Kanzlerin in Afghanistan Merkel muntert Truppe in Masar-i-Scharif auf

Eine Stippvisite führt Bundeskanzlerin Angela Merkel zur deutschen Truppe nach Masar-i-Scharif. Die Soldaten beklagen den Tod eines Kameraden – an der Afghanistan-Strategie der Regierung ändert der Todesfall aber nichts.
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Merkel muntert Truppen auf

Masar-i-ScharifKnapp eine Woche nach dem Tod eines deutschen Elite-Soldaten in Afghanistan ist Bundeskanzlerin Angela Merkel dort zu einem Truppenbesuch eingetroffen. Die Kanzlerin landete am frühen Freitagmorgen in Begleitung von Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif. Nach ihrem Eintreffen im Feldlager Kundus besuchte Merkel den Ehrenhain, wo sie der getöteten deutschen Soldaten gedachte.

Am vergangenen Samstag war erstmals ein Elite-Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Afghanistan getötet worden. Der Hauptfeldwebel geriet bei einer gemeinsamen Operation mit afghanischen Kräften in einen Hinterhalt der Taliban und wurde erschossen. Die Merkel-Reise war schon vor dem Todesfall geplant, hat dadurch aber noch einmal eine zusätzliche Bedeutung erlangt. Der 32-Jährige war der erste Bundeswehrsoldat seit fast zwei Jahren, der in Afghanistan getötet wurde.

Merkel sprach den Soldaten aber nicht nur Mut zu, sie mahnte auch weitere Reformen in Afghanistan vor dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 an. „Wir werden ein Auge darauf haben, dass der politische Prozess hier vorangeht“, sagte sie am Freitag. Als anstehende Aufgaben nannte Merkel die Vorbereitung der Präsidentschaftswahl im April 2014 und den Aufbau der Wirtschaft. „All das vollzieht sich zum Teil mühselig, zum Teil etwas langsamer als wir uns das wünschen“, sagte Merkel. „Aber es ist unabdingbar dafür, dass der militärische Einsatz nicht alleine stehenbleibt, sondern dass er wirklich Erfolg hat.“

Bei dem Truppenbesuch bekräftigte die Kanzlerin den Willen der Bundesregierung, sich nach dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes Ende 2014 weiter militärisch in Afghanistan zu engagieren. Sie ermunterte andere Länder, das ebenfalls zu tun. „Die Bundeswehr hat hier im gesamten Gebiet natürlich auch gezeigt, wie internationale Kooperation gut funktionieren kann.“ Der multinationale Einsatz in Nordafghanistan wird von Deutschland geführt.

Es ist Merkels fünfter Afghanistan-Besuch seit 2007. Erstmals flog die Kanzlerin direkt mit einem Regierungs-Airbus von Berlin nach Masar-i-Scharif. Bei den vorangegangenen Reisen musste sie aus Sicherheitsgründen im usbekischen Termes in eine Militärmaschine mit Raketenabwehrsystem umsteigen. Von Masar-i-Scharif aus flog die Kanzlerin per Hubschrauber weiter nach Kundus. Vor wenigen Tagen waren zwei Bundeswehr-Hubschrauber in Afghanistan von Aufständischen beschossen worden. Niemand kam zu Schaden.

Die Bundesregierung hatte nach dem Tod des KSK-Soldaten erklärt, unverändert an ihrer Afghanistan-Strategie festhalten zu wollen. Dazu gehört das Angebot, auch nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes ab 2015 bis zu 800 Soldaten für Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee zur Verfügung zu stellen. Deutschland hat damit als erstes Nato-Land einen konkreten Vorschlag für eine längerfristige Präsenz am Hindukusch gemacht. Die radikalislamischen Taliban hatten der Bundeswehr daraufhin mit gezielten Angriffen gedroht.

In Kundus wollte Merkel auch mit KSK-Soldaten zusammenkommen. Die Bundeswehr will das Feldlager in Kundus im Herbst an die Afghanen übergeben und den verlustreichen Einsatz in der Unruheprovinz dann nach knapp zehn Jahren beenden. Derzeit sind rund 4300 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert. Der Einsatz kostete bislang 53 deutsche Soldaten das Leben. 35 davon starben bei Angriffen und Anschlägen. Merkel hatte die deutschen Soldaten in Afghanistan zuletzt im März 2012 besucht.

Deutscher Soldat in Afghanistan getötet

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  • "Merkel muntert Truppe in Masar-i-Scharif auf"

    Truppe? Das war mal, muß jetzt heißen Trüppchen.

  • Das Buch von der Frau Höhler reicht schon für eine Gänsehaut. Warum ist das Buch denn so in der Versenkung verschwunden?

  • Also nochmal: Wo die ehrenwerte in subversiven DDR-Überlebenspraktiken geübte Frau Dr. A. Merkel ihre Macht ausübt geht es erfahrungsgemäß drunter und drüber, man könnte filmhistorisch sagen:"Leichen pflastern ihren Weg". Bezogen auf Afghanistan kann das auch wörtlich genommen werden. Soooooldaten, volle Deckung!

  • @ Aragon
    Die Alternative zur AfD liegt nicht im Ungewissen. Die Lösung der Probleme, die CDU und AfD trennen, werden andere EU-Länder frei Haus liefern. Wer aufmerksam die Nachrichten und Pressemitteilungen verfolgt, kennt die zentrifugalen Bestrebungen.

  • @ RumpelstilzchenA

    Es war auch für die USA kein Erfolg, sondern hat das Land - ohne greifbare Vorteile - in Verschuldung getrieben. Obama muss darüber hinaus auch angesichts seiner kriegsmüden Bevölkerung den zugesagten Abzug realisieren. Das Unterhalten eines Stützpunktes wäre sicherheitstechnisch und finanziell schwierig; vmtl. würde er überrannt werden. Allerdings könnte ein geordnetes Verhältnis wie zu Vietnam (trotz des unermesslichen Kriegsleids) angestrebt werden. Zurzeit ist aber nicht erkennbar, welche (hohen) Beiträge dazu von den Konfliktparteien geleistet werden müssten.

  • Und hier eine Beschreibung von Doris Lessing, deren Vater im 1. WK gekämpft hatte (auch wieder aus "Trauma and Recovery"):
    The young bank clerk who worked such long hours for so little money, but who danced, sang, played, flirted - this naturally vigourous, sensous being was killed in 1914, 1915, 1916. I think the best of my father died in that war, that his spirit was crippled by it. The people I've met, particularly the women, who knew him young speak of his high spirits, his energy, his enjoyment of life. Also of his kindness, his compassion and -a word the keeps recurring- his wisdom...I do not think these people would have easily recognized the ill, irritable, abstracted, hypochondriac man I knew.

    Wenn ich an die Väter vieler Schulfreunde denke, dann sehe ich da grosse Parallelen. Viele zogen jung und in den Krieg und waren für immer verändert. Missbrauch (emotionell, psychisch und physisch) in den Familien kam geregelt vor, was oft auf die chronische Traumatisierung zurückzuführen war.

    Ihre Art des Denkens ist kein Schutz davor. Ich beschäftige mich professionell mit Trauma und war bis jetzt der ziemlich optimistischen Einstellung zugetan, dass es sich heilen lässt. Doch in vielen Fällen ist es eher ein damit umgehen und leben lernen. Wobei es auch Fälle gibt für die jegliche Hilfe zu spät kommt.

    Leute, die zum Militär gehen, sollten dieses wissen.

  • Gut lanciert: Merkel unrechtmäßig in Afghanistan, in Deutschland erscheint ein Buch über Merkels Vergangenheit. Diese Vergangenheit wird auch die Kanzlerin einholen. Leider hat die Union keine Alternativen. Das ist der Untergang. AfD wählen, jetzt noch mehr!

  • Wir brauchen bei der KSK Kerle, die bis zum Letzten kämpfen und zur Eliminierung des Gegners entschlossen sind!

    Und sie glauben jetzt also im Ernst, dass es die ganz harten nicht treffen wird, um PTSD zu entwickeln? Weit gefehlt. Genau diese Fehleinschätzung lässt viele junge Leute in die Falle laufen. Sie wissen nicht, worauf sie sich einlassen.

    Eine Idee, was die Effekte sind, die die Familie des Soldaten ereilt:
    I often thought my father would kill us when he was drunk. He held me and my mother and my brother at gunpoint once. It went on for hours. I remember the wall we were standing against. I tried to be good and do what I was supposed to do.
    Judith Herman, Trauma and recovery. Der Vater war Vietnamveteran.

  • Armin-Harald
    ja, klar, aber wir bekämpfen dort keine Gegner, die haben uns nämlich nie angegriffen.
    Unsere Soldaten verteidigen nicht unser Land und genau das ist das Kriminelle.
    Unsere Soldaen verden verheizt für die Politik

  • Zitat : Merkel muntert Truppe in Masar-i-Scharif auf

    - Die Zonenwachtel muss die Zeit bis zu den Wahlen überbrücken...das sind solche Ausflüge immer eine gute Gelegenheit !

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