und fordert eine klare Haltung zur Klimapolitik. Vor allem jüngere Menschen könnten sonst den Verdacht entwickeln, „dass wir ein taktisches Verhältnis dazu haben“.

    Die CDU habe Sozialismus und Kapitalismus in der Sozialen Marktwirtschaft versöhnt. „Das muss uns beim Ökologischen auch gelingen“, sagte er. Mit Blick auf den kommenden Bundestagswahlkampf verwies Röttgen erneut darauf, dass der „neue Wettbewerber für die CDU“ in der Mitte die Grünen seien.

    Döbler fragte den Politiker schließlich, ob es möglich sei, dass er nur kandidiere, um am Ende einen Ministerposten zu erlangen. Röttgen schüttelte den Kopf: „Ein solches Denken liegt mir völlig fern.“

    Mehr: Friedrich Merz will keine Absprache: „Wir sind doch nicht in der DDR!“

    Startseite
    Mehr zu: Kampf um CDU-Vorsitz - Norbert Röttgen: „Nord Stream 2 war nie im deutschen Interesse“
    6 Kommentare zu "Kampf um CDU-Vorsitz : Norbert Röttgen: „Nord Stream 2 war nie im deutschen Interesse“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Norbert Röttgen war schon immer ein Vertreter amerikanischer Interessen und einer der Russland geradezu hasst. Als Kanzlerkandidat scheidet er damit faktisch aus, denn es liegt weder in unserem Interesse, teures amerikanisches Gas abzunehmen, noch liegt es in unserem Interesse, die Fronten mit Russland weiter zu verhärten. Für die Amerikaner ist es leicht, in Europa Konflikte anzuzetteln, denn Europa ist weit weg. Es wäre interessant zu sehen, wie Amerika reagieren würde, wenn die Russen vor deren Haustür Truppen stationieren würden. Man muß sich immer in die Lage des jeweils anderen versetzen.....

    • „Ich bin Realpolitiker und kein Moralist“, sagte er ....
      und dann kommen doch nur moralische und/oder unqualifizierte Sätzchen

    • Immer wieder lustig wenn offensichtlich transatlantische Interessen einfach als Deutsch gelabelt werden. Zu den Interessen der USA zählt nur ihr eigenes Wohlergehen. Dazu möchten Sie uns überteuertes Fracking Gas andrehen, am besten so das wir zum Preis garnichts mehr sagen können. Jede Diversifizierung in dem Markt kann uns nur Recht sein.

    • Herr Röttgen hat noch nie gewusst was deutsches Interesse ist. Er hat in der Vergangenheit schon viel erzählt und wenig ausgesagt.
      Wenn so langfristig berechenbare Politik gehen soll und man mit Schadensersatzansprüchen der investierten, europäischen Unternehmen umgegangen wird, ein echtes Armutszeugnis für die Qualität unseres politischen Führungspersonals. Von Verantwortung keine Spur, von Durchdringung des Problems nichts zu sehen.

      So geht nicht Zukunft und schon gar nicht Wirtschaft. Es wäre für Deutschland günstiger, wenn Herr Röttgen zur Belohnung seiner Lebensleistung in den Frühruhestand versetzt wird - und da fielen mir noch eine Menge andere Leute ein. Verantwortung ist sowieso kein Fach in der "Ausbildung" von Politikern:innen.

    • Liegt es an NRW?
      Ausser H. Laschett hat offensichtlich auch H. Röder in der Wahrnehmung der Realität
      dass rettende Ufer aus den Augen verloren.

    • Guter Grund ihn nicht zu waehlen. Da er wohl kaum Kanzler-Kandidat wird, kann er sich
      fuer die Nachfolge von Herrn Grenell einschreiben.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%